Folge 11 – Psychische Gesundheit im Alter
Shownotes
Was bedeutet es, im Alter psychisch gesund zu bleiben und welche Herausforderungen bringt das Älterwerden mit sich? In dieser Folge spricht Moderator Daniel Schwingenheuer mit Dr. Timm Strotmann-Tack über die Rolle der Gerontopsychiatrie und den Umgang mit Demenz.
Dr. Timm Strotmann-Tack, Chefarzt der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie der LVR-Klinik Viersen und Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Krefeld-Niederrhein e. V., gibt spannende Einblicke in seine tägliche Arbeit und erklärt, warum Themen wie soziale Isolation, Prävention und frühzeitige Diagnostik immer wichtiger werden. Gemeinsam beleuchten sie, wie sich die Behandlung älterer Menschen von anderen Altersgruppen unterscheidet und welche Ressourcen im Alter besonders gestärkt werden können. Auch die Zukunft der Gerontopsychiatrie steht im Fokus: Zwischen wachsendem Pflegebedarf und neuen Chancen für mehr Lebensqualität im Alter.
Im Gespräch geht es unter anderem darum:
- Welche Auswirkungen der demografische Wandel auf die Gerontopsychiatrie hat und warum sie immer relevanter wird
- Wie Demenz früh erkannt und präventiv beeinflusst werden kann
- Welche Unterstützung Angehörige benötigen und erhalten können
- Welche Rolle soziale Netzwerke und Beziehungen im Alter spielen
- Warum Wertschätzung und Humor im Umgang mit Demenz so wichtig sind
Diese Folge ist für alle, die sich für mentale Gesundheit im Alter interessieren, Demenz besser verstehen möchten oder sich mit den Herausforderungen und Chancen einer alternden Gesellschaft auseinandersetzen.
**Triggerwarnung: **In diesem Podcast sprechen wir über psychische Erkrankungen. Wenn dich diese Themen belasten könnten, höre bitte achtsam zu und hol dir professionelle Unterstützung, wenn du sie brauchst.
**Tipp: **Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag im Monat. Jetzt abonnieren – und keine Folge verpassen! Weitere Infos: www.sinnvoll.lvr.de
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**Podcast-Empfehlung: *In unserem Podcast „RheinlandRAUSCH“ geht es um echte Geschichten von Menschen, die ihren Weg aus der Sucht gegangen sind, um mutmachende Gespräche mit Expertinnen und um hilfreiche Informationen, die dir oder deinen Liebsten den ersten Schritt in Richtung Hilfe erleichtern sollen. Ob du selbst betroffen bist, dir Sorgen um jemanden machst oder einfach mehr über das Thema erfahren möchtest – wir sind hier für dich. RheinlandRAUSCH | Podcast on Spotify
Transkript anzeigen
00:00:00: Die Interaktion, das Miteinander ist natürlich auch eine Schwellenangst dabei.
00:00:05: Ich kann doch nicht jetzt einfach in den Kirchenkreis gehen.
00:00:09: in meiner Gemeinde die kennen sich doch alle schon ja sie machen das schon seit Jahren da wäre ich dann neu.
00:00:14: Das ist halt etwas was wir immer wieder hören.
00:00:17: Wir versuchen zu vermitteln in solche sozialen Netzwerke dann einen Wiedereinstieg zu bekommen, ob es Senioren-Sport ist.
00:00:25: Ja, ob das Kirchenkreis ist, ob's Demenzcafés sind... Da sind Schwellen doch häufig sehr groß und da versuchen wir dann, Schwellensabbauend auch tätig zu sein.
00:00:38: Willkommen bei Seelenarbeit dem Psychiatrie Podcast aus dem LVR Klinikverbund!
00:00:43: Echte Geschichten, ehrliche Einblicke von Menschen die mit Herz in der Psychiatie arbeiten.
00:00:48: unser Ziel Vorurteile abbauen Einblicke geben und den Menschen hinter dem Beruf sichtbar machen.
00:00:53: Denn Seelenarbeit beginnt mit echten Geschichten, und hier erzählen wir sie!
00:01:05: Alt werden ist nichts für Feiglinge.
00:01:07: Herzlich willkommen zur neuen Folge Seelenarbeit, das ist ein Zitat, dass weltweit von verschiedenen Personen immer mal wieder benutzt wird.
00:01:14: und vermutlich deswegen weil es so einen Satz ist den jeder nachvollziehen kann entweder weil man selbst schon im fortgeschrittenen Alter ist oder Mann in seinem Unfeld schonmal eine Person begleitet hat die körperlich und oder geistig mit dem verbreiteten Begleiterscheinung alt geworden ist.
00:01:31: Und dennoch, es gibt gute Nachrichten.
00:01:33: Es gibt nämlich Menschen die sich tagtäglich dafür einsetzen dass es anderen im Alter gut geht.
00:01:39: Wir sind heute zu Gast an der LVR-Klinik in Firsen.
00:01:42: Da waren wir im Laufe dieses Podcasts schon einmal in Folge Eins direkt mit der leitenden Oberärztin der Kinder und Jugendpsychiatrie Mitzelke Bräuchsch.
00:01:51: Heute sind wir quasi am anderen Ende des Alters Spektrums unterwegs.
00:01:55: Ich bin Daniel Schwingauer, euer Host und ich freue mich über den Besuch hier bei Seelenarbeit von Dr.
00:02:00: Tim Strohtmann-Tack.
00:02:01: Herzlich willkommen erst mal!
00:02:03: Ja danke Daniel.
00:02:04: Ich freue mich Teil dieses Podcast zu sein und Teil der LVR Postgas Serie Seelenarbeiter.
00:02:12: Tim du bist Chefart der Gerontopsychiatrie und Psychotherapie in Fürsen.
00:02:16: was ist denn eigentlich Gerontopsychiatrie?
00:02:19: Gerontopsychiatrie ist, wie du eben schon richtig gesagt hast.
00:02:23: Der Teil der Psychiatrie, der sich um Menschen kümmert im höheren Lebensalter die halt eine psychiatrische psychologische Unterstützung brauchen, eine Erkrankung haben, die wir dann in unserer Abteilung, die sich dann gerontopsychatrie also die Alterspsychiatrie.
00:02:40: da kümmern wir uns oder ich mein Team und ich uns um diese Patienten.
00:02:44: Ich habe immer mal wieder gelesen, so sixty-fünf plus.
00:02:48: Ist das so hart definiert oder ist das so ungefähr eine Einordnung?
00:02:52: Das
00:02:53: kommt ursprünglich aus der Zeit des Renteneintrittsalters.
00:02:58: Man hatte ja mit sixty-fünf Jahren genug Arbeitsjahre erreicht, um dann in Rente gehen zu können.
00:03:04: da das ja mittlerweile auch schon aufgebrochen worden ist und siebensechzig das Renteneinthrittsalter sein kann haben wir uns überlegt dass wir das auch ein bisschen aufbrechen und gar nicht so eine Zäsur rein setzen.
00:03:16: Das hat manchmal so in Kliniken die Notwendigkeit weil dann bestimmte Bereiche sich zuständig fühlen.
00:03:22: Also wenn ein Patient zu uns in die Notaufnahme kommt ins Aufnahmezentrum und einen Behandlungsbedarf für sich sieht, dann müssen wir halt schauen wo derjenige Passender ist.
00:03:31: So dass wir jetzt so ein bisschen auf die Sechzig runtergegangen sind also ab sechzig plus ist der Bereich wo wir unsere Menschen kümmern.
00:03:38: Es ist auf jeden Fall ein Bereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.
00:03:42: Auch weil unsere Gesellschaft sich verändert und es immer mehr alte Menschen gibt.
00:03:46: Du bist seit zwei Jahren außerdem Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Grieffeld Niederrhein eV und auch darüber werden wir im Laufe dieser Folge noch sprechen.
00:03:54: was mir vorher noch wichtig ist in dieser Folge geht es um sensible Themen rund um psychische Erkrankungen.
00:03:59: wenn euch diese Themen irgendwie belasten dann hört bitte nur weiter zu Wenn ihr euch aktuell stabil fühlt oder eine Vertrauenspersonen an eurer Seite ist und ganz wichtig natürlich zögert niemals professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.
00:04:13: Tim, wir starten erstmal mit unserer Schnellfragerunde.
00:04:16: auch daran kommst du nicht vorbei!
00:04:18: Du weißt es weil du schon reingehört hast in die anderen Folgen dass es diese Schnellfrage Runde gibt.
00:04:22: deine Aufgabe ist jetzt so kurz wie möglich solang wie nötig zu antworten.
00:04:27: und Wir starten einfach direkt mit der ersten Frage wenn du deine Arbeit in einem Satz erklären müsstest Wie würdest du sie beschreiben?
00:04:35: Ja, meine Arbeit ist vielschichtig herausfordernd und macht mir aber weiterhin jeden Tag Spaß.
00:04:42: Zweite Frage – was gibt dir nach einem schwierigen Arbeitstag wieder Energie?
00:04:48: Ich habe eine kleine Autostrecke nach Hause zu bewerkstelligen.
00:04:52: da ist häufig Zeit nochmal den Tag Revue passieren zu lassen und sobald ich dann in meinem Zuhause ankomme ist Familie und Sport ein sehr guter und ausgleichender Faktor.
00:05:04: Also können wir festhalten, in deiner Freizeit denkst du nicht über die Arbeit nach?
00:05:08: Es kommt vor.
00:05:09: Es gibt Fälle wo ich das tue.
00:05:11: Ich glaube aber mittlerweile durch mein langjähriges Arbeiten in der Psychiatrie habe ich gewisse Techniken für mich jetzt erarbeitet kennengelernt und wende die an so dass manche Dinge dann einfach auch in der Klinik bleiben.
00:05:28: oder die meisten.
00:05:30: Dritte Frage, welche drei Eigenschaften braucht man unbedingt für deinen Beruf?
00:05:36: Als Chefarzt ist glaube ich Einfühlungsvermögen ein wichtiger Punkt.
00:05:40: Entscheidungsfähigkeit das kommt in der täglichen Arbeit immer wieder zum Tragen und man darf keine Scheu vor Administration haben.
00:05:52: Das glaube ich sofort.
00:05:54: Wir haben jetzt drei Fragen hinter uns.
00:05:55: Ich habe trotzdem noch eine anschließende Frage, auf die du gerne auch etwas länger antworten darfst.
00:06:00: Erklär mal in einem Satz oder mehreren Warum Du eigentlich Dreifachärzte gemacht hast?
00:06:06: Das hat folgende Hintergrund als ich mein Studium damals in Köln abschließen konnte besteht ja immer die Möglichkeit, das praktische Jahr zu beginnen.
00:06:16: Und im praktischen Jahr hat man ein Wahlfach und ich habe während des Studiums immer wieder gemerkt dass das Hirn mich als ganzes sehr fasziniert.
00:06:24: und da die Bereiche Neurologie um Psychiatrie sehr nah beieinander liegen war ich dann noch nicht so ganz entschieden und hatte dann nach einem Perzial wie sich das während des Praktischen Jahres damals nannte in der Neuro-Logie das Gefühl auch ich bleibe jetzt erstmal an der Neurologie und beschäftige mich mit den Erkrankungen des Hirnens, wo man weiß woher sie kommen.
00:06:48: Und das psychiatrische psychologische psychotherapeutische hat mich auch fasziniert.
00:06:54: es gibt zum Beispiel zwei Ereignisse die während des Studiums da hat man ja so die Möglichkeit die einzelnen Schwerpunkte in der Medizin kennen zu lernen, ob Chirurgie, innere Dermatologie aber auch Psychiatrie und auch Neurologie.
00:07:09: Und während des Teils wo wir in der Psychiatri waren kann ich mich entsinnen.
00:07:14: da war ein Mann der ging die ganze Zeit gebückt Und ich wunderte mich und wir fragten das.
00:07:19: Ja, dieser Mann hatte halt in seinem Wahn das Gefühl ist zwei Meter achtzig groß und müsste sich jeweils bücken damit er durch die Tür kommt war natürlich nicht zweieinhalbzig groß aber sowas faszinierte mich dass das Hirn einem etwas vorgaukeln kann was sofern der Realität ist und was man dann versucht natürlich zu behandeln.
00:07:39: und da gab es noch einige andere Beispiele wo ich einfach merkte auf solche Entrückten Ideen komme ich nicht selber und finde es aber sehr spannend, was da passiert im Hirn.
00:07:51: So dass da eine Verbindung zwischen Neurologie- und Psychiatriebestand.
00:07:55: Ich habe dann erstmal den Facharzt für Neuroologie gemacht... bedeutet ja vier Jahre Neurologie und ein Jahr Psychiatrie, bin dann von Köln wo ich erst im Max-Planck-Institut für neurologische Forschung war.
00:08:09: Dann nach Brandenburg gewechselt weil ich hier nach Berlin der Liebewegen gezogen bin und suchte dann einen Psychiatrija was sich noch machen musste um den Facharzt für Neurologe zu bekommen und ausreichende Ausbildungszeiten zu bekommen.
00:08:23: Und bin dann in einer gerontopsychiatrischen Abteilungen an einem sehr schönen Krankenhaus in Berlin gewesen, Krankenhaus Elisabeth Herzberger in Berlin-Dichtenberg und da merkte ich, oh, Gerontoppsychiatrie.
00:08:33: Das ist doch etwas!
00:08:34: Hatte auch einen ganz tollen Oberarzt, der mich da mit offenen Armen empfangen hat, der auch immer wieder gesagt hat Wacht mal ab du bleibst noch hier Du wirst noch Psychiater werden Er hat recht behalten Und wir sind auch noch weiter gute Freunde.
00:08:48: Das fand ich tatsächlich ganz besonders schön an deiner Karriere diesen Menschen oder insgesamt Menschen gab, die dir auch so ein bisschen dann letztendlich den Weg geleitet haben.
00:08:57: Natürlich hast du das in dir gehabt und die große Faszination für dieses Thema.
00:09:01: aber dass letztendlig dann auch Menschen die dir wohlgesonnen waren und großes Talent in dir gesehen haben letztendling auch dafür gesorgt haben dich dann irgendwie in die Richtung zu schubsen?
00:09:12: Das ist richtig!
00:09:12: So kam es dann halt auch, dass ich in dieser psychiatrischen Klinik irgendwann von dem meinem damaligen Chef das Angebot bekommen habe Oberarzt in seinem Krankenhaus in Lichtenberg und dazu musste ich natürlich, nachdem ich den Facharzt für Neurologie gemacht habe noch einen anderen Facharz haben.
00:09:28: Sonst kann man keinen Oberarzt werden in einer psychiatrischen Klinik Und da ich schon etwas älter bin, gab es damals noch den Facharzt für Nervenheilkunde.
00:09:37: Wo man drei Jahre Neurologie und dreijahre Psychiatrie auf dem Ausbildungszettel haben muss.
00:09:43: Dann habe ich den Fachartstitel für nervenheillkunde tatsächlich absolviert und am nächsten Tag nach der Fachartsprüfung war ich dann als Oberarzt tätig in diesem Krankenhaus um mich Tatsächlich noch dem dritten Facharzt-Titel, wie du hast gerade gesagt das zu widmen.
00:09:58: Weil da gehört natürlich noch Psychotherapieausbildung dazu die ich dann auch gemacht habe so dass sich tatsächlich es dann irgendwann zu drei Facharztiteln geschafft habe und meine Frau mir auch die Rückmeldung gegeben hat.
00:10:09: Das wäre jetzt auch genug weil das schon eine.
00:10:13: also ich sag mal Fachartsprüfungen rückschauend sind sehr große emotionale Wissen hervorrufen müssen einschneidende Tage gewesen.
00:10:27: Man ist nicht schlauer wie an dem Tag der Prüfung, danach nimmt das Wissen dann auch rapide wieder ab aber es schult auch.
00:10:34: Ja, das kennt glaube ich jeder.
00:10:36: Am Tag der prüfung ist immer alles da und am nächsten Tag ist schon wieder schwieriger.
00:10:40: Andere Leute sammeln Briefmarken Münzen oder Pokémonkarten.
00:10:43: du sammelst die Facharztitel habe ich das Gefühl.
00:10:47: Ging es für dich zurück zu den Wurzeln?
00:10:49: Zurück nach NRW, erst nach Krefeld.
00:10:51: Dann in dem Jahr zwei Tausend Siebzehn nach Firsen an die LVR-Klinik.
00:10:54: was Interessantes weil du gebürtig auch aus Firsens kommst ne?
00:10:57: Das ist richtig.
00:10:58: also ich hatte ein Hamburg studiert in Köln gelebt im Berlin gelebt und hatte immer wieder das Gefühl dass Niederrheinische ist doch mir sehr nahe.
00:11:07: und natürlich ne Ich habe hier Familie dann noch mit Eltern Und auch meiner Schwester Wohn gehabt und hab immer wie das Gefühl gehabt ich muss wieder in den Niederrhein zurück.
00:11:17: Berlin wurde mir dann irgendwann auch zu groß und habe meine Frau gebeten, die tatsächlich aus Viesen stammt, dass wir irgendwann den Schritt wagen wieder von Berlin nach... Vier sind durch Krefeld ganz zurück zu ziehen und das hat auch ein bisschen Zeit gekostet sich damit mit den anderen Größenverhältnissen wieder zurechtzufinden.
00:11:41: Und das hat aber in Krefeld gut geklappt, war da auch gerne in beiden Kliniken vor Ort, war bei den Augustinerinnen und bei den Alexianern beschäftigt jeweils oberärztlich.
00:11:53: Da war tatsächlich die Gerontopsychiatrie dabei.
00:11:56: Und als man dann hier in Viersen die Chefarztstelle für die Grundtubsichertrie ausgeschrieben hat, habe ich gedacht auch, da kannst du dich ja mal bewerben.
00:12:06: Da passte es doch sehr auf allen Seiten und seitdem bin ich halt jetzt hier seit Jahrzehnten als Chefarz.
00:12:14: Gab es eigentlich die Klinik damals schon, als du als kleiner Junge mit dem Fahrrad durch Firschen gefahren bist?
00:12:18: Die
00:12:18: Klinika gibt's schon länger als ich lebe.
00:12:21: Ja und ich hab tatsächlich auch während anfänglicher Studienzeiten hier als Aushilfskraft in der Forensik sitz ... ja, gleitende Tätigkeiten gehabt.
00:12:33: Das heißt also...ja!
00:12:34: Ich kannte die LVR-Klinik schon.
00:12:36: und wie das in jedem LVR Standort ist da ist einer der größten Arbeitgeber Oder einer der größeren Arbeitgeber vor Ort, die jeweils ist gehört LVR Klinik Viersen auch dazu dass man das kennt und es prägt halt auch den Ort hier in manchen Belangen.
00:12:55: Wie toll da schließt sich wirklich der Kreis?
00:12:56: Dass du letztendlich dann auch zurück gekommen bist zu diesem Ordnung.
00:12:59: Es zieht dich irgendwie immer wieder in Richtung Gerontopsychiatrie und Psychotherapie.
00:13:04: Warum ist das so?
00:13:06: Ich habe Tatsächlich schon auch während des Ziviliens ist, den ich hier in Fiesensüchseln in der Nachbarklinik im der somatischen Abteilung gemacht habe gemerkt dass ältere Menschen eine Lebenserfahrungen mitbringen die... meistens sehr klug ist und das kann man natürlich auch als Gerontoppsicherter mit in die Waagschale werfen, während man eine Behandlung durchführt.
00:13:32: Das heißt also Ressourcen, die derjenige in seinem Leben schon sich angeeignet hat wieder hervorzuholen zu spiegeln was für Fähigkeiten derjenigen doch in seinem leben schon erlangt hat.
00:13:44: dass es etwas was ich immer wieder gemerkt habe Und ich mag es irgendwie der umgang untereinander ja das ist halt etwas was ist, was ich sehr schätze und was sich auch im täglichen Arbeiten immer wieder merke.
00:13:58: Ja mein Herz schlägt gerundtubsichartig so will ich es mal nennen.
00:14:03: Also viele verdrängen ja die Tatsache dass sie irgendwann auch mal alt werden und insbesondere als junger Mensch ist das ja schon interessant, dass man sich dann mit diesen Krankheiten beschäftigt, die am Ende des Lebens auf einen Warten.
00:14:14: welche Eigenschaften sind das denn bei dir?
00:14:17: Die dafür sorgen, dass du dich auch als jungermensch damit schon beschäftigen wird.
00:14:21: Das ist
00:14:22: eine gute Frage, die kann ich fast gar nicht so beantworten das war eher ein Gefühl.
00:14:27: Eigenschaften kann ich gar nicht nennen.
00:14:28: also ich bin halt jemand der gerne kommuniziert und ich merke dass ein wichtiger Faktor zuhören und auch Ideen geben sein zu können Das ist so etwas.
00:14:44: Ich mag die Macht des Wortes, ich mag es im Gespräch auf was zu hinterfragen.
00:14:49: Das sind so Dinge, die ich gemerkt habe und die sicherlich auch bei jüngeren Erwachsenen, die eine psychische Erkrankung haben, ich hätte zum Einsatz bringen können.
00:14:59: aber das ist halt etwas, was sich so tatsächlich mit der Zeit ergeben hat.
00:15:02: und hinzu kommt noch dieses neurologische Arbeiten dass körperliche Erkankungen auch eine Rolle spielen können.
00:15:10: psychischen Erkrankungen war ein Faktor, der ja in der Gerontopsychiatrie beides vereint.
00:15:16: Das heißt also ich habe die älter Ich werde.
00:15:18: natürlich ist die Wahrscheinlichkeit größer eine körperliche Erkrankung zu entwickeln und mit dem Wissen von meiner vorherigen Ausbildung als Neurologe bin ich halt im gerontopsychiatrischen dann mit manchen erkrankungen etwas versierter.
00:15:33: es gibt Parkinson-Erkrankung die halt psychische Erkankungen mit sich bringen und die Demenz eine Schnittstelle zwischen Neurologie und Psychiatrie darstellt.
00:15:45: Was hat dir deine Arbeit über das Leben verraten?
00:15:48: Du sagst gerade schon, dass da viele Menschen sind die einfach einen großen Fundus mitbringen an Erfahrungen, die sie gesammelt haben im Laufe des Lebens Und du warst natürlich damals also angefangen hast in einer ganz anderen Lebenssituation als deine Patientinnen und Patienten.
00:16:02: aber was...was haben dir dir beigebracht übers Leben?
00:16:07: ist glaube ich nicht nur durch das Arbeiten gekommen, also ich glaube dass es vielschichtig ist.
00:16:12: Ich habe eine sehr tolle Familie, ich habe eine tolle Frau und Kinder, ich hab Eltern die mit mir im guten Austausch sind, ich haben ein Freundeskreis und natürlich auch meine Arbeit und den Austauschen mit Mitarbeitenden und auch mit Patienten.
00:16:31: Aber wichtiger Punkt ist tatsächlich für mich persönlich zu genießen, wie gut es geht.
00:16:39: Ja warum soll ich das alles in die Zukunft schieben?
00:16:42: Ich schaue dass ich viele Dinge jetzt realisiere, jetzt möglich mache, jetzt Zeit mit meinen Kindern verbringe wenn die Zeit dazu da ist und meiner Frau der Familie.
00:16:54: Das heißt das sind wichtige Punkte des sozialen Interaktions vorantreiben unterstützen aufrechterhalten.
00:17:03: Das ist glaube ich der Punkt der ganz wichtig ist.
00:17:05: also möchte ich dem höheren Alter nicht erleben.
00:17:09: Und das ist halt etwas Einsamkeit im Alter, ist ja auch ein Thema mit dem mich gerade zunehmend beschäftige weil das ein Punkt ist den man sicherlich vorbeugen kann je früher man da sein soziales Netz ausreichend gesponnen hat.
00:17:24: Ja, das steht tatsächlich auch noch auf meiner Liste werden wir später noch darüber sprechen.
00:17:29: Eine Sache möchte ich vorher noch mit dir besprechen... Ich glaube dass viele das Gefühl haben wenn sie von Gerontopsychiatrie oder Psychotherapie hören, dass diese Klinik einen Eine Art trauriger Ort ist, weil viele dieser Krankheiten – du hast gerade schon ein paar Kindesongen gesagt als Heimer und natürlich dann auch in dem Zusammenhang Demenz.
00:17:48: Es ist ja irgendwie so irreversibel und da weiß man das wird nicht wieder weggehen in diesem Leben.
00:17:55: Letztendlich fand ich es ganz schön in unserem Vorgespräch, dass wir geführt haben, dass du gesagt hast, wir lachen auch ganz viel hier!
00:18:01: Das ist wichtig, ne?
00:18:02: Ja,
00:18:02: ganz wichtig.
00:18:03: Also das ist für mich auch als Leiter eine Abteilung wichtig, miteinander als Team auch lachen dürfen.
00:18:11: Nicht über Patienten, das möchte ich nicht falsch verstanden wissen aber wir lachen miteinander!
00:18:15: Wir haben Situationen wo halt eine Situationskomik entstehen kann.
00:18:19: ja also Beispiel wie wir gehen in den Patientenzimmer rein da ist ein dementer Mann der begrüßt mich und sagt hallo Helmut du bist aber dick geworden und verkennt mich wahrscheinlich als sein Bruder und das darf dann ja auch dazu führen dass wir uns alle kräftig mitlachen.
00:18:35: Ja das ist halt etwas wo sollte die Situation?
00:18:38: Und klar, hast du recht?
00:18:40: Demenzerkrankung ist in... meisten Fällen irreversibel und fortschreitend.
00:18:45: Und auch andere neurodegenerative Erkrankungen, so nennt sich das ja im Oberbegriff.
00:18:50: also wenn das Hirn eine Verlust von Fähigkeiten erleidet dann kann es dazu kommen dass manche Erkranken auch fortschraiten sind und lebenslimitierend oder lebenseinschränken sind.
00:19:01: aber es gibt im Alltag immer wieder Situationen wo ich das Gefühl habe man darf und sollte natürlich sich mit Freude austauschen denn das ist ein ganz wichtiger Punkt Bei der Demenzerkrankung geht möglicherweise die Fähigkeit verloren, dass man kommunizieren kann.
00:19:17: Was aber nicht verloren geht ist die Emotionalität.
00:19:20: Das heißt also ob ich jetzt jemand mit einem traurigen Gesicht als Mitarbeitender einen Demenz erkranken gegenüber auftrete oder mit einem breiten Lächeln und sagen guten Morgen wie geht es Ihnen denn heute?
00:19:31: Macht einen großen Unterschied weil die emotionale Ebene eine erhaltene Ebene auch in der Demenzerkrankung bleibt.
00:19:38: Deswegen mein Lieblingsspruch ist, wie man ihn den Wald hineinruft so schalt es heraus.
00:19:43: Das hier platt aber wirkt!
00:19:46: Lass uns mal kurz ein bisschen über die LVR-Klinik und über die Struktur das sprechen.
00:19:51: Die Gerontopsychiatrie ist eine eigene Abteilung an der LVr-Kinik in Fürsen.
00:19:55: Das haben wir vorhin im Prinzip ja schon gesagt.
00:19:57: Das bedeutet aber irgendwie auf einer Art auch dass sich psychische Erkrankungen im hohen Lebensalter irgendwie unterscheiden von Jüngeren oder in der Art der Behandlung?
00:20:08: Oder ist das einfach nur, um zu sagen wir müssen eine Art von Struktur da reinbringen.
00:20:13: Beides!
00:20:13: Also es hat was strukturelles.
00:20:16: Es ist so dass wir auch eine Station haben wo wir uns hauptsächlich um Erkrankungen kümmern die im Rahmen einer Demenz auftreten können.
00:20:24: Das heißt also das ist eine Station mit Schwerpunkt Demenzerkrankung und Komorbiditäten also Zusatzerkankungen Zusatzsymptomen.
00:20:32: Häufig sind das Schlafstörungen, Unruhe, S-Verhaltensauffälligkeiten.
00:20:38: Das ist zum Beispiel eine Station, das ist so eine Schwerpunktstation.
00:20:42: Da ist es dann halt auch natürlich.
00:20:44: die meisten Menschen sind sechzig plus auf dieser Station.
00:20:47: Dann haben wir eine zweite Station wo wir uns um psychische Erkrankungen eher aus dem Affektiven, also den Depressionen kümmern mit Sechzig plus und da ist tatsächlich es so als Beispiel.
00:21:01: Da sind halt unterschiedliche Belange von Nöten.
00:21:04: wenn du sechzig bist dann bist du vielleicht auf der Endstrecke deiner beruflichen Laufbahn oder deines beruflichem Weges und hast ganz andere Nöte und vielleicht auch Bedarfe auf der Ebene, dass sich mit anderen Patienten im gleichen Kontext austauschen können.
00:21:22: macht es Sinn dann doch das Alters... gemetschter oder separierter, so will ich es eher sagen zwischen unter- und über-sächsig zu machen.
00:21:31: Wir haben teilweise Menschen die kommen mit fünfundachzig auf die Stationen und sagen was soll ich denn hier?
00:21:35: So alt bin ich ja noch gar nicht!
00:21:37: Ja das passiert halt.
00:21:40: Es gibt auch sechzig Jäger die dann nach der Station kommen und dann sagen ich will nichts mit achtzigjährigen zu tun haben.
00:21:45: Das macht manchmal ist nicht einfacher aber es ist so ähnlich als wenn du als achtzehnjähriger auf eine allgemeinstichartige Station kommst wo dann halt Entviertziger sind.
00:21:53: Da hast Du auch das Gefühl vielleicht Patienten nicht wirklich dazuzugeln.
00:21:57: Das ist halt immer so eine Aufgabenverteilung, die man in psychiatrischen Kliniken zumindest im LVR-Verbund so geschaffen hat.
00:22:04: Es gibt auch Kliniken, die das nicht machen, die gar nicht krankheitsspezifisch oder altes spezifische Stationen aufgeteilt haben.
00:22:13: für sich als Konzept anders haben.
00:22:16: Ich kenne das als Konzip nur so, auch in allen anderen Kliniken wo ich bisher tätig war dass das Krankheitsschwerpunkt und Alterschwerpunkt spezifisch dann aufgeteilt gewesen ist.
00:22:28: unsere dritte Station du hattest ja gerade so eine Struktur angesprochen akute psychische Behandlungsbedarfe als Hauptsymptom haben.
00:22:37: Das kann schwere Depressionen mit Suizidalität sein, das kann eine Schizophrenie sein wo die psychotischen Warninhalte so sehr lebenseinschränken sind dass da ein geschützteres Setting einfach von nöten ist.
00:22:50: Das sind zu den drei Schwerpunktstationen die hier auf dem Gelände sind.
00:22:53: und dann gibt es noch ne Tagesklinik wo wir Menschen halt fünf Tage in der Woche von Modus bis Freitags therapeutisch begleiten und behandeln.
00:23:02: Und dann gibt es noch eine große Ambulanzberatungsstelle, das ist so das Angebot der geräumte Psychiatrie hier am Standort.
00:23:10: Ja, gerade bei einer Schizophrenie oder auch bei verschiedenen Psychosen wird es sehr vermutlich so sein dass die Patienten nicht auf eigenen Wunsch zu euch kommen sondern dass da andere Leute sagen das wäre jetzt vielleicht ganz gut wenn wir da mal was machen.
00:23:25: Es gibt aber auch Leute die einfach nach eigenem Bedürfnis oder auf eignen Wunsch zu euch kommt.
00:23:31: Was sind denn da so die Beweggründe?
00:23:33: Das ist um das nochmal auch Allgemein bekannt zu machen, natürlich der größte Teil unserer Patienten.
00:23:40: Man hat ja mal das Gefühl alle in einer Psychiatrie sind gegen ihren Willen da werden eingesperrt und da wartet direkt jemand hinter der nächsten Tür mit ner Zwangshacke.
00:23:47: Das kommt halt durch Filme wie Einerflug über's Kuckuchsnest wahrscheinlich in manchen Hirnen dann nochmal sich festgesetzt hat Ja die meisten kommen freiwillig zu uns Die meisten kommen mit eine Behandlungswunsch zu uns.
00:23:58: Die meisten Menschen die zu uns in die Kine kommen haben gemerkt irgendwas klappt im Alltag nicht mehr so wie ich das sonst so konnte.
00:24:06: Das kann bei körperlichen Dingen, wer am älter werden natürlich passieren.
00:24:10: Dass man die alltäglichen Aufgaben nicht mehr bewerkstellt bekommt und dass man vielleicht nicht mehr in der Lage ist sich selbstständig um das Beschaffen von Nahrungsmitteln zu kümmern.
00:24:20: Ja, dass man irgendwo in seiner Wohnung sitzt, dass die Antriebsminderung so stark ausgeprägt ist, dass ich mich nicht mehr vor die Tür traue, vielleicht auch Ängste eine Rolle spielen.
00:24:31: Wir machen teilweise Einkaufstraining, weil Menschen sich nicht mehr trauen in den Supermarkt zu gehen.
00:24:38: Da werden ergo-therapeutische oder andere Berufsgruppen begleitend solche Belastungserprobogen mit dem Aufsuchen des benachbarten Supermarktes geplant.
00:24:54: kann ich mir so gar nicht vorstellen.
00:24:55: Passiert aber doch häufiger als gedacht, ja?
00:24:58: Dass Ängste da eine Rolle stellen, soziale Ängsten und auch Schwellen-Ängste!
00:25:03: Ja... Ergottherapie hast du gerade schon angesprochen.
00:25:06: Ansonsten ist es natürlich so dass die Psychiatrie, Psychotherapie da bei euch Hand in Hand arbeiten.
00:25:12: magst du nochmal ganz kurz vielleicht falls jetzt jemand dabei ist der zum ersten Mal den Podcast hört und sich noch nicht so genau mit dem Bereich beschäftigt hat kurz erklären wo der Unterschied ist und in welchem Fall vielleicht auch was angewendet wird?
00:25:24: Wir bieten auf den beiden, auf der Akkustation und auf der Station mit affektiven Störungen natürlich auch eine psychotherapeutische Begleitung an.
00:25:35: Auf diesen Stationen sind auch psychologische Kräfte neben den ärztlichen Mitarbeitenden zum Team dazugehörig, die dann Einzelgespräche anbieten.
00:25:44: Die eher so supportiv ja anleitend vielleicht auch psycho-educativ also über die Erkrankung aufklärend verlaufen.
00:25:53: wir bieten das in Einzelkontakten und wir biten das aber auch in Gruppengesprächssettings an.
00:25:59: Das findet halt regelmäßig auf den Stationen dann jeweils statt Und da sind die Psychologen und Ärzte mit eingebunden.
00:26:09: Das ist etwas, was viele Patienten als sehr gewinnbringend auch rückmeldet.
00:26:14: Dass sie in den Austausch kommen mit anderen und vielleicht auch das Gefühl entwickeln,
00:26:18: ach,
00:26:19: das habe ja nicht nur ich.
00:26:20: Ja?
00:26:20: Es gibt noch andere so!
00:26:22: Und dann vielleicht auch da überüber man sich eher öffnet, weil man merkt, ja, vielleicht haben die ja ein paar Sachen, die mir noch nicht eingefallen sind wie ich vielleicht da so Schwellen überwinden kann und das wird dann angeleitet moderiert durch die Therapeuten
00:26:40: Und Psychiatrie, um das auch noch mal kurz festzuhalten ist dann halt auch unter Einsatz von Medikamenten die Behandlung.
00:26:47: Das ist schon sicherlich auch ein Part der mit dazugehört.
00:26:49: Das heißt wir haben immer wieder Patienten, die sagen ich möchte keine Medikamente, ich möchte erst einmal gucken ob ich nicht durch das Angebot hier auf der Station die Gespräche, dass miteinander das Entlastende auch nicht täglich mich jetzt um mein Überleben zu kümmern vielleicht so weit stabilisiere was teilweise auch gelingt.
00:27:08: Es ist allerdings so, dass natürlich bei schweren depressiven Episoden es auch lege Art ist.
00:27:14: Also nach den Richtlinien ein Medikament zur Behandlung einer Depression angeboten werden sollte.
00:27:21: Ja, und das ist auch etwas was wir tun.
00:27:24: Neben dem ganzen anderen was wir auch machen.
00:27:26: Wir machen eine Laboruntersuchung so in der Routineparameter die man im Blut zu bestimmen kann.
00:27:31: Wir haben einen EKG, wir machen manchmal auch wenn der Bedarf danach ist eine Bildgebung vom Kopf im Sinne einer Computertomographie.
00:27:39: Das sind so Dinge die im gerontopsychiatrischen Setting mit in die Aufnahme-Routine gehören und auch in die weitere Überlegung, was wir zur Abklärung der Erkrankungen alles benötigen.
00:27:54: Wir machen einen kleinen Schwenk.
00:27:56: Wir kommen jetzt zu einer spezifischen Krankheit bzw.
00:28:00: musst du vielleicht noch mal kurz erklären den Unterschied zwischen Krankheit und letztendlich Auswirkungszustand?
00:28:05: Ich möchte mit dir über Demenz sprechen.
00:28:07: Demenz ist ein großes Problem weit verbreitet in Deutschland.
00:28:13: Ich habe Zahlen rausgesucht von Ende zwanzig, dreiundzwanzig.
00:28:15: Vielleicht hast du noch Aktuellere.
00:28:16: Eins Komma acht Millionen Menschen in Deutschland waren Ende Zwanzig Dreiundzwansig an Demenz erkrankt.
00:28:22: Was passiert bei Demenz?
00:28:25: Die Zahl ist sicherlich korrekt.
00:28:26: Die steigt ja immer ein bisschen und da die Bevölkerung älter wird, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich auch größer an einer Demenz zu erkranken.
00:28:34: denn das ist das höchste Risiko eine an einer demenz zu Erkrankten.
00:28:37: ist es tatsächlich dass Älter werden Und je älter die Bevölkerung wird, desto mehr Menschen gibt es natürlich auch, die eine Demenzsymptomatik entwickeln können.
00:28:45: Demenz betrifft ja das Hirn in der Weise, dass sagen wir mal bei der klassischen Form der Alzheimer-Demenz bestimmte Strukturen im Hirn nicht mehr funktionieren.
00:28:56: und das ist dann sicherlich im Vordergrund bei dieser Form der Demenz die Gedächtnisstörung.
00:29:05: Das ist meine Lieblingsfrage.
00:29:07: Wenn ich Vorträge halte zur Demenz, wird immer die Frage gestellt was eigentlich der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?
00:29:14: Eine sehr gute Frage!
00:29:16: Und ich nehme dann immer ein Beispiel das Demenz wie der Überbegriff Baum ist.
00:29:24: Und die Alzheimer-Demenz ist eine Form der Demenz, wie Ahrhorn Eiche eine Sorte der Bäume.
00:29:34: Dieses Bild ist manchmal sehr hilfreich für viele und dann kann ich auch ein bisschen darüber gehen, dass es andere Formen von Demenzen natürlich gibt neben der Alzheimer-demenz.
00:29:42: Es gibt auch noch Durchblutungsstörungen, die einen Demenz hervorrufen können, Vitaminmangel usw.
00:29:47: Aber das Wichtige ist, die meisten Demenzformen Schwund von Gehirnzellen eine Herr oder einem Verlust von Gehörenzellen die bestimmte Aufgaben im Hirn haben.
00:29:59: Das Hirn ist ja ein... Wunderwerk, was da alles passiert.
00:30:03: Während wir beide sprechen wie viel Verschaltung da gerade pro Millisekunde notwendig sind.
00:30:09: damit ich jetzt hier einen vernünftigen Satz herausbringe das fasziniert mich immer wieder.
00:30:13: Funktioniert gut!
00:30:14: Danke ja aber nicht so trotz.
00:30:16: das ist halt etwas was sich dann gerne auch dieses wissen über Demenz ist wichtig dass man das in der Öffentlichkeit mehr und mehr.
00:30:23: und es hatte auch schon den letzten Jahren ein Riesenschritt nach vorne gegeben also in der Zeit als ich Neurologie gemacht habe habe, da war Demenz irgendwie irgendwo gibt es das mal.
00:30:33: Ja und das ist jetzt ein paar Jahre her, also ja, dann war demenz eine Randerscheinung.
00:30:39: Und jetzt durch die deutsche Altshammer-Gesellschaft der Bundesregierung, die sich um gewisse Dinge kümmert, ist etwas was die Demenz mehr in den Fokus hat rücken lassen und natürlich auch, weil die Zunahme an Patientenzahlen dazu gekommen ist.
00:30:54: Und damit gibt es halt dann deutschlandweit auch wie wir jetzt hier die lokalen Alzheimer-Gesellschaften wo ich mich engagiere um dieses Wissen in die Breite zu tragen und halt auch Angebote zu machen.
00:31:08: das ist ein wichtiger Punkt.
00:31:09: ja denn viele sind einfach überfordert mit dem was mache ich mir jetzt?
00:31:12: mein Mann ist dement und wo kann ich mir Hilfe holen?
00:31:16: Ja, ja.
00:31:16: Seit Ende zwanzig vierundzwanzig bist du Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Krefeld Niederrhein.
00:31:21: Aus welchem Grund bist Du dahingegangen bzw.
00:31:24: hast Du diesen Posten übernommen?
00:31:26: Ich hatte schon Kontakt in Krefeld weil aus dem Namen geht es hervor das war ursprünglich auch eine Reinkräfelder Alzheimer Gesellschaft und da war der Vorsitz bei dem dortigen Chefarzt der Neurologie von den Alexianern und ich habe einfach das Gefühl gehabt will er mitmachen und habe mich da engagiert.
00:31:45: Und dann irgendwann hat dieser Chefarzt gesagt, ich würde jetzt gerne mal demnächst den Posten abgeben ob ich nicht Lust hätte ihn zu übernehmen.
00:31:54: und dann hab' ich den auch gerne übernommen.
00:31:56: Es ist ehrenamtlicher Posten Auch nicht unerheblichen Mehraufwand verbunden, den ich auch heute Nachmittag habe.
00:32:04: Wir haben eine Vorstandssitzung um siebzehn Uhr wo ich dann Tagesordnungspunkte zusammenstelle und meinen Vorstand mit dem ich das zusammen mache.
00:32:11: Ich mach's nicht alleine!
00:32:12: Das ist ganz klar.
00:32:13: wir jetzt überlegen wie wir dieses Jahr neue Veranstaltungen für öffentlichkeitswirksam machen um die Demenz in der Bevölkerung vielleicht sogar im Bereich der Profilachse noch bekannter zu machen wie man ein Demenz vorbeugen kann.
00:32:25: Da bin ich sehr engagiert und macht das aber auch gerne.
00:32:30: Kann mir vorstellen, dass es eine richtig gute Kombination ist mit dem LVR?
00:32:33: Mit den ganzen Praxisbeispielen die du hast und gleichzeitig dann auf der anderen Seite noch in der Aufklärung tätig zu sein?
00:32:40: Ja also es ist schon natürlich mein Tag ausgefüllt.
00:32:43: Das ist schon richtig!
00:32:45: Und das Daumen ist halt auch heute die Vorstandssitzungen nach
00:32:52: Diese Demenz, die Krankheit.
00:32:54: Das ist natürlich was, was die Betroffenen fordert aber vor allem auch das Umfeld.
00:32:58: in welchen Bereichen spürst du da eine große Hilflosigkeit?
00:33:03: Die Hilflösigkeit ist meistens dann gegeben wenn Menschen versuchen alles alleine zu managen.
00:33:10: ja also wir haben immer wieder Menschen die zu uns in die Behandlung kommen wo wir merken dass die Angehörige oder der einzelne Angehöge der sich um den den oder die Demenzerkrankte kümmert, in die Überforderung rutscht.
00:33:24: Weil ein Demenzerkrankter hat häufig Schlaf-Rhythmusstörung.
00:33:28: das heißt also er ist nachts aktiv und schläft am Tagsüber und das ist natürlich für die Begleitperson eine logistische Herausforderung weil dann nachts man auch vielleicht wach geworden ist und tagsüber was anderes machen muss was so die Alltagsherausforderungen sind und dass es halt ein Kredo was immer wieder ich propagiere ist holen sie sich bitte Hilfe.
00:33:49: Es gibt genug Möglichkeiten sich Hilfe zu holen und es gibt auch genug Möglichkeiten mittlerweile.
00:33:54: Auch bei uns hier im Gerontopsychiatrischen Zentrum habe ich eine Beratungsstelle, sich kostenlos beraten zu lassen welche Hilfsangebote existieren.
00:34:02: der Markt ist riesig Und das kann manchmal zur Überforderung führen und dann braucht man so ein gewisse Lotsen, die das können.
00:34:09: Die sich im Demenz-Netzwerk was wir hier im Kreis Viesen haben zum Beispiel miteinander in Verbindungen regelmäßig setzen und da auch einen Austausch haben und sagen ja wenn sie da wohnen gibt es doch die Gruppe, die tag Montags, dass Demenzcafé ist immer Donnerstags gehen Sie doch mal dahin!
00:34:27: Wir haben Seniorenbegleitung, Alltagsassistenz, Pflegedienste... Es gibt mittlerweile eine, und das halt aus diesem was ich eben sagte mehr in den Fokus gerutscht sein resultierend dass die Demenz halt oder die Demenzerkranken und die Angehörigen auf Angebote zurückgreifen können.
00:34:48: Sie müssen es nur tun und natürlich auch wissen wo man's tun kann.
00:34:51: Das ist einfach nochmal ein ganz wichtiger Faktor.
00:34:54: informieren sich informieren lassen ist dabei an vorderster Stelle stehen.
00:34:59: Ja, also es gibt jede Menge Unterstützungsangebote.
00:35:02: Da muss man natürlich auch an dem Punkt sein dass man schon realisiert hat das da eine Krankheit gibt und ich habe das selbst miterlebt in der Familie, dass man sich eine ganze Weile fragt ist das jetzt gerade?
00:35:16: Sag mal salopp gesagt ist das Alterstüttlichkeit oder steckt er mehr dahinter?
00:35:20: wo ist denn der punkt ab dem man handeln sollte?
00:35:23: Eigentlich, wenn man schon das Gefühl hat, ob es eine Alterstütteligkeit ist.
00:35:27: Das heißt also, es gibt mittlerweile auch da gut aufgestellte Glechnisambulanzen oder Glehnensprechstunden auch deutschlandweit verteilt.
00:35:39: Wir haben auch eine hier am Standort, wo man sich einen Termin besorgt.
00:35:43: Wo Menschen sind die sich mit Gedächtnisstörungen auskennen?
00:35:46: Ich habe hier am standort eine Neuropsychologin, die dann auch gewisse Tests durchführt.
00:35:51: Ja ich hab eine Oberärztin,die auch Neurologin und Psychiaterin ist, die die Gedechnisambulanz hier Fachärztlich leitet sodass wir gerne natürlich auch Menschen zur Abklärung bei uns in der Gedächnissprechtunde sehen wenn halt so die Frage im Raum steht.
00:36:09: Ist das jetzt noch Alterstüttlichkeit oder ist da schon vielleicht eine gewisse Demenz beginnend?
00:36:16: Das kann man manchmal dann durch Tests herausfiltern, oder man kann auch sagen, da müssen wir noch weiter Untersuchungen machen.
00:36:23: Schön dass sie gekommen sind!
00:36:24: Wir machen nochmal ein Bild vom Kopf.
00:36:25: Wir haben ein Labordiagnostik.
00:36:27: Das heißt also je früher desto besser.
00:36:30: Und das ist halt ein Punkt, den ich nur raten kann.
00:36:34: Da einfach googeln, Gelechnis-, Ambulanz-Gelehnensprechstunde und dann vielleicht den Ort wo man meint hinzuwollen und sicherlich findet man da jemand der eine mit weiterhelfen kann.
00:36:45: nicht immer ist es sofort einen Termin manchmal ist es mit Wartezeiten verbunden aber je früher desto besser.
00:36:51: Was sagst du denn Angehörigen, die jetzt auch Angst haben eine Person zu demütigen indem sie sagen wir müssen da jetzt mal hingehen weil gerade wenn es Zu Beginn ist will ich sagen ist ja noch sehr sehr viel auch Vom realisieren übrig bei der personen die betroffen ist.
00:37:11: also wird Ja ein großer teil des alltags auch noch selbst gemanagt sind ja kleinere Situationen wo man denkt das ist noch normal oder nicht und als Angehöriger, dann eine Person zu demütigen oder vielleicht auch so ein bisschen zu endmündigen.
00:37:25: Ich glaube haben viele Angst vor
00:37:27: das richtig.
00:37:28: Es ist natürlich so wenn du egal welche Erkrankungen Du meinst zu haben oder nicht zu haben dich in ärztliche Hände begibst Dann kriegst du hinterher ne Diagnose.
00:37:38: Ja, das heißt also ob du dich beim Hausarzt mit einer Blutuntersuchung plötzlich damit beschäftigen musst.
00:37:42: Ob du ein Diabetes hast oder nicht ja?
00:37:45: Oder ob andere Erkrankungen vorliegen spielt eine große Rolle natürlich auch bei unserer Gedächtnisambulanz.
00:37:51: Es ist da kommt es immer zu diesem Begriff Nicht selten der Fall dass Menschen zu uns kommen zur Diagnostik fremd motiviert Ja, ich würde das ja gar nicht so wie du sagst gedemütigt nennen.
00:38:03: Sondern fremdmotiviert.
00:38:04: Das heißt also die nächste Angehörige sagt irgendwas stimmt hier nicht.
00:38:07: Also können wir nicht mal das abklären lassen und manchmal dauert es halt auch ein bisschen bis derjenige oder diejenigen sagt ja gut komm mach man einen Termin.
00:38:17: Das ist schon natürlich genau mit diesem Risiko verbunden.
00:38:20: vielleicht merkt er sehr derjenigen selber auch irgendwas stimmt dir nicht und will jetzt wirklich die Demenzdiagnose haben.
00:38:27: das ziert sich der Mensch generell.
00:38:29: Das ist schon richtig, es ist natürlich nur klar eine Empfehlung je früher desto besser.
00:38:36: Es gibt auch behandelbare Demenzformen, das muss man ganz klar sagen und da macht es Sinn relativ früh zu behandeln.
00:38:42: Und je früher des so besser, das macht dann ein Effekt auf das fortschreitende Erkrankungen.
00:38:50: Wir haben am Anfang schon gesagt, der ganze Bereich wird wachsen.
00:38:54: Ein Thema das uns schon sehr lange begleitet und gebetsmühlenartig ja immer wieder diskutiert wird.
00:38:59: Das ist der demografische Wandel.
00:39:01: die Gesellschaft wird älter Die Baby Boomer Jahrgänge werden älters.
00:39:05: ich habe jetzt nochmal gelesen knappes Drittel der Arbeitskräfte wird in den nächsten fünfzehn Jahren in Rente gehen.
00:39:11: damit sind sie im besten Fall natürlich noch ein Stück weit entfernt vom wirklich alt sein.
00:39:15: Aber es ist vermutlich unbestritten, dass die Gerontoppsychiatrie in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird.
00:39:22: Wie sieht deiner Meinung nach die gerontopsychiatrien fünfzehn Jahre
00:39:25: aus?
00:39:26: Also wir haben tatsächlich ja in den letzten Jahren schon einen Zuwachs an Behandlungs- Plätzen in unserer Klinik jetzt hier gehabt.
00:39:35: Das heißt also, als ich hier gestartet habe waren es zweiunddreißig stationäre Behandlungsplätze In der klinik.
00:39:41: Jetzt sind's acht und fünfzig.
00:39:43: das heißt Also Der Kreis vierßen hat diesen demografischen wandelt schon begonnen Und damit natürlich auch Ein höhere Anteil an Menschen die einen gerontopsychiatrischen behandelungsbedarf entwickeln.
00:39:56: das heisst der hiesige Standort oder Hier.
00:39:59: der Vorstand und mit mir zusammen hat entschieden, wir wollen mehr Behandlungsplätze schaffen um den Bedarf dann auch gerecht zu werden.
00:40:07: Auch der Kreis Viersen ist auf uns zugekommen und hat eine Mitfinanzierung einer Kraft in meiner Beratungsstelle als dritte Kraft jetzt vorher waren es zwei gerade mit auf den Weg gebracht.
00:40:20: das heißt also ich gehe davon aus dass Jetzt nicht nur meine hier in Viersen, sondern generell dass wir uns mit größeren Kapazitäten beschäftigen müssen.
00:40:33: Es seien jetzt noch andere Klinikkonzepte zum Tragen, die aktuell in anderen Standorten ausprobiert werden.
00:40:40: Mit Regionalbudget
00:40:41: usw.,
00:40:42: da ist ja ein anderes Bestreben der Ambulantisierung und Stäb.
00:40:46: Das sind aber auch mal andere Themen, die vielleicht schon in anderen Podcasts eine Rolle gespielt haben.
00:40:49: Also, fünfzehn Jahre von heute gehe ich in Rente oder bin ich schon in Rnte?
00:40:54: Ich kann dann aus der Ferne zuschauen was meine Nachfolgerin mit der Ground-Sypsychiatrie so macht!
00:41:01: Ich werde noch zehn Jahre hier am Standort sein und das ist sicherlich eine Herausforderung, die wir in den nächsten Jahren haben.
00:41:11: Eine sehr große Herausforderung ist, was wir momentan versuchen zu verringern, der Mangel an Pflegekräften.
00:41:19: Wir haben gerade eine tolle Recruiting-Kampagne gestartet mit Speeddating wo auch Menschen tatsächlich, die im Pflegeberuf tätig sind zu uns gekommen sind geschaut haben und wenn daraus Einstellungen erfolgen werden, dann wäre das hervorragend.
00:41:35: Und es sieht gerade ganz gut aus.
00:41:37: Das ist aber glaube ich etwas was die Herausforderung darstellt ja dass wir älter werdendes Menschen haben mit unterschiedlichen Bedarfen.
00:41:46: Es muss ja nicht nur bei uns jetzt in der Grundhubsychiatrie ein steigender Bedarf sein sondern auch in anderen Dingen des Alltags und gleichzeitig aber die Menschen fehlen.
00:41:56: Serviceleistung will ich es einfach mal nennen, ja auch wir sind ja Dienstleister im klassischen Sinne.
00:42:02: Wir bieten unsere Hilfe an und dazu braucht man natürlich Menschen die das machen wollen und können.
00:42:08: Und das ist eine der größten Herausforderungen für die nächsten Jahre diesen Bereich attraktiv zu gestalten sowohl für die Menschen die die Hilfe brauchen als auch für die Ein
00:42:23: großer Schritt.
00:42:24: Du hast am Anfang schon gesagt, dass es lange auch so eine Art Randbereich war und das wird dann doch sehr zentral in den nächsten Jahren.
00:42:30: Was muss jemand denn mitbringen der sich daran interessiert bei euch zu arbeiten als Pflegerin oder halt auch als Psychiater?
00:42:39: Also Es ist letztendlich ein großes Empathievermögen.
00:42:42: ich glaube aber das ist tun also alle psychiatrischen psychologischen pflegerischen Bereiche, ja da ist wichtig dass man gewisse Empathie hat und auch Resilienz.
00:42:53: Das kommt noch hinzu also die Widerstandsfähigkeit.
00:42:55: das ist das was du ja eben mich gefragt hast wie schaffe ich es mit manchen Dingen umzugehen?
00:43:01: Die in der Klinik mir zu Ohren kommen wo ich mich mit beschäftige und dann zu Hause versuche das nicht mehr auf meinem täglichen Gedankengang zu haben.
00:43:10: Das ist etwas was man braucht.
00:43:12: Resilience man braucht aber auch Belastbarkeit, denn das sind ja auch nicht selten belastende Gespräche die durchaus im psychiatrischen Kontext passieren.
00:43:24: Man muss den Wunsch haben mit Menschen zu arbeiten.
00:43:27: Das ist noch mal ein ganz wichtiger Faktor dass es man tagtäglich in die Interaktion mit anderen Menschen kommt und das ist glaube ich etwas was Psychiatrisches Arbeiten in allen Berufsgruppen an vorderster Stelle steht.
00:43:45: Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrhunderten verändert.
00:43:48: Also ich weiß, dass mein Großvater noch in so einer richtigen Großfamilie auf einem Bauernhof aufgewachsen ist.
00:43:53: Da waren dann auch einfach die alten Menschen mit dabei und wenn sie nicht mehr auf dem Feld gearbeitet haben, dann haben sie halt Kartoffeln geschält in der Küche gesessen zusammen.
00:44:01: Diese Familienformate gibt es ja nur noch sehr selten.
00:44:05: Die älteren leben vielfach alleine bekommen ab und an mal Besuch.
00:44:11: Das ist natürlich eine große Einsamkeit, die da plötzlich herrscht.
00:44:13: Die früher vielleicht einfach gar nicht gegeben war weil immer irgendjemand rumgeschwirt ist und ... Welchen Stellenwert hat diese Einsamigkeit wenn es darum geht im Alter psychisch zu erkranken?
00:44:26: Da ich das Thema Einsamheit oder Alleinsein immer wieder in den Gesprächen... Wenn Menschen mit Depressionen zu uns auf die Station kommen von den Betroffenen auch höre.
00:44:37: Habe ich mich diesem Thema auch tatsächlich etwas mehr gewidmet, habe mal so einen kleinen Fragebogen hier gestaltet dass wir Patienten bei der Aufnahme ein Frageboggen vorlegen ob herauszufinden ob Einsamkeit ein wichtiger Faktor bei der psychischen Erkrankung darstellt.
00:44:51: weil Studien sagen das ja einsamkeit soziale Isolation nicht nur für Depression sondern auch für Demenzen eine Rolle spielen kann für das Auftreten oder die Auftretenswahrscheinlichkeit.
00:45:02: Ich hab Klassisches Beispiel kommt eine Frau zur Aufnahme, weil sie einfach zu Hause gar nicht mehr zurechtkommt.
00:45:09: Berg da ist niemand der sie im Alltag unterstützt.
00:45:11: Da gibt es Formalitäten, Formalia die sie einfach nicht mehr hinbekommt und ein doch sehr traurig am Anfang stimmender Satz war Die einzige Person mit der ich spreche ist die Verkäuferin an der Kasse bei Aldi ja?
00:45:24: Und sonst ist da niemand mehr.
00:45:27: und Einsamkeit im Alter ist tatsächlich etwas was um sich greift und ich habe auch dazu jetzt mal versucht, so ein paar Sachen zusammen zu tragen.
00:45:38: Bin da auf eine sehr tolle unterstützende und informative Seite der Malteser gekommen.
00:45:44: Kann nicht nur empfehlen Einsamkeit im Alter, Maltesa googeln und man findet zehn hervorragende Tipps.
00:45:49: und letztendlich zusammengefasst Bei allen diesen Tipps steht im Hintergrund, überschreiten sich Schwellen.
00:45:56: Haben sie keine Angst vielleicht irgendwo mal hinzugehen oder gehen in einem Mehrfamilienhaus und da kommt der Nachbar und dann sagen Sie Guten Morgen wie geht's Ihnen denn heute?
00:46:05: Ja die Interaktion das Miteinander ist natürlich auch eine Schwellenergst dabei.
00:46:11: ja ich kann doch nämlich jetzt einfach in den Kirchenkreis gehen.
00:46:15: in meiner Gemeinde die kennen sich doch alle schon ja die machen das schon seit Jahren da wäre ich dann neu.
00:46:20: Das ist halt etwas, was wir immer wieder hören.
00:46:23: Wir versuchen zu vermitteln in solchen sozialen Netzwerken dann einen Wiedereinstieg zu bekommen, ob es Senioren-Sport ist ja, ob das Kirchenkreis ist, ob's Demenzcafés sind da sind Schwellen doch häufig sehr groß und da versuchen wir dann Schwellend abbauen auch tätig zu sein.
00:46:43: Ich glaube, das ist jetzt der allerbeste Fall.
00:46:45: Dass man dann irgendwie noch ein funktionierendes Familienumfeld hat.
00:46:49: und ich glaube wenn wir jetzt mal wirklich über ältere Personen sprechen es gibt viele Kinder die sagen, ich möchte gerne für meine Eltern da sein auch im Alter möchte gerne was tun.
00:46:58: aber die Lösung wäre in dem fall ja letztendlich nicht da noch häufiger hinzufahren sich noch häufig quasi nur daneben zu setzen.
00:47:05: diese Einsamkeit entsteht hier eigentlich weil man So ein fließendes Leben hat, mit hier mal jemanden treffen da mal jemand treffen da meine Aufgabe erfüllen.
00:47:15: Es bringt ja nichts wenn man jeden nachmittag vier stunden zusammen am tisch sitzt.
00:47:19: Richtig also das größte risiko ist natürlich dass älter werden auch da weil bezugspersonen wegsterben.
00:47:26: Das ist etwas was natürlich einsamkeit jahr langjährige partnerschaft.
00:47:30: Man ist vierzig Jahre verheiratet und der ehrgatte stirbt.
00:47:33: dann ist man da plötzlich alleine Und das ist halt nicht von heute auf morgen aufzufangen.
00:47:38: Oder man tritt ins Rentenalter ein und hat vorher in seinem Beruf Erfüllung gefunden, wo man tagtäglich halt acht Stunden war und plötzlich ist da jetzt nicht mehr der Arbeitsfreundeskreis ja?
00:47:49: Und ob man das dann weiterhin die Freizeit übersetzen kann sei dahingestellt.
00:47:54: also es gibt so Tipps wie Hobbys reaktivieren sich den medialen Dingen mit weniger Scheu begegnen um halt auch, so wie wir jetzt virtuell im Kontakt zu stehen.
00:48:09: Ob man Zoom-Meeting macht oder andere Plattformen nutzt und mit seinen Angehörigen die vielleicht... Und das kommt ja auch noch hinzu, die Mobilität der Menschen.
00:48:16: Ja ich habe auch lange Zeit in Berlin gelebt und meine Mutter wohnt hier in Viersen und da war es dann auch ein seltenes Treffen.
00:48:23: Jetzt, seitdem ich wieder hier wohne sehen wir uns regelmäßiger natürlich aber damals noch Zoom glaube ich gab's doch gar nicht!
00:48:34: Wie erkenne ich als Angehöriger denn eigentlich, dass die Einsamkeit doch zur Belastung wird?
00:48:42: Ich glaube das etwas ist was sich tatsächlich sehr schnell offenbart.
00:48:47: Es ist ja häufig so Menschen die dann sagen kannst du nicht mal vorbeikommen... Es gibt ja schon Betroffene, die dann schon sowas zum Ausdruck bringen.
00:48:56: Und was auch ein Zeichen ist, wenn Unterstützung im Alltag dadurch offenbart, dass vielleicht der Kühlschrank sehr leer ist?
00:49:06: Ja, dass jemand gar nicht mehr schafft irgendwo hinzugehen.
00:49:10: Dass auch Traurigkeit sich relativ rasch im Gesichtsausdruck widerspiegelt wenn man dann tatsächlich mit demjenigen in Kontakt kommt oder diejenige ist dann gar nicht in der Lage so die Fassade aufrecht zu erhalten und bricht aus sich heraus.
00:49:24: also ich schaff das nicht mehr Ich kann es nicht mehr.
00:49:27: Ich fühle mich so allein.
00:49:28: Also das sind so Punkte.
00:49:29: Na klar da sollte das soziale Umfeld sehr rasch hellhörig werden versuchen, unterstützend zur Seite zu stehen.
00:49:40: Tim unser Podcast steht unter dem Motto sinnvoll in jeder Beziehung.
00:49:43: wenn du das mit Leben füllen solltest im Bezug auf den Umgang mit Menschen die im Alter psychisch erkranken wie würdest du das tun?
00:49:51: sinnvoll?
00:49:54: Sind wir in jeder Beziehung.
00:49:55: Es ist tatsächlich so, du hattest ganz am Anfang gesagt wie war das?
00:50:00: Alter macht keinen Spaß oder älter werden es macht kein.
00:50:04: alt werden es nicht zu
00:50:06: verfeignen richtig genau den spruch höre ich immer wieder.
00:50:09: Das ist Richtig.
00:50:12: Aber wenn man kein Fikling ist, dann schafft man es auch Schwellen zu überwinden.
00:50:16: Ja das heißt also dieses genau diesen Spruch zu nehmen um daraus abzuleiten Dann seien sie kein Fiking und gucken Sie mal was die tun können wie sie es schaffen mit dem Alter umzugehen.
00:50:29: Das ist manchmal leicht gesagt.
00:50:31: Manchmal hilft es aber auch denjenigen vielleicht doch nochmal Ressourcen zu reaktivieren ja Den Sinn des eigenen Lebens bisher Revue passieren zu lassen.
00:50:39: und wo hat man bisher in seinem Leben haben auch Sinn gefunden.
00:50:43: Das sind ja die Ressourcen, um die dann auch alltags tauglich wieder hervorholen zu können.
00:50:49: Das ist so das was ich in meinem Bereich sehe dass wir vielen Menschen wieder Sinn geben.
00:50:54: Ich habe einen Menschen gehabt der hat versucht sich das Leben zu nehmen und er hat mir vor ein paar Tagen im Meer geschrieben.
00:50:59: Vielen Dank Sie haben mir das Leben gerettet!
00:51:01: Ja, das ist tatsächlich etwas, was passiert.
00:51:04: Als ich in der Gerontopsychiatrie damals so die erste Schritte gemacht habe und da haben wir gesagt, es war eine Gerontopsychiatrie, sie sind doch alle alt, da kann man dann überhaupt nichts mehr erreichen.
00:51:12: Und ja, sind alle festgefahren gedanklich?
00:51:15: Nee!
00:51:15: Ist nicht so.
00:51:16: Man kann auch im höheren Lebensalter sich mit psychotherapeutischen Gesprächen, supportiven Interventionen und vielleicht auch Medikamentösen... Auch mit älteren Menschen noch einen neuen.
00:51:31: Ich hatte eine über neunzigjährige, die hat im Seniorenheim die Liebe ihres Lebens kennengelernt und hat mir das hinterher geschrieben.
00:51:37: Also es gibt Einzelfälle – ich kann noch mehr aufzählen – die dann auch genau diesen Sinn des Lebens, auch dem höheren Lebensalter deutlich widerspiegelt haben und somit auch Sinn geben für mich als Chefarzt diese Abteilung
00:51:51: bleiben.".
00:51:54: Tim, ich habe noch eine letzte Frage!
00:51:56: Hast du Angst vom Altwert?
00:52:01: Tatsächlich nicht.
00:52:02: Also ich weiß, ne?
00:52:04: Ich merke das selber gerade.
00:52:05: Ich entwickle erste Zipper-Line.
00:52:07: Ich unterhalte mich tatsächlich... Manchmal sogar werde ich Tabletten nicht einnehme mit meinem Vater, weil der mir das auch erzählt.
00:52:13: und dann sage ich ja, du nimmst so oder merk' ich Ja!
00:52:16: Ich werd grad älter, ja?
00:52:17: Ich merk', dass meine Ressourcen anders sind als Anfang.
00:52:21: Vierzigjäger stand ich sicherlich noch mit wesentlich mehr Energie so täglich auf.
00:52:27: aber insgesamt Nein, das Wichtige ist und das hatte ich glaube ich anfangs erwähnt wie es das soziale umfällt.
00:52:34: Ich glaube, das ist mein wichtigster Faktor.
00:52:37: Wo habe ich meine Wohlfühloasen?
00:52:39: Wo hab' ich meine Akku-Auflade-Stationen?
00:52:43: wo kann ich mich in meiner Freizeit mit Freunden treffen?
00:52:46: und vor allen Dingen was kann ich mir Gutes tun?
00:52:49: Ich glaube dieses sich selber ab und zu auch etwas Gutes tue ist dabei ein wichtiger Faktore und damit ja dem Altwerden sehe ich gewisserweise entlassen oder gelassen entgegen.
00:53:04: Tim, vielen vielen Dank für dieses Gespräch.
00:53:08: Es gibt sehr viele wertvolle Punkte eurer Arbeit.
00:53:10: aber ein ganz besonderer Punkt für mich persönlich weil ich das ein paar mal gedacht habe ist dass ihr dafür sorgt, dass das Verständnis für einander bleibt.
00:53:20: Zum einen von Seiten der Betroffenen die an psychischen Erkrankungen leiden im Alter zum anderen aber natürlich auch von den Menschen, die dann Angehörige sind.
00:53:30: denn gerade die psychischen erkrankungen die sorgen ja dafür, dass auch das Umfeld davon betroffen ist.
00:53:35: Und solange irgendwie eine Basis bleibt und man miteinander kommunizieren kann, dann ist das immer schon sehr wertvoll.
00:53:43: Und sorgt vor allem auch dafür dass letztendlich weniger Einsamkeit da ist.
00:53:47: Und auch wenn das alles manchmal so ein bisschen verrutscht und links und rechts dann plötzlich zu oben und unten wird, solange man irgendwie darüber lachen kann zusammen.
00:53:56: Das fand ich einen ganz, ganz schöner Punkt.
00:53:58: Dann ist es doch schon nicht mehr so schlimm und so können wir insgesamt doch ganz gut dem Ganzen entgegen treten.
00:54:05: Danke für deinen Besuch!
00:54:06: Und danke auch für deine und vor allem auch eure Arbeit an der LVR Klinik in Fersen.
00:54:11: Ja, danke für diesen Podcast
00:54:14: Dr.
00:54:14: Tim Strotman-Tack, Chefarzt der Gerontopsychiatrie und Psychotherapie an der LVR Klinik in Virsen und Vorsitzender der Alzheimergesellschaft Grieffeld Niederrhein EV Und euch allen einen ganz großen Dank fürs Zuhören.
00:54:27: Schön, dass ihr auch heute wieder mit dabei wart.
00:54:29: Falls ihr noch nicht alle Folgen von Seelenarbeit gehört habt, dann wäre jetzt ein sehr guter Moment einfach weiterzumachen.
00:54:35: Zum Beispiel könntet ihr an der LVR-Klinik in Viersen bleiben und da Folge eins nochmal hören über die Kinder- und Jugendpsychiatrie.
00:54:43: Klickt euch einfach rein!
00:54:44: Wenn ihr bei eurem Podcastsanbieter bis hier nach unten scrollt, dann findet ihr das auch sofort.
00:54:48: Ich bin Daniel Schwingauer euer Host.
00:54:50: Wir hören uns dann nächsten Monat wieder.
00:54:51: Abonniert die Socials des LVR nochmal ganz schnell damit ihr keine... Updates rund um Seelenarbeit mehr verpasst und ich wünsche euch eine ganz gute Zeit.
00:54:58: Bis dann, tschüss!
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