Folge 10 - Wenn Körper und Psyche zusammen stolpern
Shownotes
Das Zusammenwirken von Psyche und Körper ist elementar. Denn was passiert, wenn schwere körperliche Erkrankungen plötzlich alles verändern? Wenn Diagnosen wie Krebs nicht nur den Körper, sondern auch die Seele treffen?
Prof. Dr. med. Eva-Maria Skoda, Ltd. Oberärztin Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Bereichsleitung Psychoonkologie und Somatopsyche an der LVR-Universitätsklinik Essen / Universität Duisburg-Essen, zeigt im Gespräch mit Moderator Daniel Schwingenheuer auf, was passieren kann, wenn Körper und Seele gemeinsam aus dem Gleichgewicht geraten sind und welche Rolle hierbei die psychosomatische Medizin spielt. Sie macht deutlich: Psychosomatische Medizin ist kein Randthema, sondern ein Querschnittsfach, das in nahezu allen Bereichen der Medizin eine wichtige Verbindung schafft. Sie zeigt auf:
- Was psychosomatische Medizin eigentlich genau bedeutet.
- Warum die psychosomatische Medizin in der medizinischen Ausbildung stärker betont werden sollte.
- Wie psychische Erkrankungen die Heilungschancen bei körperlichen Erkrankungen beeinflussen können.
- Welche Rolle Algorithmen, Einsamkeit und fehlende soziale Korrektive für psychische Erkrankungen spielen, besonders bei jungen Menschen.
- Und wie konkret die Corona-Pandemie ein Katalysator für ein erhöhtes Bewusstsein für psychische Belastungen wurde.
Wer verstehen möchte, was es bedeutet, in einem medizinischen System wirklich zuzuhören, Belastungen frühzeitig zu erkennen und gezielt Unterstützung anzubieten, ist in dieser Folge genau richtig. Denn gute Medizin braucht beides: fachliche Präzision und echte menschliche Begegnung.
**Triggerwarnung: **In diesem Podcast sprechen wir über psychische Erkrankungen. Wenn dich diese Themen belasten könnten, höre bitte achtsam zu und hol dir professionelle Unterstützung, wenn du sie brauchst.
**Tipp: **Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag im Monat. Jetzt abonnieren – und keine Folge verpassen! Weitere Infos: www.sinnvoll.lvr.de
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Bildnachweis: ©LVR-Universitätsklinik Essen
Podcast-Empfehlung: In unserem Podcast „RheinlandRAUSCH“ geht es um echte Geschichten von Menschen, die ihren Weg aus der Sucht gegangen sind, um mutmachende Gespräche mit Expert*innen und um hilfreiche Informationen, die dir oder deinen Liebsten den ersten Schritt in Richtung Hilfe erleichtern sollen. Ob du selbst betroffen bist, dir Sorgen um jemanden machst oder einfach mehr über das Thema erfahren möchtest – wir sind hier für dich. RheinlandRAUSCH | Podcast on Spotify
Transkript anzeigen
00:00:00: Die Pandemie begann und ich kann mich, wie wahrscheinlich jeder sich irgendwie noch so ein bisschen dran erinnern.
00:00:04: Wie es angefangen hat und wie man es nicht so richtig ernst genommen hat Ich dann aber mit ein paar Kollegen zusammensaß Und die Beschränkungen immer mehr wurden und die dann gesagt haben Also ihr von der Psychosomatik, ihr müsstet halt eigentlich mal gucken wie es den Leuten geht.
00:00:18: Wenn so was jetzt passiert das ist ja noch nie da gewesen was hier gerade passiert.
00:00:23: und dann haben wir einen Link gebastelt haben auch mit der Ethikkommission vorher gesprochen.
00:00:27: Wir haben gesagt Ja go!
00:00:29: Wir sind da jetzt auch mal schnell unterwegs weil wir merken dass das irgendwie zeitkritisch ist und haben diese Befragung in die Welt gesandt.
00:00:37: Und was ich nach wie vor ziemlich relevant finde, ist dass wir eine hohe psychische Belastung hatten in dieser Krisenzeit – das ja sehr nachvollziehbar ist, was wir auch alle gedacht haben -, dass diese Belastungen aber nicht das Vorniveau wieder erreicht hat.
00:00:50: Also dass wir nicht wieder zu unserem Ursprungszustand zurückgekommen sind, sondern dass das etwas mit uns gemacht hat.
00:00:56: Dass wir psychisch belastet hergeblieben sind!
00:01:03: dem Psychiatrie Podcast aus dem LVR-Klinikverbund.
00:01:06: Echte Geschichten, ehrliche Einblicke von Menschen die mit Herz in der Psychiatie arbeiten!
00:01:11: Unser Ziel Vorurteile abbauen, Einblicken geben und den Menschen hinter dem Beruf sichtbar machen Denn Seelenarbeit beginnt mit echtem Geschichten Und hier erzählen wir sie Und für diese Folge reisen wir mitten ins Ruhrgebiet.
00:01:31: Heute gehen wir der Wechselwirkung von Psyche und Körper auf den Grund, dafür begeben wir uns an den vielleicht besten Ort um darüber was zu lernen!
00:01:40: Wir sind an der LVR Universitätsklinik in Essen.
00:01:44: Schön dass ihr auch heute wieder mit dabei seid.
00:01:46: ich bin Daniel Schwingenhäuer und ich freue mich das Professorin Dr.
00:01:50: Eva Maria Skoda heute mit dabei ist.
00:01:52: Hallo Eva.
00:01:53: Hallo Daniel Ich freu mich dabei zu sein.
00:01:56: Eva, du bist Leitende Oberärztin und Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
00:02:03: Das ist jetzt allerdings bisher nur die Hälfte dessen was man über dich sagen sollte zu Beginn.
00:02:08: Du bist nämlich gleichzeitig auch die Bereitsleitung für Psycho-Onkologie und Somatopsyche.
00:02:14: Das ist ganz schön lang.
00:02:16: Ganz schön lang, ja!
00:02:17: Also ganz schön viel aber total spannend.
00:02:19: werden wir mit Sicherheit alles im Laufe des Gesprächs heute mal mit dabei haben und klären was das eigentlich ist?
00:02:26: vorher nochmal der Hinweis für euch.
00:02:28: in dieser Folge geht es um sensible Themen rund um schwere Erkrankungen in Verbindung mit psychischen Auswirkungen.
00:02:34: wenn euch diese Themen belasten dann hört bitte nur weiter zu Wenn ihr euch aktuell stabil fühlt oder eine Vertrauensperson an eurer Seite isst Und ganz wichtig natürlich zögert niemals professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.
00:02:47: Eva, spontaner Gedanke gerade bei deiner Vorstellung wie bekommt man das alles unter einen Hut?
00:02:52: So viele Themen!
00:02:54: Ja die Antwort ist der Zeitumkehrer von Harry Potter.
00:02:58: Nein!
00:03:02: Man kriegt es unter einen Hut, in dem man glaube ich viel Spaß am Thema hat.
00:03:06: Dass Fach ein interessiert und einen mit Begeisterung erfüllt.
00:03:10: aber wenn man eben auch ziemlich viel Support von außen hat das ist ja auch immer dann der zweite Teil dass meine Familie hat die das mitträgt und die das unterstützt aber auch dass man im beruflichen Umfeld Mentoren hat die einem Wege bereiten und die einem Platz dafür machen dass man sich entfalten kann und neue Dinge schaffen kann.
00:03:27: und denen also das Glück habe ich.
00:03:30: deswegen funktioniert es auch.
00:03:33: Und genau deswegen hast du heute auch noch Zeit für diesen Podcast und das ist toll, schön dass du da bist!
00:03:37: Wir schauen uns ganz kurz an wie du eigentlich da gelandet bist?
00:03:40: Du hast studiert an der Eberhard Karls Universität in Tübingen Humanmedizin damit jetzt nicht alle die App switchen und erstmal gucken wo sie eigentlich Tübingen ist ein bisschen südlicher als Stuttgart in Baden-Württemberg.
00:03:52: Kommst du daher eigentlich oder bist du der fachlichen Qualifikation gefolgt?
00:03:58: Nein, ich komme tatsächlich auch aus der Gegend.
00:04:00: Also ich bin eher heimatnah fürs Studium geblieben und ich habe da auch ein Studium-Generale gemacht bevor ich Medizin studiert habe.
00:04:08: Deswegen bin ich da irgendwie klebengeblieben im kleinen Tübingen und es ist wirklich klein.
00:04:12: also wenn da Semesterferien sind und keine Studierenden mehr da sind die Stadt quasi leer.
00:04:16: Du warst dann zunächst an der Uni-Klinik Tübbing hast du deine Doktorarbeit geschrieben über Jetzt hoffe ich, dass sie das irgendwie richtig zusammenfasst über die Wechselwirkung von Aktivität auf sozialen Netzwerken und die Erkrankungen an Magersucht.
00:04:29: Es trifft es fachlich wahrscheinlich nicht komplett aber ist es irgendwie richtig?
00:04:33: Doch doch!
00:04:34: Das ist schon richtig.
00:04:34: also es ging um Anorexion und Facebook damals und es gingen um diese Proanaforen.
00:04:38: Das kennen tatsächlich viele Betroffene auch des Thema pro Ana, ProMir und darüber habe ich geforscht und ja meine Promotion geschrieben
00:04:48: Frau Anna Promier, das waren bzw.
00:04:50: sind Strömungen im Internet?
00:04:53: Interessen rund um Magersucht und...
00:04:57: Ja also es ist tatsächlich schon noch ein bisschen mehr wo auch dann die Anorexie fast zu so einem Lifestyle in der Religiosität erhoben wird und gar nicht mehr als psychische Erkrankung thematisiert wird was natürlich total gefährlich ist für Menschen die vulnerabel sind und die dann auch mal schnell in einen Stutel reinkommen der Erkrankung.
00:05:15: Ja, in den letzten
00:05:22: Jahren.
00:05:22: Ja, im Jahr ist es so naheliegend auch meine Freunde.
00:05:27: Hä?
00:05:29: Wieso gehst du ins Ruhgebiet, geht's dir gut.
00:05:32: Da ist doch nur rauchende Schlote!
00:05:35: Aber es war tatsächlich so dass ich habe zu der Zeit meine Tochter bekommen und mein damaliger Chef in Tübing Professor Teufel hat den Ruf nach Essen bekommen und ist da eben der Chef geworden in der Klinik für psychosomatische Medizin und er hat mich gefragt ob ich mitkommen möchte.
00:05:52: Er war auch der Betreuer meiner Doktorarbeit Why not?
00:05:57: Dann hatte mein Mann auch ein Stellenangebot in Düsseldorf und dann dachten wir, die zwei Städte liegen sicher total weit auseinander.
00:06:03: Wir kommen ja aus Süddeutschland da ist alles weitaus auseinander und als wir dann festgestellt haben dass die Luftlinie echt nicht so groß ist, haben wir gesagt das machen jetzt gehen wir ins Ruhrgebiet und jetzt sind wir hier und wir sind total glücklich im Ruhr Gebiet.
00:06:14: Das Ding ist nur über die Autobahn oder mit dem Zug braucht man trotzdem drei Stunden weil also es so verstopft ist hier im Ruher Gebiet.
00:06:23: Also wir können mal festhalten, du hast diesen ganzen Weg in eine unglaublich schnellen Zeit zurückgelegt.
00:06:36: Das geht natürlich nur wenn man einfach grundlegend ein riesiges Interesse an diesem ganzen Themen hat.
00:06:42: was fasziniert dich denn eigentlich so an Körper und Psyche?
00:06:45: Es geht tatsächlich auch nur weil man ziemlich viel Glück hat.
00:06:49: Ich hatte nämlich tatsächlich Glück, dass ich in der Corona-Pandemie ganz viel Wissenschaft machen konnte und dann diesen Weg beschreiten konnte.
00:06:55: Und die Corona- Pandemie ist auch der Grund warum vielleicht dieses Thema Psyche und Körper für mich mehr in den Fokus gerückt ist weil wir dann plötzlich eine Situation hatten wo ne körperliche Erkrankung oder auch ne Bedrohung einer körperlichen Erkrankung da war und die hat ganz viel mit uns allen gemacht.
00:07:11: also wir konnten das ja sehen.
00:07:12: Wir mussten nur links und rechts gucken wie es den Leuten plötzlich ging Wie die Angst bekommen haben selbstständigt hat, wie die Stimmung schlechter wurde umso länger vielleicht auch Isolation und Social Distancing weiterging.
00:07:25: Und da dachte ich mir Mensch was für Einflüsse hat denn eigentlich das was uns körperlich bedroht aber auch was wir körperliche haben darauf wie es uns psychisch geht?
00:07:33: Die Wechselwirkung psychische Körper ist ja auch quasi das grundlegende Thema der psychosomatischen Medizin
00:07:39: Ja!
00:07:40: Und trotzdem hast du ja zumindest den Weg in die Medizin schon wesentlich früher gewählt.
00:07:44: ne Was steckte dahinter?
00:07:47: Warum bin ich in die Medizin gegangen?
00:07:49: Ist eine gute Frage.
00:07:50: Eigentlich wollte ich Kunstgeschichte studieren und hatte dann eben im Tübing ein Studium Generale gemacht am Leibniz-Kolleg, und hatte damals auch so beruforientierende Seminare haben wir die verschiedenen Sachen angeguckt und mich dann damals mit dem Leiter unterhalten und er sagte zu mir weißt du Eva weil die Medikine ihm auch im Rennen war Kunstgeschichte auch so ein bisschen nebenher als Hobby machen, aber Medizin geht nicht als Hobby.
00:08:20: Medizin muss man ganz machen!
00:08:22: Da muss man sich ganz für entscheiden.
00:08:24: und ehrlich gesagt war das vielleicht auch ein total entscheidender Satz weil Medizin eben auch nur ganz funktioniert also auch Körper und Psyche ganz und nicht nur eins von beiden.
00:08:33: Und ist die Kunstgeschicht denn jetzt dein Hobby?
00:08:35: Die Kunstgeschichten ist tatsächlich auch ein bisschen mein Hobby geblieben.
00:08:38: ja das stimmt Wir hatten es ja jetzt schon über das Bild dass bei mir im Hintergrund hängt.
00:08:44: Liebe die Kunst und ich habe viel Freude daran, über die Kunst zu lesen und zu lernen.
00:08:50: Und ich finde sie bereichert mich auch in meiner Arbeit.
00:08:53: Weil du das jetzt gerade angeteasert hast?
00:08:55: Das war grade vor dem Podcast in unserem kurzen Vorgespräch.
00:08:58: hinter dir hängt ein riesiges Bild!
00:09:00: Das musst du jetzt natürlich dann auch kurz erzählen was das für ein Bild ist und warum das da hängt.
00:09:04: Also hinter mir hängt die Schule von Athen.
00:09:06: Das ist ein Fresco von Raphael aus der Hochrennessance und das zeigt eine riesige Halle in der stehen ganz, ganz viele Männer.
00:09:17: Nur Männer?
00:09:17: Das ist etwas schade!
00:09:19: Aber ja, das sind die antiken Philosophen und in der Mitte stehen Aristoteles und Platon.
00:09:25: Und es ist schon erstaunlich, dass das eben im Vatikan an die Wand gemalt wurde, weil es ja antike Philosophie beinhaltet, die jetzt nicht nur religiös gewesen ist sondern eine weltliche Philosophia aber Raphaelus in der Hochrheinescence trotzdem hinmalen durfte.
00:09:38: Und quasi so diese Relevanz von Wissenschaftlichkeit und Nachdenken und sich Gedanken über Welt- und Materie jenseits des Kirchlichen zu machen bedeutet.
00:09:49: Unter anderem da bzw.
00:09:51: vielleicht ist es da jetzt auch wieder eine Wechselwirkung, weil in deiner ersten Vorlesung du genau über dieses Bild auch referiert hast?
00:09:57: Genau!
00:09:57: In meiner Antrittsvorlesung habe ich das Bild als Anlass dafür genommen welche Rolle eigentlich die psychosomatische Medizin in dem Dschungel an somatischer Medizin spielen kann.
00:10:07: Also wenn man sich mal das Organigramm von Universitätskliniken anguckt, dann sind da immer ganz furchtbar viele Professoren die verschiedene körperliche Fachbereiche verantworten.
00:10:17: So als Herz oder Lunge oder was auch immer und sie sind da eben wie diese Philosophen, die da alle im Hintergrund stehen und die wissen alle total viel Bescheid über ihren Bereich.
00:10:26: aber manchmal funktioniert es mit der Kommunikation untereinander nicht so gut Und es funktioniert manchmal auch nicht so gut mit der Kommunikation darüber, was vielleicht alle Patienten ein, nämlich dass sie eine Psyche haben.
00:10:36: Dafür gibt es dann eben uns als psychosomatische Medizin die auch im Bild steht, die aber vielleicht das verbindende Element sein darf und das ist in diesem Bild tatsächlich Raphael selber, der Maler, der sich selbst an das Bild reingemalt hat also der den Überblick hat, aber der auch mit einem Geschehen steht
00:10:53: Spannende Gedanken auf jeden Fall.
00:10:55: Wie groß ist denn aktuell die Rolle von psychosomatischer Medizin in Verbindung mit der somatischen Medizin?
00:11:02: Also wenn man mich fragt, ist die Rolle riesengroß!
00:11:07: Sollte sie sein oder ist es in der Realität auch so?
00:11:10: Das war eigentlich ja die Frage.
00:11:12: Ich glaube, man muss das ein bisschen differenzierter sehen.
00:11:16: Also hier bei uns am Universitätsklinikum zusammen mit dem Universitätersklinikum Essen ist die Rolle glaub ich schon recht eindrucksvoll geworden und auch groß und es ist auch ein großes Verständnis für das Thema Psyche und Körper und die Wechselwirkungen dafür entstanden.
00:11:32: Das hängt, glaube ich schon immer ein bisschen damit zusammen an welchem Haus man ist und wie stark eine psychosomatische Medizin auch in den Dialog geht.
00:11:40: Und diese vermittelnde Querschnittswirkung und Rolle einnimmt.
00:11:46: das kann dann anderen Häusern eben gar nicht so ausgeprägt sein.
00:11:49: bei uns ist es relativ stark ausgeprägte weil wir auch relativ viel Kraft rein investieren dass es diesen Austausch gibt.
00:11:56: Ich würde sagen deutschlandweit Ist da auch schon total viel passiert und wir sind irgendwie, als Fach psychosomatische Medizin sehr in den Fokus gerückt.
00:12:06: Aber wir haben natürlich immer noch Platz nach oben wie man immer Platz nach unten hat.
00:12:09: Ja jetzt sind wir schon mitten drin.
00:12:11: eine Sache fehlt noch die Schnellfrage runde.
00:12:13: trotzdem habe ich noch kurze Nachfrage Wie dick sind denn die Bretter die man da so bohren muss?
00:12:18: ist dann offenes Ohr?
00:12:19: Sind da viele Kolleginnen und Kollegen die sagen ja das ist uns auf schon aufgefallen dass wir da eigentlich noch viel mehr fokus drauf legen müssen oder kommt man da erstmal an und die fragen sich, warum.
00:12:32: Auch das kann man jetzt nicht so pauschal beantworten.
00:12:33: aber manchmal sind die Bretter dicker und manchmal sind sie eigentlich gar nicht so dick weil vielleicht auch Kollegen sagen Ich habe das in der Pandemie vielleicht sogar auch gemerkt oder ich merke es an meinen Kindern, dass psychische Belastungen eine total große Rolle spielen können.
00:12:50: Oder ich hab's im Freundes- und Bekanntenkreis gesehen.
00:12:52: also die Pandemie hat uns da schon sensibilisiert.
00:12:55: aber manchmal gibt es eben auch sehr dicke Bretter wo auch ne Idee entsteht von wegen naja Psyche das ist was das passiert anderen Leuten und ich mach doch hier Hochpräzisionsmedizin Da braucht der Patient sich auch noch ne Psychie haben.
00:13:09: Wir kommen zu unserer Schnellfrage Runde.
00:13:11: Deine Aufgabe so schnell und trotzdem so präzise wie möglich zu antworten auf die Dinge, die ich dir jetzt her als Aufgabe hinlege.
00:13:19: Also erstens drei Worte, die dich und deine Arbeit beschreiben?
00:13:23: Abwechslungsreich... Oh das ist ja Klassiker!
00:13:26: Sorry.
00:13:30: Menschlich und interessant.
00:13:35: Boah ist das langweilig.
00:13:36: Tut mir leid, weil es ist mir nicht eingefallen.
00:13:38: Ja, so ist es.
00:13:39: Das zweite Was hast du lieber?
00:13:41: Komplexität oder klare Antworten?
00:13:44: Klare Antwort.
00:13:45: Geht das manchmal ohne Komplexkeit?
00:13:48: Jetzt stellst du die gleiche Frage wie mein Chef, der dann auch gesagt hat aber das ist doch je nachdem.
00:13:53: natürlich ist es je nach dem Aber wenn ich die Wahl habe dann mag ich schon gerne wenn Dinge klar sind.
00:13:59: Schöne Grüße an dein Chef!
00:14:01: Die dritte Sache was sie überrascht KollegeInnen am meisten an deinem Fach.
00:14:06: Die Lieblingsfrage dich gestellt bekommen ist aber Du hast doch Medizin studiert Hast du nen Kittel?
00:14:16: Die meisten überrascht tatsächlich, was für einen großen Impact es auch haben kann wenn man Patienten zuhört und mit ihnen Gespräche führt.
00:14:24: Dass das auch schon ein richtig großer Gamechanger sein kann und dass es manchmal größerer Gamechangers ist als sonst irgendwas anderes an irgendwelchen therapeutischen Maßnahmen umzustellen.
00:14:34: Spannend!
00:14:35: Du bist Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
00:14:40: Es gibt viele Leute, die hier zuhören und sich vielleicht gar nicht im Klaren sind.
00:14:45: was möchte ich eigentlich später mal machen?
00:14:46: Viele, die vielleicht gerade sogar noch zur Schule gehen und sich natürlich jetzt auf fragen, was ist denn eigentlich psychosomatische Medizinen?
00:14:54: also psycho ist klar es geht um psychosomatices geht um den Körper und dann noch die medizin dabei.
00:15:01: wie definierst du das?
00:15:04: Psychosomatische Medizin ist alles, was sich um die Wechselwirkung, die unsere Psyche auf unseren Körper aber auch unser Körper auf unsere Pysche haben kann dreht.
00:15:15: Also da geht es natürlich auch ein Stück weit darum, was passiert auch im gesunden Menschen in Wechsel Wirkung?
00:15:21: Das passiert jeden Tag jede Sekunde in unserem Leben.
00:15:24: Aber was ist auch das, was passiert wenn eins von diesen Systemen in ein Ungleichgewicht gerät oder vielleicht sogar gleichzeitig und das System krank wird?
00:15:35: Da gehören eben verschiedenste Krankheitsbilder dazu die genau in diesem Bereich der Schnittstelle zwischen Körper- und Psychi auch fallen.
00:15:42: zum Beispiel Erkrankungen im Bereich Ess- und Gewichtsstörung.
00:15:45: Wenn Essen, Körper oder Gewicht plötzlich nicht mehr richtig glatt laufen, sehr viel Raumeinnehmen, einen sehr quälen und damit auch psychisches Leiden hervorruften.
00:15:56: dazu gehören aber auch körperliche Belastungsstörungen also Schmerzen bei denen wir vielleicht gar keine Ursache dafür finden zumindest auf körperlicher Ebene, die wir behandeln könnten oder bei der wir irgendwas tun könnten.
00:16:10: Wo wir uns fragen naja welche Rolle spielt denn vielleicht auch eine aktuelle Belastungssituation oben drauf?
00:16:15: Oder wo eben beides auch vermischt ist wie zum Beispiel in der Psycho-Onkologie und Schwere Krebserkrankungen.
00:16:21: das is ne Diagnose.
00:16:23: die macht vielen vielen Menschen heute noch große große Angst normal in den Prozess wieder verarbeitet werden und man kommt dann mit dieser neuen Realität klar.
00:16:34: Es kann aber auch sein, dass das nicht klappt!
00:16:36: Und die Angst dann so übermächtig wird, dass dann auch z.B.
00:16:39: Körpersymptome verstärkt wahrgenommen werden, dass übermäßige Übelkeit im Rahmen von Chemotherapien oder über die Chemotherapie hinausbestehen oder dass die Ängste einen so lähmen, dass man auch die Zeit, die man zum Leben noch hätte gar nicht mehr leben können.
00:16:51: Das alles ist psychosomatische Medizin.
00:16:54: also alles wo wir eine Wechselwirkung erleben ist die psychosomatische Medizin auch überall in der Medizin relevant.
00:17:04: Also wenn man jetzt so ein Bild malen möchte, dann sind Psyche und Körper, die gehen normalerweise den Weg zusammenhalten sich in der Hand und wenn einer dann stolpert, zieht er den anderen teilweise halt mit runter?
00:17:15: Ganz genau!
00:17:16: Aber auf der anderen Seite kann der andere Teil dann auch wieder auffelfen.
00:17:20: Und genau das mit Patienten zu sprechen und rauszufinden, welcher Teil ist jetzt irgendwie ins Trudeln gekommen?
00:17:24: Sind beide ins Truteln gekommen.
00:17:26: Wo können wir unterstützen?
00:17:27: was braucht es vielleicht dass das Trudel wieder aufhört?
00:17:30: Das ist die Aufgabe und auch die therapeutische Idee von psychosomatischer Medizin
00:17:34: Schwirren ja so verschiedene Begriffe manchmal durch den Raum.
00:17:37: Jetzt haben über psychosomatische Medizin gesprochen Es gibt aber auch die Psychosomatik.
00:17:41: wo ist denn genau der Unterschied Dass wir das jetzt zu Beginn dieses Podcast einfach mal klar haben?
00:17:47: Also mir ist ja der Unterschied immer total wichtig.
00:17:49: Die psychosomatische Medizin ist ein eigener Fachbereich, ein eigenes Facharzt und er ist abzugrenzend zur Psychiatrie.
00:17:56: Die Psychiatri hat in ihrem Facharst auch Psychiotherapie und Psychosomatik stehen weil natürlich auch im Rahmen von psychiatrischen Erkrankungen Körpersymptome auftreten können.
00:18:07: aber das ist dann eher so oft ein Beigeschmack.
00:18:09: Das passiert halt auch mit dabei bei einer Schizophrenie, bei einer Psychose oder bei einer Suchterkrankung.
00:18:15: Augenmerk der wirklich, der Wechselwirkung Körper und Psycho- und den psychotherapeutisch zu begegnen.
00:18:19: Der liegt in der psychosomatischen Medizin.
00:18:21: Und die psychosomatik das kann quasi jeder zu sich sagen Die psychosomaticen medizin dass ist das wo sich wirklich auch gezielt therapeutisch darum dreht wo das daß die Aufgabe ist.
00:18:33: Würdest du denn sagen dass jede person die erkrankt Zumindest mal von jemandem begutachtet werden sollte der oder die sich mit psychosematischer medizin auskennt?
00:18:43: auf gar keinen fall Auf gar keinen Fall.
00:18:49: Was mir immer wichtig ist, Leben ist nicht psychopathologisch.
00:18:53: Leben isst nicht an sich krank!
00:18:55: Wir haben Körperreaktionen und auch psychische Reaktionen die passieren.
00:18:59: wenn sie nicht mehr passieren sind wir tot.
00:19:01: deswegen muss nicht jeder Patient der eine Krebserkrankung hat plötzlich von einem Psychotherapeutin gesehen werden.
00:19:07: wir müssen nicht alles pathologisieren was wir machen müssen zu screenen, damit wir die finden, die belastet sind.
00:19:14: Damit wir einfach nur mal eine Frage stellen.
00:19:16: Aber die Frage muss nicht der Psychotherapeut stellen.
00:19:18: Da kann auch digitale Erhebungssysteme, da kann ärztliches Personal aus der Somatik mal fragen und da kann Pflegepersonal in Kontakt treten.
00:19:26: Also die Screening-Aufgabe, die kann jemand anders erledigen.
00:19:29: Die ist auch relativ einfach zu stellen.
00:19:31: Zum Beispiel haben sie in letzter Zeit das Gefühl für mehr traurig zu sein macht ihnen vielleicht gar nichts mehr Freude.
00:19:35: Damit hat man super rausgefiltert ob jemand eine depressive Erkrankung vielleicht entwickelt.
00:19:40: Diagnostik und das Fine-Tuning.
00:19:42: Das kann dein Psychosomatiker machen, der Psychotherapeut.
00:19:45: Aber die Frage an sich stellen muss nicht von den Psychotherapeuten erfolgen.
00:19:49: Das ist was Menschliches!
00:19:51: Und das müssen wir eben auch in der Medizin aufpassen, dass wir uns nicht entmenschlichen und sagen Naja ich als Arzt... Ich muss die Frage nicht mehr stellen dafür gibt es ja einen Fachdisziplin.
00:20:00: Nein Wir müssen als Ärzte menschlich bleiben und auch mal eine Idee und Gespür für den anderen entwickeln wenn's vielleicht auch nicht mehr gut ist.
00:20:07: Ja Wenn jemand jetzt eine Diagnose bekommt, Krebsherzinfarkt, chronische Erkrankungen.
00:20:13: Das sind so Momente da steht einfach das ganze Leben still.
00:20:17: Plötzlich ist alles anders und nachdem man eigentlich immer so gedacht hat ja das Ende ist offen gibt es vielleicht den Moment wo das Ende gar nicht mehr offen ist und man sich plötzlich mal damit beschäftigt ist ja irgendwie endlich dieses ganze Ding.
00:20:31: Gibt es Prozesse, die in allen Leuten in dem Moment gleich ablaufen.
00:20:37: Nur ist gerade schon gesagt, die einen belastet das mehr, die anderen stecken das irgendwie psychisch weg.
00:20:43: aber sind da grundlegende Prozisse, die bei allen gleich laufen im Moment?
00:20:50: Naja, also wir sind ja als Menschen tatsächlich nicht gleich.
00:20:52: Deswegen ist es glaube ich fatal zu sagen das läuft bei allen gleich ab.
00:20:57: Es gibt schon ähnliche Muster die natürlich auch Entwicklungspsychologisch eine gewisse Rolle spielen.
00:21:03: Da gehört zum Beispiel einfach Angst dazu Diagnose Schock dass man erstmal vielleicht auch gar nicht reagieren kann Auch gar nichts aufnehmen kann.
00:21:10: Wir kennen das wahrscheinlich alle wenn wir so ein Arztgespräch haben.
00:21:13: wir sind sauer aufgeregt.
00:21:14: Wir haben uns zwar einen Zettel geschrieben vergessen aber irgendwie dreimal die Hälfte der Dinge Und dann weiß man auch schon gar nicht mehr, was der Arzt geantwortet hat.
00:21:22: Da gibt es auch Untersuchungen zu, dass Patienten aus so Gesprächen ganz geringen Prozentanteil mitnehmen können und das hat etwas damit zu tun, dass unser System total im Overdrive ist wie Stresshormone ausschütten ohne Ende und unsere Gedächtnisvorgänge auch gar nicht richtig funktionieren in dem Augenblick.
00:21:39: Das ist schon relativ ähnlich.
00:21:41: also wir reagieren auf so massive existenzielle Bedrohungen dass das automatisiert abläuft.
00:21:47: Das ist, glaube ich, naheliegend weil wir nicht zu viel Gedanken darauf verschwenden sollten wenn uns der Säbelzahntiger begegnet sondern wir sollten loslaufen.
00:21:55: was danach aber passiert wie wir das dann verstoff wechseln ob wir dann eher die sind die an der angst hängen bleiben und uns um die angst drehen oder ob wir diejenigen sind die eher in grübeln unten verzweifeln kommen oder ob wird es ganz wegpacken in kleine handliche kisten?
00:22:13: Das ist sehr abhängig von dem, was wir vorher erlebt haben und wie wir aufgezogen worden sind.
00:22:19: Was unsere Grundüberzeugungen sind aber auch was wir vielleicht auch von außen an Inputs bekommen.
00:22:24: Wie hat das ärztliche Personal reagiert?
00:22:26: Was ist die Therapie, die auf mich zukommen wird?
00:22:29: Was bedeutet dieser Krebs?
00:22:30: Wie ist es medial dargestellt?
00:22:32: Ist das so der schreckliche Krebs weil sich nicht Patrick Swayze umgebracht hat oder ist es ein Krebs, der eher als etwas bewältigbares erlebt wird.
00:22:40: Das spielt alles eine Rolle darin wie wir mit diesem Distress, der der Krebs isst.
00:22:46: so nennt man das Distress des schlechter Stress gegen Satz zum Eu-Stress.
00:22:50: das ist guter Stress Wie wir mit dem Distress umgehen und an Im Verlauf dieser Erkrankungen und auch zu verschiedensten Zeitpunkten kann es eben dazu kommen, dass dann aus diesem Kontinuum eine Abzweigung passiert.
00:23:02: Und eben eine psychische Erkrankung entstehen kann.
00:23:04: Das ist der Augenblick wo wir als Psychotherapeuten oder auch als Psychosomatiker unterstützend mit reingeholt werden sollten.
00:23:12: Hat denn eine psychisch Erkankung die in dem Moment entsteht oder durch diese Krankheit entsteht?
00:23:17: Kann die so massive Auswirkungen auf einen Menschen haben?
00:23:20: das letztendlich wenn wir jetzt von einer Krebserkrankung sprechen, dass es geringe Heilungschancen gibt wenn wir nur den Krebs jetzt anschauen?
00:23:27: Also dazu gibt es tatsächlich auch Studien und Untersuchungen.
00:23:30: Und man weiß, dass zum Beispiel Menschen die im Rahmen ihrer Krebserkrankung depressiv sind – ob sie das vorher schon waren oder im Verlauf der Krebserkrankung -, dass die eine höhere Mortalität haben, also ein höheres Sterberisiko.
00:23:44: Das liegt nicht daran, dass die Depression einen umbringt sondern darüber so, Die Depression hat so einen medierenden Effekt.
00:23:54: Und da wirken ganz viele verschiedene andere Dinge mit drauf, wie die Lebensqualität, die sich durch depressive Erkrankungen verschlechtert aber auch Themen wie Therapieaterenz.
00:24:03: also wie gut schaffe ich es denn zum Beispiel mich an meine Arzttermine zu halten oder meine Medikamente zu nehmen wenn ich sehr depressiv bin?
00:24:12: dann gelingt mir das mit unter gar nicht mehr weil's mir auch ein bisschen egal ist ne?
00:24:15: Wie viel soziale Unterstützung habe Waskuläre-System maximal belastet.
00:24:22: Kardiovaskuläre
00:24:23: System ist was genau?
00:24:25: Das ist das Herzkreislaufsystem, also einsame Frauen haben ein zehnfach erhöhtes Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben als eben Menschen die in sozialen Beziehungen leben Und solche Dinge haben einen Einfluss.
00:24:39: Wer ist einsam, wer vereinsamt?
00:24:41: Klar im Alter gibt es die Vereinsamung aber auch die Depression macht uns einsam.
00:24:44: Dementsprechend hat auch der psychische Faktor eine ganz große Rolle und einen großen Einfluß darauf wie auch ein Outcome und also das Ergebnis von einer Behandlung und auch die Qualität der Lebenszeit, die wir noch haben ist.
00:25:02: Und das ist das, was ich auch immer den Kollegen in der Körpermedizin versuche zu sagen sie machen da nicht irgendwie schöne Kosmetik und dann soll es dem Patienten, der soll fröhlich sein und wieder lachen sondern Sie schenken damit Lebenszeit wenn Sie die erkennen, die eben depressive Erkrankungen zum Beispiel haben weil die sonst ein schlechteres Outcome haben.
00:25:24: Ich habe in dem Zusammenhang ja immer wieder das Wort Querschnittsfach gelesen.
00:25:27: Was bedeutet das genau?
00:25:29: Querschnitzfach!
00:25:29: Das Schöpfungs- und Wortungetümer, die Deutschen machen so schöne Sachen.
00:25:34: Aber das Querschnittsfach bedeutet in dem Fall dass wir eben nicht nur einer Disziplin zugehörig sind wie nicht nur ein Organsystem uns genauer angucken sondern dass uns eigentlich alle Organsystemen stückweit was angehen.
00:25:47: also ob da jemand jetzt in der Endocrinologie liegt Das ist der Fachbereich der sich mit den Hormonen beschäftigt weil er einen Diabetes hat eine Zuckerkrankheit sorgt wird oder ob die Person in der Cardiologie liegt, weil zum Beispiel ein Herzinfarkt war.
00:26:06: Die alle sind Personen, die eine Psyche haben und die eben auch eine Unterstützung vielleicht gebrauchen könnten, weil sie mit der Erkrankung nicht klarkommen oder weil vielleicht vorher schon psychische Belastungsfaktoren da waren und die durch diese körperlichen Erkränkungen jetzt so aus dem Gleichgewicht geraten sind das es nicht mehr funktioniert.
00:26:25: Du bist Ärztin an der Uniklinik, du arbeitest dann an der Universität Duisburg Essen noch als Professorin.
00:26:30: Wie stelle ich mir deinen Alltag vor?
00:26:31: Ist es wirklich so dass du mal irgendwie im Behandlungszimmer bist und dann drei Stunden später im Hörsaal?
00:26:36: oder wie läuft das?
00:26:38: Ja also mein deswegen hatte ich ja bei diesen drei Fragen abwechslungsreich gesagt weil die Tage sich doch richtig Dolle unterscheiden und einfach die verschiedenen Aspekte meines Berufs immer so von hinten links immer rein rennen.
00:26:55: Und es ein buntes schönes Chaos ist, dadurch dass ich eben an der Universitätsklinik arbeite habe Ich diesen ja.
00:27:06: also mein Chef sagt dazu immer der Dreisatz Dass man Wissenschaft macht das man Lehre macht und dass man eben klinische Versorgung macht.
00:27:16: Das bedeutet, diese drei Bereiche stimmen so ein Stück weit meinen Alltag.
00:27:19: Das heißt wissenschaftlich – ich habe verschiedene Termine wo ich über Projekte spreche, wo ich Anträge aber auch schreibe und wo ich Fachartikel lese oder schreiber oder religiere, aber wo ich eben dann auch Studien konzipiere und bei der Studienüberwachung mit dabei bin.
00:27:41: Klar, ich bin im Hörsaal.
00:27:42: Ich halte Vorlesung.
00:27:44: Ich unterrichte Studierende und Piottstudenten.
00:27:48: Die Lehre gehört für mich aber auch die ärztliche Lehre dazu, dass sich eben mit meinen Assistenzärzten, die sich in der Weiterbildung für Nettfacharzt befinden, da auch... Ich mache Teaching über Krankheitsbilder, über Psychotherapie was mitgebe und die klinische Versorgung.
00:28:04: Dass ich eben auch mit Patienten spreche sei es dass ich auf Station Visiten mache oder dass sich eben Patienten in Einzelgesprächen sehe oder auch mal zu einem Konzil trüben in das Uniklinikum rüber marschere und mit Menschen am Patientenbennsprecher da trage ich auch einen weißen Kittel.
00:28:22: Ja großartig!
00:28:24: Also es klingt einfach nach so wahnsinnig viel, machen wir das mal ganz konkret.
00:28:27: Jetzt haben wir heute Mittwoch an unserem Aufnahmetag.
00:28:30: wenn du Mittwochs morgens anfängst?
00:28:32: Wann fängst du an?
00:28:33: was machst du als erstes?
00:28:35: Mittwoches Morgens.
00:28:36: die sind tatsächlich immer gleichwärmlich weil wir mittwoch morgens immer unsere Clinic Besprechung haben.
00:28:41: sie findet um acht Uhr dreißig statt.
00:28:44: Da kommen alle Mitarbeiter der Klinik für psychosomalische Medizin zusammen und da haben wir dann eine kurze Runde, wo wir so aktuelle Themen ansprechen.
00:28:52: Was entwickelt sich gerade?
00:28:53: Welche Projekte laufen?
00:28:55: wie sieht es mit Krankheit aus Vertretung?
00:28:57: Und dann haben wir ne Fortbildung und die Fortbildung wird inhaltlich eben aus dem Team gestaltet aber auch durch externe Referenten.
00:29:05: Und da lernen wir immer ein bisschen was über das Thema psychosomatischen Medizin Psychotherapie Aber auch mal etwas über Schlafmedizin oder über viele Leute, die was erzählen.
00:29:14: Adipositaschirurgie zum Beispiel und danach haben wir noch mehr Besprechungen weil der Mittwoch ist der Besprechungstag dass wir uns in der ja in der Klinik Leitungsrunde zusammensetzen über Konzepte sprechen wie wir uns vielleicht auch weiter entwickeln wollen was für Dinge anstehen Personalentwicklungen aber auch Dinge die aktuell anliegen Dienstpläne planen solche Sachen.
00:29:36: und dann ist auch schon mittagszeit weil ich den ganzen Vormittag über Dinge gesprochen und geplant habe.
00:29:44: Und dann im Nachmittagsbereich habe ich meistens noch mal schon Fixe mit Mitarbeitenden, die irgendwelche Projekte betreuen.
00:29:53: Meistens von Trittmittelgebern also Leute der Meinung sind das unsere wissenschaftlichen Projekten relevant sind und uns dafür Geld geben wollen zum Beispiel die deutsche Krebshilfe Diese Projekte für mich betreuen.
00:30:05: mit diesen Mitarbeitern spreche ich.
00:30:07: Manchmal habe ich auch Patiententermine, Mittwoch Nachmittags.
00:30:11: der Nachmittag ist dann schon wieder so ein bisschen bunter.
00:30:13: Manchmal mache ich auch Krokast!
00:30:15: Ja und soll es geben?
00:30:17: Manchmal sogar mittwochs-vormittags wo eigentlich die Weiterbildungen sind.
00:30:20: Ich hoffe dass das jetzt keine negativen Auswirkung hat.
00:30:24: Ich bin halt ein bisschen gerannt.
00:30:26: Sehr gut sehr gut Wir machen mal einen großen Schwenk.
00:30:28: Du hast vorhin schon gesagt, dass die Corona-Zeit auf dich eine große Auswirkung hatte in der Hinsicht, dass du damals halt vor allem diese Wechselwirkungen und psychikörper mehr auch als Ärztin durchleuchtet hast bei deiner Habilitation.
00:30:45: Damals ein großes Projekt gemacht mit dreißigtausend Menschen, die ihr befragt habt.
00:30:50: Deine Habilitations hieß Psyche und Verhalten während der COVID-IX Pandemie psychosomatische Wechselwirkung gesunden und vulnerablen Gruppen.
00:30:59: Nimmst du uns mal mit und erzähl zu mir, was ihr damals so untersucht habt?
00:31:03: Ja sehr gerne!
00:31:04: Ich finde das Projekt nämlich nach wie vor irgendwie ziemlich cool und das zeigt auch wie dynamisch wir im LVR aber auch in der Wissenschaft sein können.
00:31:14: Die Pandemie begann und ich kann mich, wie wahrscheinlich jeder es sich irgendwie noch so ein bisschen dran erinnern.
00:31:18: Wie's angefangen hat und wie man sie nicht so richtig ernst genommen hat Ich dann aber mit ein paar Kollegen zusammensaß Und die Beschränkungen immer mehr wurden und die dann gesagt haben also ihr von der Psychosomatik Ihr müsstet halt eigentlich mal gucken wie es den Leuten geht wenn sowas jetzt passiert.
00:31:33: das ist ja Noch nie da gewesen was hier gerade passiert dass das letzte Mal als wir so massive Veränderung und Einschränkung global hatten Das war ja vielleicht beim zweiten Weltkrieg Und dann habe ich so drüber nachgedacht, dass er ja da stimmt.
00:31:47: Also das kann jetzt natürlich irgendwie in der Woche vorbei sein.
00:31:49: Das kann aber auch irgendwie richtig groß werden und dann haben wir wirklich in einer Nacht- und Nebelaktion unsere Fragebogendiagnostik aufgesetzt, haben uns ein bisschen Sachen zusammen geklebt und uns wirklich Gedanken gemacht, was könnte interessieren?
00:32:02: Dann haben wir einen Link gebastelt, haben auch mit der Ethikkommission vorher gesprochen.
00:32:06: Wir haben gesagt Ja go!
00:32:07: Wir sind da jetzt auch mal schnell unterwegs weil wir merken, dass das irgendwie zeitkritisch ist und haben diese Befragung in die Welt gesandt.
00:32:16: Und es haben unfassbar viele Menschen mitgemacht.
00:32:19: Innerhalb von Tagen hatten wir Tausende von Klicks, und die Leute wollten irgendwie teilnehmen und teilhaben lassen an dem wie's ihnen geht!
00:32:28: Weil plötzlich dieses Gefühl von Machtlosigkeit gegenüber dem was da um uns rum passiert ist.
00:32:32: eine Grenze wurden geschlossen Kindergärten wurden zugemacht.
00:32:35: wenigstens konnte man sagen wie es einem geht.
00:32:37: Wenigstens hat einer mal zugehört Das war so spannend, das mitzukriegen welche Dynamiken und welche Kräfte wir da auch entwickeln konnten.
00:32:47: Auch medial war es irgendwie interessant von verschiedener Stelle.
00:32:50: man hat uns zugehört und plötzlich ging's darum dass es Leuten offensichtlich in dieser Situation nicht gut gehen könnte.
00:32:56: Und wir haben dann auch ganz früh Publikation dazu geschrieben und haben uns dieses Reigen am Anfang eingereit dass klar wurde so eine große Pandemie und sowas großes Lebens verändern, das hat Folgen.
00:33:09: Und diese Folgen wissen wir noch gar nicht was das für lange Sicht für unsere Gesellschaft auch bedeuten kann.
00:33:15: Das war wirklich wild!
00:33:18: Deswegen habe ich die Corona-Pandemie vielleicht auch viel besser in Erinnerung als andere Leute.
00:33:21: Das ist absolut wahr weil wir so viel Wissenschaft gemacht haben und so viel gearbeitet haben.
00:33:28: So ein großes Massenexperiment, das kann man ja sonst gar nicht aufsetzen.
00:33:32: Das funktioniert nicht.
00:33:33: Wenn ich das geplant hätte, das hätte im Leben nicht funktioniert.
00:33:37: Da ist eine Welle entstanden und wir sind die Welle gesurft.
00:33:39: Und es war natürlich ein sehr euphorisierendes Gefühl!
00:33:43: und hat gut geklappt, und hat irgendwie wissenschaftlich doch gut funktioniert.
00:33:47: Und zusätzlich habe ich dann in der Zeit auch noch gedacht, ja dann werde ich auch nochmal schwanger und hab nochmal ein zweites Kind bekommen.
00:33:55: Das ist ganz viel passiert!
00:33:58: Deswegen war das auch schön dass dieser Abschluss mit meiner Habilitation zu dem Thema geklappte.
00:34:06: Was hat dieses ganze Experiment denn aufgedeckt, was vielleicht vorher schon in der Versorgung psychosomatischer Beschwerden schief lief oder was man hätte besser machen können aus der Sicht?
00:34:16: Also was es auf jeden Fall aufgedenkt hat, was ich nach wie vor ziemlich relevant finde ist.
00:34:20: Dass wir eine hohe psychische Belastung hatten in dieser Krisenzeit – das ja sehr nachvollziehbar ist und was wir auch alle gedacht haben -, dass diese Belastungen aber nicht das Vorniveau wieder erreicht hat, also dass wir nicht wieder zu unserem Ursprungszustand zurückgekommen sind sondern dass das was mit uns gemacht hat.
00:34:37: Also dass wir psychisch belasteter geblieben sind.
00:34:40: also die Sicherheit ist irgendwie erschüttert worden und natürlich haben die ganzen nachfolgenden Prozesse ich meine der ukrainekrieg aber auch das thema klimawandel war es jetzt viel mehr in den fokus rück dazu gesorgt dazu geführt dass wir weiterhin belastet bleiben Und das Psycho eine Riesenrolle spielt und wir eben uns als Personen nur eine gewisse Menge an Zeug auch zumuten können, bis wir dann eben auch Krankheitssymptome bekommen.
00:35:08: Das ist irgendwie klar geworden und dass wir das gesellschaftlich nicht einfach wegignorieren können.
00:35:14: Das ist schon lange nicht mehr so, aber es gibt ja manchmal noch die Idee, naja, psychisch erkrankte.
00:35:18: Das hat jetzt nichts mit mir zu tun und das passiert mir nicht, ne?
00:35:21: Das sind irgendwie die anderen und ich bin der eine.
00:35:24: Nein!
00:35:24: Es kann jedem auch passieren, dass man psychisch krank wird gerade in solchen Krisenzeiten und die Krisenzeit werden mehr.
00:35:32: Was dadurch auch klar geworden ist leider-leider und vielleicht ist das nur etwas was wir da durch nochmal aufgedeckt haben, dass unsere ambulante Versorgung im Psychsektor überhaupt nicht das decken kann, was wir bräuchten.
00:35:46: Also wir haben Patienten die kommen zu uns stationär.
00:35:48: Das klappt auch eigentlich ganz gut aber danach ambulant jemandem zu finden und in die Versorgung zu kommen.
00:35:53: Das ist selbst im Ballungsgebiet wie dem Ruhrgebiet super schwierig Und da benachteiligen wir Menschen, die psychisch sehr schwer krank sind.
00:36:01: Weil ... Da ist wirklich der lauteste Schreihals, kriegt am ehesten einen Therapieplatz.
00:36:05: Wenn man lang genug angerufen hat, rutscht man auf den Wartelisten natürlich nach oben.
00:36:09: Das ist ein ganz menschlicher Vorgang!
00:36:11: Aber die Menschen, wie psychisch total krank und das vielleicht nicht mehr können, das sind die, die eher schlechter Therapeut versorgt sind.
00:36:16: Und es ist natürlich eigentlich ein Fehler im System.
00:36:19: Ich kann sagen, wenn jemand depressiv ist, dann ist es natürlich auch total schwierig sich in die erste Reihe zu stellen und aktiv zu sagen ich brauche jetzt hier Hilfe
00:36:26: Total, wenn man schon Schwierigkeiten hat sich aufzuraffen um sich irgendwie in den Kaffee zu kochen.
00:36:30: Dann schafft man nicht zwanzig Therapeuten anzurufen ist total überfordern und das hat das finde ich auch nochmal klarer gemacht Und es hat uns aber auch finde ich noch mal klarergemacht dass wir soziale Wesen sind und wenn wir diese Sozialität aus dem System rausstreichen Dass wir damit dann gerade vulnerable Menschen quasi über die Kante schubsen.
00:36:53: Also es ist jetzt was, was in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sehr deutlich geworden ist.
00:36:56: Die Welle bewegt sich langsam eben auch zu uns in die Psychosomatik.
00:37:00: gerade das Thema Essunggewichtsstörungen von jungen Mädchen Anorexibulämie Das sind die Generationen, die während Corona isoliert waren, die sich mit ihren Freunden treffen konnten, die viel Zeit auf Social Media verbracht haben die viel dysfunktionale Contents konsumiert haben und dann in massivste Essstörungen reingerutscht sind, das zeigt uns auch wie gefährlich auch dieses Medium ist wenn wir auch gar nicht mehr das äußere soziale Korrektiv dafür haben.
00:37:28: Ja ja jetzt gibt es ja immer mehr Länder die social media für unter fünfzehnjährige unter sechzehn jährige verbieten.
00:37:35: ist dass aus deiner Sicht jetzt eine Frage natürlich ein bisschen abseits aber ist es deiner sich eine gute Variante?
00:37:42: zu sagen, wir streichen das Social Media erst mal raus.
00:37:46: Die Gefahr ist ja immer.
00:37:48: also wer Kinder hat kennt das Problem.
00:37:50: wenn man Dinge verbietet werden sie sehr attraktiv und Schlupflöcher entstehen.
00:37:58: ich glaube die Signalwirkung die dahinter steht ist es relevante nämlich zu sagen hey wir nehmen das ernst und wir glauben dass social media Schädlich ist für vulnerable Menschen.
00:38:10: Das ist ja jetzt auch von der, sobald ich weiß vor der EU Thema geworden mit Gerichtsverfahren.
00:38:20: Tiktok
00:38:21: wird aktuell untersucht.
00:38:22: Genau das TikTok eben Content und Algorithmen liefert die süchtig machen.
00:38:27: Also wenn man Wissenschaftler, die in dem Bereich arbeiten, fragt es eigentlich so ein No-Brainer.
00:38:30: Das wissen wir dass das so ist aber dass jetzt plötzlich irgendwie auch mal einen Raum findet und man sagt hey also wir sind total regulativ was andere süchtig machende Substanzen angeht aber da gucken wir weg das können ja nicht machen.
00:38:42: das finde ich total richtig weil das eine ist zu sagen naja Leute Social Media ihr dürft nicht so viel Zeit vom Fernseher oder vom Screen verbringen Ja aber das andere is ja auch.
00:38:51: Was ist denn wenn man dann mal in dieses Sucht System reingerutscht ist?
00:38:55: Und der Algorithmus ein hat Da wieder rauszukommen ist... Natürlich sauschwierig und vor allem wenn man psychisch, vulnerabel und vielleicht auch schon krank ist.
00:39:03: Weil es vielleicht die einzigen sozialen Kontakte mehr sind und das immer wieder full circle bei der Pandemiezeit.
00:39:09: Wir hatten ja gar nicht so viele andere Möglichkeiten außer über Social Media.
00:39:13: Und dann waren wir da zwar in Kontakt mit unseren Freunden aber leider waren wir auch im Kontakt mit diesem ganzen Algorithmus Der uns Content geliefert hat der eigentlich nur dazu geführt hat dass wir weiter scrollen Aber eher noch weiter ins dysfunktionale mit reingehen.
00:39:27: Super spannendes Thema, ich möchte das jetzt trotzdem an dieser Stelle kappen und im zweiten Teil nochmal auf ein anderes Thema zurückkommen.
00:39:34: Also ich glaube mit dir könnte man auch fünf Tage über alles sprechen was du so weißt.
00:39:38: Wir haben das vorhin schon mal so ein bisschen anklingen lassen.
00:39:40: Schwere Krankheiten und Psyche, weil das ja vor allem der Bereich ist um den du dich kümmerst.
00:39:46: Und wenn wir jetzt mal auf diesen Bereich Psycho-Onkologie schauen... Ich habe das Gefühl bei Krebserkrankungen geht es halt ganz häufig in diesen Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten dann vor allem um die Organe, die betroffen sind, um die Tumoren wie die zurückgedrängt werden können usw.. Wenn sie weg sind wird halt so gesagt ja jetzt ist alles wieder gut.
00:40:06: Du hast ja vorhin schon gesagt, dass es bei den einen vielleicht so ist, bei den anderen auch nicht und ich möchte gerne mit dir nochmal über die Patientinnen-Patienten sprechen.
00:40:16: Wie nimmst du wahr wie die Patienten diese Nachrichten dann aufnehmen das sie eventuell noch eine psychische Krankheit haben?
00:40:24: Ist das dann so ein... Da mache ich jetzt komplett dicht.
00:40:27: also der Krebs ist schon genug.
00:40:29: Und wenn jetzt noch jemand kommt der mir erzählt Ich habe auch noch ne psychische krankheit obendrauf die ich vielleicht nie haben wollte, was obvious lieb bei allen ja so ist.
00:40:38: Aber wie nimmst du das wahr?
00:40:40: Wie die Leute darauf reagieren?
00:40:43: Also ich nehme vor allem wahr dass es darum geht wie wir kommunizieren, dass wir glauben dass eine psychische Belastung vorlegt wenn man natürlich in die Tür reinlaufen und sagen Ja also ich bin mir ziemlich sicher sie sind auch noch depressiv zu ihrem Karzinom.
00:40:56: Jetzt gehen wir mal tief in uns und überlegen nochmal, wie würden wir das aufnehmen?
00:41:00: Muss man für mich wahrscheinlich gar nicht so gut Verstoff wechseln können, obwohl ich in dem Bereich arbeite.
00:41:05: Also Communication is key!
00:41:07: Und das ist das, was ich eben auch den ärztlichen Kollegen immer versuche zu kommunizieren.
00:41:11: Die trüben im UK arbeiten ihr müsst halt gucken und wir müssen gucken wie wir mit Patienten darüber sprechen dass wir glauben Dass die Psyche in dieser Situation eine große Rolle spielt und dass sie vielleicht auch Unterstützung jetzt brauchen könnte.
00:41:25: also Wir müssen psychisch krank zu sein oder psychisch belastet zu sein Oder mit etwas nicht klar zu kommen In pathologisieren sondern eher sagen das total nachvollziehbar dass das manchmal dann auch nicht klappen kann mit Schwäche zu tun, sondern das hat was damit zu tun.
00:41:39: Mit welcher Ausstattung man vielleicht in Situationen kommt und was vielleicht um einen rum noch schwirrt?
00:41:44: Und dann kann es halt auch einfach so viel werden.
00:41:46: also wie spreche ich mit Patienten darüber dass sich glaube dass neben der Krebserkrankungen eben auch noch so eine groß psychische Belastung besteht dass die psychotherapeutische Unterstützung gebrauchen könnte.
00:42:01: Ich habe das Gefühl dass wir in unserer Gesellschaft weniger, aber ganz häufig natürlich diese psychischen Erkrankungen immer noch so wegdrängen und nicht wahrhaben wollen.
00:42:10: Ist es vielleicht auch ein Problem dass man einen Tumor auf einem Röntgenbild sehen kann?
00:42:15: Aber eine psychische Erkankung nicht!
00:42:17: Das ist mit Sicherheit ein Problem.
00:42:19: also das ist ja aber das Problem von allen Erkranken die man leider nicht so gut auf Röentgen bildern oder irgendwelchen Blutwerten sehen kann.
00:42:28: Sobald man eine Erkrankung hat die sage ich mal Irgendwo Schmerzen macht, die man aber vielleicht nicht so richtig gut auf einem Bild sehen kann.
00:42:38: Man aber weiß das ist da!
00:42:39: Das ist die Ursache dahinter oder es gibt auch einen organischen Faktor dazu.
00:42:47: Das ist immer schwierig in der Kommunikation und das ist nichts was man so gerne spricht.
00:42:51: also man hat gerne etwas was man dann zeigen kann und sagen kann guck mal da... Da is't.
00:42:55: und dass ist das wofür ich behandelt werde und dann ist es auch gut.
00:42:59: Also der Wunsch danach, dass es abgeschlossen sein möge wenn es dann behandelt ist.
00:43:04: Das ist ja nichts, was die Psyche kann.
00:43:07: Die Psychie kann auch nicht irgendwann fertig sein sondern eine psychische Erkrankung ist häufig eher so ne Endstrecke aus vielen, vielen Faktoren, die zusammengekommen sind.
00:43:18: und wenn's mal gekippt ist muss man leider der Realität ins Auge sehen das offensichtlich das System das so nicht mehr gehalten hat etwas an dem System sich ändern muss.
00:43:27: Das fordert auch von Patienten noch mal eine ganz andere Art, von Therapie herangehen und auch selbst teilnehmen am Heilungsprozess als es vielleicht sonst in der Medizin läuft wo Patienten ja eher so die passiven sind, die irgendwas reingelernt bekommen.
00:43:46: anderes Mindset, das es da braucht.
00:43:48: Wobei auch da die Medizin sich ja inzwischen verändert.
00:43:51: Das Thema Prähabilitationen.
00:43:53: bevor wir irgendwie größere Operationen durchführen müssen Patienten erst mal einen besseren körperlichen Zustand gebracht werden zum Beispiel Durchbohr durch Ernährungsumstellung.
00:44:02: Plötzlich ist der Patient wieder ein aktiv teilnehmendes Element in einem Gesundungsprozess und nicht mehr der, der im Bett liegt.
00:44:10: Und mit dem Dinge passieren.
00:44:11: Das ist ... In diesem Mindset funktioniert tatsächlich Psychotherapie um psychische Unterstützung viel besser weil dann für den Patienten klar ist okay das ist jetzt mal ein Anteil und auch meine Selbstwirksamkeit dass ich was tun kann für mich anders in diesen Denken von wegen Ich liege im Bett und da wird etwas mit mir gemacht Weil so funktioniert es eben auch nicht.
00:44:30: das Was sich an der Psyche verändert
00:44:32: Ja Kann man eigentlich sagen, dass bestimmte körperliche Krankheiten beispielsweise Krebs-Herzenfakt so weiter, dass die ähnliche Auswirkungen auf die Psyche haben.
00:44:43: Das beispielsweise sagt jetzt einfach das Leute, die an Krebs erkranken, dass sie häufiger in eine Depression fallen und Leute,
00:44:55: Also es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen körperliche Erkrankungen und psychischen Erkranken.
00:45:01: Die sogenannte Prävalenz, also das Auftreten von psychischen Das ist einfach ein Drittel von den Patienten kriegt eine psychische Erkrankung.
00:45:12: Es ist jetzt nicht so, dass es irgendwie nur die Krebspatienten kriegen, die Depression und die Kardiobaskulären also die Herzinfarkt-Patienten kriegen alle in der Ästerung.
00:45:19: So ist das nicht.
00:45:21: Aber es gibt natürlich schon Krankheitsbilder, die eher miteinander zusammenhängen.
00:45:25: wenn man zum Beispiel dran denkt nach einem Intensivaufenthalt, ne?
00:45:28: Man war eine Weile auf Intensifstation dann kann eben dieses Post-Intensive Care Syndrome auftreten, was natürlich körperliche Faktoren hatten.
00:45:36: Also nach einem langen Intensivaufenthalt ist eigentlich auch viel kaputt gegangen.
00:45:40: aber es kann eben auch Traumavollgestörung nach sich ziehen also dass Menschen diesen Aufenthalt wie Bilder ohne Zeitstempel immer wieder erleben und eine traumatische Erinnerung daran haben.
00:45:52: das passiert natürlich häufiger als jemand der sage ich mal ne Krebsdiagnose bekommen hat und dann eine lange Behandlung hinter sich hat wo jetzt nicht das eine schrecklicher war, sondern dass es eine ganze Aneinanderreihung an schrecklichen Nachrichten ist.
00:46:07: Da würde vielleicht eher eine Depression auftreten.
00:46:09: aber das hängt natürlich auch total mit den Patienten zusammen.
00:46:12: also es gibt nicht das eine mit dem ein und das andere mit dem anderen.
00:46:15: das würde ich jetzt so nicht sagen.
00:46:17: Ja wenn man so viel über Psyche-und die Wechselwirkungen zwischen Psycher und Körper weiß beobachtet man sich selbst manchmal bisschen anders.
00:46:24: du wirst mir sicher mit all diesen Dingen die du so machst Vielleicht mal Stress haben, vielleicht mal zwölf Stunden am Tag arbeiten.
00:46:29: Beobachtet man sich dann und überlegt so was welche Reaktionen bringt mein Körper jetzt gerade hier hervor?
00:46:36: Ich weiß gar nicht ob das was mit Psychosomatik zu tun hat oder mit dem Arztberuf weil während des Medizinstudiums hat man eine ganze Reihe an Erkrankungen.
00:46:45: Das hängt immer davon ab welches Fachman gerade hört.
00:46:47: also Die Hypokondrie ist eine Erkrankung des Medizinstudierenden.
00:46:52: Wir hatten alle mindestens mal Melanom und wir hatten auch alles schon Gehirntumoren, dann hatten wir auch alle schon irgendwelche schrecklichen Stoffwechselerkrankungen im Laufe unseres Studiums.
00:47:04: Also man hat natürlich einen sogenannten Aufmerksamkeitsbeiß.
00:47:08: Man richtet die Aufmerksamkeit mehr daraus in dem Bereich, in dem man arbeitet.
00:47:13: Es ist glaube ich nicht umsonst so dass zum Beispiel fast neunzig Prozent der Neurolog-Innen die sich mit Migräne beschäftigen, alle eine Migräna haben.
00:47:23: Natürlich haben wir dann mehr Aufmerksamkeit drauf und wir beobachten es mehr.
00:47:27: So ist das bei mir auch, also wenn ich dann viel Stress habe merke ich natürlich was für Körperreaktionen kommen und ich frage mich hat das mit meinem Stress zu tun?
00:47:36: Man muss nur glaube ich mal Psychotherapeutis immer gut aufpassen dass man sich selber nicht so doll über analysiert weil das eher ungünstig sollte man irgendwann unterbrechen darf man auf gar keinen Fall mit der eigenen Familie machen.
00:47:47: die setzen einen sonst vor die Tür
00:47:50: Ist auch manchmal nicht ganz einfach, da den Abstand zu behalten oder?
00:47:53: Absolut.
00:47:54: Das ist aber glaube ich auch im Medizinsystem zum Beispiel die eigenen Eltern behandeln.
00:47:59: das ist einfach meistens nicht so eine super Idee weil sich dann auch Rollenbilder verquicken die nicht zusammen gehören sollten.
00:48:05: Ja Zum Schluss was würdest du Medizin Studierenden gerne über deinen Fach mitgeben dass sie in keinem Lehrbuch finden?
00:48:15: Ich würde ihnen gerne mit geben psychosomatische Medizin zwar als kleines Fach immer tätuliert wird, aber in Wirklichkeit eigentlich riesengroß ist und man keinerlei Chancen hat an der psychosmatischen Medizin vorbeizukommen.
00:48:32: Deswegen lohnt es sich mit der psychosematischen medizin ein bisschen zu beschäftigen.
00:48:37: und das ist aber nicht heißt dass jeder am Schluss ein Psychotherapeut sein muss sondern dass es wichtig ist als ärztlicher Kollege zu erkennen wann es Patienten schlecht geht zu erkennen, wann es wichtig ist dass ich menschlich interagiere aber auch zu erkennen wenn es so ein Ausmaß angenommen hat das ist dem Psychotherapeut nun den psychosomatischen Facharzt dafür braucht um Unterstützung anzubieten.
00:49:00: Das ist eigentlich das relevante was man können muss und wenn man das irgendwie verinnerlicht hat dann wird man glaube ich auch einen viel viel besserer Arzt.
00:49:09: Dafür ist psychosomatische Medizin stückweit auch da, selbst wenn man kein Psychotherapeut wird.
00:49:14: Man hat es verstanden und man ist in seiner erstlichen Fähigkeit noch mal viele Schritte weitergekommen und auch wieder menschlicher unterwegs.
00:49:22: Dieser Podcast steht auch unter dem Motto sinnvoll in jeder Beziehung.
00:49:26: wie würdest du das mit Leben fühlen?
00:49:28: Sinn voll in jeder beziehung wow!
00:49:32: Naja, also ich glaube man hat es rausgehört.
00:49:34: Ich finde meine Arbeit total sinnvoll und ich glaube es ist auch auf so vielen verschiedenen Ebenen sinnvoll nicht nur im Medizinsystem sondern wenn wir schaffen einen Zugang ein wieder menschlichen Zugang zu unseren Mitmenschen zu bekommen dass wir auch ganz schön viele gesellschaftspolitische Themen damit angehen könnten.
00:49:53: also menschliche Begegnungen.
00:49:56: Und eine Begegnung auch ohne Hass und ohne Ablehnungen, auch in einem Medizinsystem kann vielen PatientInnen und vielen Menschen die Chance geben.
00:50:05: Auch ihre künftigen Begegnungen mit anderen Menschen nochmal anders zu überlegen und zu überdenken.
00:50:12: Deswegen ist es sinnvoll wenn wir Unterstützung anbieten und psychische Wunden versuchen zu heilen weil das eben Ketten durchbricht die schlecht sind und Ketten die gut sind neu aufbauen können.
00:50:27: Das Robert-Koch-Institut hat vor wenigen Wochen Zahlen veröffentlicht, wonach jede zweite Person in Deutschland im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt.
00:50:35: Es ist eine Volkskrankheit und auch obwohl die Fortschritte in der Medizin deutlich sind und immer weniger ein Kreb sterben, ist die Angst vor dieser Krankheit nicht in gleichem Maße zurückgegangen.
00:50:45: Und genau deswegen dürfen wir die Psyche bei einer solchen Diagnose auch nicht aus dem Vorlassen natürlich auch nicht Bei anderen schweren Krankheiten.
00:50:52: und genau deswegen es ist toll dass es Menschen wie dich gibt Eva die sich damit beschäftigt und ein großes Vorbild sind.
00:50:58: Ich sehe praktisch von meinem inneren Auge, wie sie sich einige zu Hause jetzt denken.
00:51:02: Wäre das nicht auch was für mich?
00:51:03: Das will ich auch machen!
00:51:05: Was muss jemand mitbringen der Lust hat sich in dem Bereich zu entwickeln und dort zu arbeiten?
00:51:12: Also, wenn man in der psychosomatischen Medizin sich zu Hause fühlen möchte.
00:51:16: Das richtet sicher nicht nur an ärztliche Kollegen sondern auch am Psychologische-KollegInnen, an Ernährungswissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern, Musiktherapeuten
00:51:25: usw.,
00:51:25: dann ist es gut, wenn ein großes Interesse auf Menschen hat also wenn man wirklich gerne die Geschichten von Menschen hört und auch wirklich gerne zuhört und verstehen möchte.
00:51:36: Und wenn man immer auch einen unaufgeregtes eine unaufgeregte Rückmeldung dazu geben kann, dass Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche geschehen.
00:51:48: Dass das nicht schlimm ist und nicht verboten, sondern dass unser Körper und unsere Psychen genauso funktionieren.
00:51:54: Und dass es vielleicht jetzt nur irgendwie aus dem Gleichgewicht gekommen ist, dass wir es aber auch wieder gerade biegen können also viel zutrauen zu haben.
00:52:03: Das ist gut wenn man in diesem Bereich arbeitet.
00:52:06: Man muss natürlich ein gewisses Endungsbewusstsein haben Weil man doch immer wieder auch mit KollegInnen in der Körpermedizin spricht, die noch nicht so ganz den Zugang zu Psyche gefunden haben.
00:52:17: Und man damit viel Freundlichkeit und Geduld dranbleiben muss um zu sagen hey du musst es nie super finden aber für deine Patienten wäre das echt eine gute Sache.
00:52:25: Schöne Botschaft!
00:52:26: Professorin Dr.
00:52:28: Eva Maria Skoda, leitende Oberärztin, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und gleichzeitig Bereichsleitung, Psychoankologie- und Somatopsyche an der LVR Universitätsklinik in Essen.
00:52:41: Danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast über deinen Beruf zu sprechen.
00:52:44: Sehr gerne!
00:52:44: Vielen Dank.
00:52:46: Und wie schön, dass ihr auch bis hierhin dabei wart und wir zusammen wieder einmal mehr gelernt haben über die Psyche.
00:52:51: Und das was uns Menschen so ausmacht!
00:52:54: Die nächste Folge Seelenarbeit wartet natürlich auf euch im nächsten Monat am zweiten Dienstag im April.
00:52:59: Bis dahin hört ihr einfach noch mal in eine unserer vorherigen Episoden rein.
00:53:03: Habt ihr Folge neun schon gehört?
00:53:04: In der Schulleiter Thomas Gribskamp über die Arbeit in einer Klinikschule berichtet hat findet ihr natürlich auch bei eurem Podcast-Ambieter und startet ihr am besten jetzt gleich im Anschluss.
00:53:15: Und damit ihr keine Updates verpasst, rund um Seelenarbeit abonniert die Social Kanäle des LVR zum Beispiel auf Instagram!
00:53:22: Wir hören uns im nächsten Monat wieder.
00:53:23: ich bin Daniel Schwinggeheuer bis dann ciao.
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