Folge 13 – Teamarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Shownotes

Wie gelingt gute Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und warum ist sie so entscheidend für die Behandlung junger Patient*innen? In dieser Folge spricht Moderator Daniel Schwingenheuer mit Esther Grell über multiprofessionelle Teamarbeit, moderne Führungsstrukturen und die Bedeutung von Wertschätzung in der Pflege.

Esther Grell ist Pflegedienstleitung in der Abteilung 3 der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen. Gemeinsam werfen sie einen Blick hinter die Kulissen des pflegerischen Alltags und sprechen darüber, welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen Mitarbeitende im Pflege- und Erziehungsdienst mitbringen sollten, wie unterschiedliche Berufsgruppen zusammenarbeiten und warum individuelle Perspektiven in der Behandlung so wichtig sind.

Außerdem geht es um das Modell der dualen Leitung, die Rolle von Weiterbildung in der Pflege sowie um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Berufsfelds. Dabei stehen nicht nur der Arbeitsalltag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Fokus, sondern auch die Wertschätzung in der Pflege, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Bedeutung von dem „Internationalen Tag der Pflege“ am 12. Mai.

Im Gespräch geht es unter anderem darum:

  • Warum multiprofessionelle Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie so wichtig ist
  • Welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen Mitarbeitende in der Pflege benötigen
  • Wie das Modell der dualen Leitung den Arbeitsalltag beeinflusst
  • Welche Bedeutung Weiterbildung und persönliche Entwicklung in der Pflege haben
  • Warum Wertschätzung und Reflexionsräume zentrale Bestandteile guter Teamarbeit sind
  • Welche Herausforderungen die Pflege aktuell beschäftigen und was sich künftig verändern muss

Ein Gespräch über Verantwortung, Zusammenarbeit und die Frage, wie gute Pflege in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gelingen kann.

Triggerwarnung: In diesem Podcast sprechen wir über psychische Erkrankungen. Wenn dich diese Themen belasten könnten, höre bitte achtsam zu und hol dir professionelle Unterstützung, wenn du sie brauchst.

Tipp: Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag im Monat. Jetzt abonnieren – und keine Folge verpassen! Weitere Infos: www.sinnvoll.lvr.de

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Transkript anzeigen

00:00:00: Also ich finde tatsächlich eine gute Behandlung bedeutet nicht immer nur, dass am Ende wirklich jedes Problem einfach gelöst ist.

00:00:06: Sondern manchmal geht es einfach nur darum auch einem Kind oder einem Jugendlichen wieder kleine Schritte zu ermöglichen oder einfach Stabilität zu schaffen oder neue Perspektiven zu öffnen.

00:00:18: Gute Behandlungen bedeuteten Menschen wirklich zu verstehen und nicht das Verhalten nur verändern zu wollen.

00:00:31: Echte Geschichten, ehrliche Einblicke von Menschen die mit Herz in der Psychiatrie arbeiten.

00:00:36: Unser Ziel Vorurteile abbauen, Einblicken geben und den Menschen hinter dem Beruf sichtbar machen Denn Seelenarbeit beginnt mit echten Geschichten Und hier erzählen wir sie.

00:00:54: Herzlich Willkommen zur dreizehnten Folge von Seelen Arbeit.

00:00:57: Ihr habt über die letzten Folgen schon gemerkt wie viele verschiedene Personen entweder direkt an der Psychi- oder aber in deren Umfeld arbeiten.

00:01:06: Es gibt so viele Fachbereiche, die alle unverzichtbar und wichtig sind.

00:01:09: Aber natürlich läuft es am allerbesten wenn Menschen mit verschiedenen Expertisen auch Hand-in-Hand arbeiten und zusammen dafür sorgen dass es den Patientinnen und Patienten besser geht.

00:01:20: unter anderem darum kümmern wir uns heute.

00:01:22: Wir sind an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Firssen.

00:01:25: Wie funktioniert das eigentlich?

00:01:26: Mit dieser multiprofessionellen Zusammenarbeit eine Frage, die wir heute klären.

00:01:31: außerdem sprechen wir über Kompetenzen und Führungsstrukturen, warum die wichtig sind.

00:01:36: Und wie bedeutend eigentlich Wertschätzung und Weiterbildung in der Pflege sind?

00:01:40: Ich bin Daniel Schwingauer, euer Host.

00:01:42: Freu mich sehr, dass ihr wieder mit am Start seid!

00:01:44: Die Person, die uns heute ganz viel wissen und Expertise mitgebracht hat ist Esther Grell, Pflegedienstleitung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

00:01:52: Schön, dass du da bist, Esther.

00:01:54: Hallo Daniel, vielen Dank, dass ich heute hier sein darf.

00:01:57: Bevor wir richtig in dieses Gespräch starten, habe ich noch einen kurzen Hinweis für euch.

00:02:01: In dieser Folge geht es um sensible Themen rund um psychische Erkrankungen.

00:02:05: Wenn euch diese Themen belasten, dann hört bitte nur weiter zu wenn ihr euch aktuell stabil fühlt oder eine Vertrauensperson an eurer Seite ist und ganz wichtig natürlich zögert niemals professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

00:02:17: Esther!

00:02:18: Du arbeitest an der LVR Klinik in Viersen?

00:02:21: Ganz spannend eigentlich.

00:02:21: mein vorletzter Gast in Folge elf war Dr.

00:02:24: Tim Strohtmann-Tagg in der LVR-Klinik in Firsen und zwar in der Gerontopsychiatrischen Abteilung.

00:02:32: Da geht es um Krankheiten des Alters, beispielsweise Demenz.

00:02:35: ihr arbeitet jetzt nicht zusammen aber ich habe deswegen noch mehr erzählt weil die Gerontopsychiatrie an sich hat in deiner Karriere auch einen sehr großen Stellenwert gehabt.

00:02:44: Ja, richtig.

00:02:45: Also ich habe meine Ausbildung damals in der LVR-Klinik in Bad Burkau gemacht.

00:02:49: das war dann zwei zwölf bis zweifünfzehn und ich bin danach auf einer geschützt geführten gerontozichartrischen Station angefangen und hab dann auch ja zwei tausend achtzehn eine Stelle als Stationsleitung dort in der Gerontozichiatri übernommen.

00:03:06: Ja, und mittlerweile bin ich dann einmal von den Ältesten zu den Jüngsten quasi übergegangen.

00:03:11: Naja...und befinde mich jetzt seit fünf Jahren in der LVR-Klinik in Viersen.

00:03:16: Noch mal zurück da zum Jahr zwölf!

00:03:17: Wieso hast du dich denn eigentlich für die Gerontopsychiatrie entschieden?

00:03:22: Ich fand es tatsächlich für mich damals nach dem Examen so wertvoll dass sich somatische aber auch psychiatrische Erkrankungen miteinander verbinden konnte.

00:03:32: Spannende Gedanke auf jeden Fall.

00:03:33: Du hast dann gerade schon gesagt, dass du die Stelle als Stationsleitung übernommen hast.

00:03:38: Du warst damals an der LVR Akademie in Solingen eine Weiterbildung zur pflegerischen Leitung gemacht noch während der Weiterbildung.

00:03:46: Hast du aber ein Studium begonnen?

00:03:49: Das war irgendwie auch so zweigleisig.

00:03:51: Warum genau?

00:03:53: Ja, genau.

00:03:53: Also was heißt zweigleich sich?

00:03:55: Das war mehr oder minder so zum Ende hin der Weiterbildung, dass ich für mich gemerkt habe Ich würde gerne tatsächlich nochmal ein bisschen mehr Inhalt oder mich noch weiter weiterbilden und in Richtung Pflegedienstleitung gehen Und deswegen hab' ich dann halt, na ich sag mal für Moment lang sozusagen beides parallel gemacht

00:04:17: Der Vorständigkeit halber.

00:04:18: dein Studium heißt hieß Pflegemanagement und zwar im Bachelor an der katholischen Hochschule in Köln.

00:04:26: Richtig, genau!

00:04:28: Ich habe aber sowieso das Gefühl, wenn ich mir deinen Lebenslauf so anschaue dass da immer verschiedene Wege gleichzeitig gegangen werden.

00:04:34: Auch wenn sie natürlich Hand in Hand funktionieren.

00:04:36: also du hast jetzt nicht IT und gleichzeitig Pflegemanagement studiert oder so sondern es war irgendwie alles immer im selben Bereich.

00:04:42: Du bist damals dann nach Viersen gegangen In die Pflegedirektion an der Kinder- und Jugendpsychiatrie Und war's zu der Zeit Aber eigentlich auch noch in einem anderen Programm fit für die PDL, fit für Pflegedirektion.

00:04:55: Das gibt es so heute gar nicht mehr, das ist aufgegangen in einem Führungskräftekurikulum.

00:04:59: aber wie anstrengend war das alles so gleichzeitig zu machen?

00:05:03: Also erstmal möchte ich's ganz gerne einmal korrigieren weil das heißt fit für den Pflegendienst Leitung und nicht fit für eine Pflegedirektion.

00:05:10: also der Pflegedirektor ist mein Chef.

00:05:11: das wollen wir jetzt ja eben hier

00:05:13: nochmal einmal klarstellen.

00:05:14: Okay ein kleiner Blick in die Zukunft!

00:05:20: Näh klar natürlich Da hast du vollkommen recht.

00:05:23: Aber wie anstrengend war das, das gleichzeitig zu machen?

00:05:25: Ja also klar!

00:05:26: Wenn ich zurück denke sicherlich gab es tatsächlich da auch wirklich manche Situationen oder auch Tage die schon belastend oder herausfordernd waren gerade so den Job die Weiterbildung oder der Studium parallel zu machen und alles irgendwie unter einen Hut zu bringen.

00:05:42: Das bedarf doch schon irgendwie... ja die ein oder anderen organisatorischen Fähigkeiten und ich glaube auch, dass ich schon das eine oder andere Mal so an meine Grenze gekommen bin.

00:05:52: Aber gleichzeitig dadurch, dass sich einfach wusste wofür ich das mache und mich die Inhalte auch einfach total interessiert haben war das für mich wichtig damit einfach den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen.

00:06:04: Und dadurch, daß ich auch einfach unglaublich tolle Kollegen und ein gutes privates Umfeld so hatte war das vielleicht auch manchmal durch den Rückhalt von all denen gar nicht mehr so belastend wirkt, sag ich einfach mal.

00:06:20: Und trotzdem wenn man ja nicht so einen inneren Antrieb hatte und weiß wofür man es macht dann ist schwierig ein Pensum durchzuziehen?

00:06:27: Was ist denn was dich so antreibt?

00:06:31: Also ich glaube was mich antreibt ist tatsächlich meine Zielstrebigkeit der Wunsch mich immer weiter zu entwickeln und zu reflektieren.

00:06:40: Ich sage immer Stillstand ist Rückschritt!

00:06:43: Ja, mir ist es wichtig, mich immer State of the Art quasi immer weiterzubilden.

00:06:48: Und abgesehen von dieser persönlichen Entwicklung was bedeutet dir dieser Bereich Pflege?

00:06:56: Also was bedeutet mir der Bereich Pflege?

00:06:58: Pflege ist ein unglaublich... Toller Job, wie ich finde.

00:07:03: Der ganz viel erreichen kann und sicher auch in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt hat.

00:07:08: Und ich finde Pflege je nachdem im welchen Bereich und auch gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Kann so unglaublich viel bewirken und ja kann auch einfach sehen Wie viele Entwicklungsschritte die Patienten gehen?

00:07:22: Ich glaube gerade Pflege oder der Pflege- und Erziehungsdienst ist da so unglaubliche hilfreich.

00:07:29: Wir springen nochmal zurück in dein Lebenslauf.

00:07:31: Du hast dann noch einen Master gemacht, in Supervision und Coaching?

00:07:35: Wie passt das denn ins Bild?

00:07:37: Naja gut also ich habe im Vorfeld natürlich wenn man überlegt Pflegemanagement, Weiterbildungsverstationsleitung oder fit für die PDL, dann war das ja alles sehr managementlastig oder sehr führungslastig.

00:07:51: Gerade die Pflegedienstleitung alleine, das ist natürlich nicht nur Management an sich sondern das bedeutet auch gerade seine Stationsleitungen zu begleiten und beraten aber auch nochmal kommunikative Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

00:08:08: Sag ich, passt das da unglaublich gut rein?

00:08:10: Weil ich total viele Methoden gelernt habe oder jetzt auch so einen großen Blumenstrauß hab.

00:08:15: An Methoden die ich auch noch meinem Alltag ganz anders einbringen kann als ich das früher so für mich hatte.

00:08:20: also für mich war das eher so'n Puzzleteil um das Puzzle zu vervollständigen.

00:08:26: Hast du das Gefühl du verstehst die Menschen jetzt besser mit denen du zusammenarbeitest?

00:08:32: Ja ich würde sagen besser beziehungsweise vielleicht anders weil ich nochmal anderen Blick habe, also das Studium in Supervision und Coaching war sehr systemisch geprägt.

00:08:42: Und auch die Klinik hier ist sehr systemische geprägte.

00:08:45: Ich glaube ich hab einen anderen Blick auf die Dinge bekommen.

00:08:50: Jetzt schließen wir deinen Lebenslauf ab.

00:08:51: Du hast noch einen IHK-Kurs gemacht, Fachkraft für Diversity Management.

00:08:56: auch in dem Bereich arbeitest du als Integrationsbeauftragte im LVR.

00:09:00: Das vertiefen wir an dieser Stelle heute hier nicht weiter.

00:09:02: Wenn euch dieses Thema Diversity Management interessiert dann hört einfach die letzte Folge nochmal mit Francesco Pollen.

00:09:09: diesen Thema haben wir nämlich eine ganze Folge gewidmet.

00:09:11: Wir wollen heute über multiprofessionelle Zusammenarbeit sprechen, aber bevor wir damit starten gibt es in diesem Podcast einen Ritual was wir auf jeden Fall durchführen müssen unsere Schnellfrage-Runde.

00:09:22: Du hast jetzt die Aufgabe so schnell und zu kurz wie möglich auf drei Fragen zu antworten, die ich dir stelle Ester bist du bereit?

00:09:29: Jawoll!

00:09:30: Also ich bin mir sicher du bringst viele Stärken mit Aber welche hilft dir in deinem Job am meisten?

00:09:36: Das ist meine organisierte und strukturierte Arbeitsweise, meine Reflexionsfähigkeit.

00:09:42: Frage zwei – was bedeutet gute Zusammenarbeit für dich?

00:09:45: in einem Wort?

00:09:46: Verlässlichkeit!

00:09:48: Und die dritte Frage – Was bedeutet Wertschätzung für dich im Arbeitsalltag?

00:09:53: Den Menschen in seiner Individualität zu sehen.

00:09:56: Bester ich habe das vorhin schon kurz anklingen lassen.

00:09:57: bei euch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es wie in vielen anderen Bereichen auch etliche Professionen, die zusammenarbeiten.

00:10:04: welche sind das denn genau bei euch

00:10:06: Im Pflege- und Erziehungsdienst, so nennen wir ihn immer.

00:10:09: Da arbeiten wir zusammen mit Pflegefachpersonenerzieherinnen, Heilerziehungspflegerin, Krankenpflegehelferin oder Kindheitspädagogin aber das alleine sind natürlich nicht die einzigen Berufsgruppen.

00:10:24: also auf den Stationen werden die Teams natürlich noch unterstützt von Psychologin, Ärztin, SozialarbeiterInnen und Fachtherapeutin.

00:10:32: Und jede Berufsgruppe bringt dadurch natürlich auch so eine eigene fachliche Perspektive mit

00:10:38: ein.".

00:10:39: Das klingt erstmal wahnsinnig viel!

00:10:41: Magst du mal erklären, wie Patientinnen von dieser Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen erzielen, Heileziehungspfleger profitieren können?

00:10:50: Jede Berufsgruppe bringt ihr eigenes – ich würde mal in Anführungszeichen sagen – Erklärungsmodell auch mit sich.

00:10:57: Also die Pflege, die ist ja tatsächlich so sehr nah am Patienten und am Alltag.

00:11:02: Der erlebt noch mal anders Krisen oder emotionale Schwankungen und Dynamiken in der Gruppe.

00:11:07: Die pädagogischen Berufsgruppen bringen aber... ganz oft noch mal einen anderen Zugang mit sich.

00:11:12: Also die schauen viel stärker auf Entwicklung, die ja schauen viel strecker auf die Ressourcen und darauf dass ein junger Mensch auch einfach wieder handlungsfähig sein kann.

00:11:23: Und ich glaube gerade in dieser Kombination kann einfach etwas ganz Wertvolles entstehen.

00:11:28: also... Ja das heißt Das Verhalten wird dadurch ja auch irgendwie nicht nur beobachtet, sondern durch diese verschiedenen Perspektiven die dann zusammenkommen kann halt auch so ein echtes Verständnis für die Patienten entstehen.

00:11:42: Und ich finde ganz wichtig bei der Sache ist halt das nicht dass eine Erklärungsmodelle oder die eine Perspektive irgendwie recht hat, sondern dass es darum geht halt die bestmögliche Perspektiv einfach zusammenzubringen.

00:11:55: Viele Leute kennen das wenn sie zum Hausarzt gehen, zum Zahnarzt.

00:11:59: Dann ist halt immer das Ding dass eine Person der vertraut man sich an mit seinem Problem und dann gibt es da eine Behandlung.

00:12:05: wie beeinflusst die Gesamtbehandlung eben die Tatsache dass so viele leute sind?

00:12:10: das muss ja auch organisiert werden.

00:12:12: oder wählt ihr dann immer aus je nachdem welcher Fall das ist wer vielleicht jetzt am besten geeignet ist um so ne erste Ansprechpartner oder Partner zu sein?

00:12:23: Ja, also tatsächlich arbeiten wir auf den Stationen im Bezugspflegesystem und da ist es schon so dass wir auch gerade nochmal schauen wer passt sehr gut zu dem Patienten oder wer bringt ja vielleicht auch welche fachliche Perspektive mit.

00:12:39: Gerade wenn's vielleicht sehr herausfordernde Patienten sind dann schauen wir schon das das erfahrene Kollegen sind oder Kollegen mit einem entsprechenden fachlichen Background die dann natürlich deutlich mehr den Patienten behandeln oder betreuen.

00:12:59: Warum ist denn genau die Mischung aus pflegirischen und pädagogischen Perspektiven so wichtig an der Stelle?

00:13:06: Ja, also ich glaube tatsächlich dadurch dass wir in der Kinder- und Jugendpsychiatrie einfach so unglaublich komplexe Situationen teilweise haben, würde sich das auch nicht aus einer Fachrichtung heraus ausreichend erklären lassen.

00:13:20: Also da wird es nicht reichen wenn wir wirklich nur so die pädagogische Perspektive haben oder nur die pflegerische Perspective.

00:13:28: also zum Beispiel naja aus flegerischer Sicht kann ein Verhalten ja manchmal einfach irgendwie als Symptom verstanden werden und pädagogische Perspektive, die fragt vielleicht irgendwie viel stärker danach was das Verhalten eigentlich gerade bedeutet oder welche Bedeutung das Veralten grade auch für die Entwicklung hat.

00:13:50: Welche Funktionen das Ver halten aber auch gerade im sozialen Kontext hat.

00:13:54: und gerade dann wenn beides zusammengebracht werden kann, kann eigentlich auch erst so ein umfassendes Verständnis entstehen.

00:14:02: Ich kann mir richtig vorstellen, wie dadurch so ein ganz eng marschiges Netz halt gewebt wird.

00:14:07: Die einen gucken auf der einen Seite etwas mehr, dass da nichts durch das Raster fällt und die anderen halt auf der anderen Seite und insgesamt hat man dann eine ganz umfassenden Blicke.

00:14:16: aber Das muss man als Team ja auch erst mal organisieren.

00:14:20: Wie funktioniert es denn ganz praktisch?

00:14:21: Dass hier diese vielen verschiedenen Ansichten und Blickwinkel dann letztendlich zu einem Gesamtbild zusammenwebt?

00:14:28: Ja Also auf den Stationen haben wir mindestens einmal die Woche immer eine multiprofessionelle Teambesprechung.

00:14:35: Da kommen dann auch alle Berufsgruppen zusammen, die an den Patienten oder mit den Patienten zusammenarbeiten und ja da wird sich Perspektive auch immer wieder ausgetauscht, damit dann hinterher ein Gesamtbild vom Patienten auch wirklich entstehen kann und die bestmögliche Behandlung dadurch gewährleistet wird.

00:14:55: Also das ist ein Baustein.

00:14:58: Ein anderer Bausteine ist aber tatsächlich in all dem auch noch regelmäßig stattfindende Pflegeteams oder auch Team- oder Konzepttage.

00:15:07: Gerade ist es wirklich wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen auf Station sich auch nochmal aus dem Alltag rausziehen können.

00:15:13: Und wirklich ja in dem Fall noch mal sich über Konzepte austauschen können, über Strukturen, über Prozesse oder auch über Team-Dynamiken – das ist dann tatsächlich ja auch sehr, sehr wertvoll!

00:15:27: Und neben diesen Formaten aber natürlich Der informelle Austausch, der natürlich auch immer gegeben sein muss.

00:15:34: Weil es reicht natürlich nicht nur aus dass das multiprofessionelle Team sich einmal die Woche zusammensetzt weil natürlich auch an den Tagen und zwischendurch immer nochmal Situationen passieren die einfach bewusst ausgetauscht werden müssen.

00:15:50: Was auch noch wichtig ist, sind Träume zu schaffen um Reflexion möglich zu machen.

00:15:55: Also gerade Supervisionen auf den Stationen gewährleisten zu können.

00:15:59: ja also ich würde mal sagen das sind so die Grund oder die Grundbausteine der guten Struktur- oder Organisation der Zusammenarbeit.

00:16:10: Ja

00:16:11: Also ich kann mir richtig gut vorstellen, wenn alle Leute quasi eine selbe Sichtweise haben und sich das gegenseitig ergänzt.

00:16:20: Dass es dann total gut funktioniert, wenn einer einem vielleicht was erklären kann aus seiner Sicht und sagt habe ich auch beobachtet jetzt weiß ich wie's funktioniert oder halt auch andersrum.

00:16:28: aber wie moderiert man das Ganze?

00:16:30: Wenn vielleicht mal die Ansichten deutungsweisen in unterschiedliche Richtungen gehen das ist bestimmt auch gar nicht so einfach oder

00:16:38: Ja, aber das ist tatsächlich auch gar nicht schlecht.

00:16:40: Also es ist tatsächlich gut wenn's unterschiedliche Sichtweisen gibt und natürlich ist das sicherlich auch herausfordernd dass dann gerade in den Teams durch die Stationszeitung oder Oberärzt oder therapeutische Leitung dann halt auch zu moderieren.

00:16:55: Aber tatsächlich kann ja dadurch dass diese unterschiedlichen Perspektiven und Sichtweisen eingebracht werden ja eigentlich nur das bestmögliche entstehen weil Gerade dann findet ja nochmal eine Entscheidungsgrundlage oder vielleicht auch eine Zielsetzung für den Patienten, statt der vielleicht wenn es nur eine Sichtweise gegeben hätte so gar nicht in den Fokus geraten wäre.

00:17:18: Ja absolut also klar natürlich auch bei einer Sichtweise kann ja was fehlen.

00:17:22: letztendlich und trotzdem man muss ja letztendig dann auch entscheiden wie man jetzt behandelt.

00:17:27: und eine sagt lieber so und andere sagt lieber Irgendwo habt ihr da eine Routine, wie ihr sagt so kommen wir zu einem Ergebnis.

00:17:35: Gibt es sowas?

00:17:37: Oder ist Einzelfall abhängig?

00:17:39: Also ich würde schon sagen das ist Einselfallabhängig.

00:17:42: also es gibt aber tatsächlich auch Fälle oder Situationen gerade in den multiprofessionellen Teambesprechungen wo natürlich auch gerade Perspektiven oder ja Sichtweisen dann wirklich so weit eingebracht werden, dass es vielleicht auch manchmal den Rahmen sprengt.

00:17:59: und ja dann nutzen die Teams ganz gerne das Time-Boxing.

00:18:04: Also die stellen sich dann tatsächlich weg und sagen okay wir müssen jetzt hier in fünf Minuten einmal ganz klar durchgehen und danach im Bestfall auch tatsächlich für uns eine Entscheidung getroffen haben wie's weitergeht oder nicht weiter geht.

00:18:15: Ja also manchmal muss es begrenzt werden.

00:18:18: Das eine, was es für so eine Zusammenarbeit braucht ist natürlich die fachliche Expertise.

00:18:23: Dann braucht man aber auch noch eine soziale Expertise um so zusammenzuarbeiten in einem Team.

00:18:29: Welche Kompetenzen braucht das denn dass die Menschen bei euch in dem Team so funktionieren?

00:18:36: Nenn's jetzt mal bewusstso weil das ja Rad in Rat alles ineinander greifen muss

00:18:40: Genau.

00:18:41: Ich glaube, das ist das was du sagst.

00:18:42: also es braucht einmal tatsächlich diese fachlichen Kompetenzen auf jeden Fall wobei ich finde tatsächlich auch gerade wenn man frisch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vielleicht anfängt dann brauchest die fachliche Kompetenz gar nicht zwingt weil die ist natürlich auch in dem fall immer noch erlernbar grad durch fort oder weiter Bildung.

00:19:00: aber ja wie du grade schon gesagt hast so eine persönliche Ebene oder eine persönlicher Haltung die ist einfach auch total wichtig wenn dich sogar genauso entscheidend, finde ich.

00:19:12: Also man braucht wirklich eine hohe Beziehungsfähigkeit in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen um einfach gerade so in den Kontakt zu kommen, um Vertrauen aufzubauen.

00:19:22: aber es ist auch wichtig in schwierigen Situationen präsent zu sein und Geduld ist auf jeden Fall auch wichtig als Kompetenz die man mitbringen sollte genauso wie emotionale Stabilität Aber auch eine gewisse Ambiguitätstoleranz.

00:19:38: Weil es natürlich immer wieder so ist, dass bei uns Widersprüche ausgehalten werden müssen oder Unsicherheiten ausgehalten sind.

00:19:46: Ich glaube das ist ganz wichtig!

00:19:49: Ja, diese Kommunikationsfähigkeit und die Möglichkeit auf andere Menschen einzugehen.

00:19:52: Das ist natürlich dann im Patient in Kontakt wichtig und das hilft letztendlich auch wenn es darum geht, im Team gut zusammen zu arbeiten.

00:20:02: Wie wichtig ist das für euch?

00:20:04: Wenn's darum geht neue Personen einzustellen Ist das vielleicht sogar fast wichtiger als die fachliche Expertise.

00:20:10: Dass man denkt dass passt hier ganz gut ins team.

00:20:11: alles andere kann man schon noch lernen.

00:20:15: ja tatsächlich.

00:20:16: Also, zumindest für mich persönlich muss ich sagen spielt die persönliche Haltung doch eine ganz große Rolle.

00:20:27: Ich glaube wenn die persönlichen Haltungen auch einfach stimmt ja wie gesagt dann ist die fachliche Kompetenz oder die fache Expertise erst mal zweitrangig weil wie gesagt dies erlernbar

00:20:40: Wenn wir jetzt mal von der anderen Seite blicken, wir haben jetzt aus eurer Sicht gesprochen.

00:20:45: Aus der Leitungssicht und aus der Klinikssicht auf die ganze Art und Weise wieder gearbeitet wird.

00:20:51: Wenn wir auf der anderen seite mal schauen aus Patientinnsicht was macht für dich eine gute Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aus?

00:21:00: Wie ist das für die Menschen, die dann da sind und behandelt werden?

00:21:04: Eine gute Be Handlung in einer Kinder- oder Jugendpsychatrie ist für mich auf jeden Fall... dann gut, wenn sie tatsächlich individuell geschieht.

00:21:13: Also wenn wir nicht nur auf Symptome schauen sondern wirklich versuchen zu verstehen was hinter dem Verhalten des Kindes oder auch das Jugendlichen steckt.

00:21:23: und ja ich glaube eine ganz oder ein ganz zentraler Punkt ist da tatsächlich auch einfach die Beziehung.

00:21:31: Also wenn es gelingt, eine tragfähige vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen dann ist das schon mal ein ganz wichtiger und erster Schritt.

00:21:39: und ja dann natürlich auch ein gemeinsames Verständnis im Team also dass alle wirklich eine ähnliche Idee davon haben was gerade passiert oder was das Kind oder der Jugendliche auch einfach braucht.

00:21:53: und ich finde dann geht's darum gute Behandlung so zu gestalten, dass die auch wirklich im Alltag ankommt.

00:22:01: Also ich finde tatsächlich eine gute Be Handlung bedeutet nicht immer nur das am Ende wirklich jedes Problem einfach gelöst ist sondern manchmal geht es einfach nur darum auch einem Kind oder einem Jugendlichen wieder ja ich sage mal kleine Schritte zu ermöglichen oder einfach Stabilität zu schaffen oder neue Perspektiven zu öffnen.

00:22:21: Ja also Gute Behandlungen bedeuteten Menschen wirklich zu verstehen und nicht das Verhalten nur verändern zu wollen.

00:22:29: Ja, ist vielleicht einer der größten Vorteile von so ner multiprofessionellen Zusammenarbeit dadurch dass man aus vielen verschiedenen Sichtweisen guckt, dass am Ende wirklich eine individuelle Behandlung dabei rauskommt und eben keine Schubladenbehandlung wo man Variante A bis D hat und in irgendeine muss es schon reinpassen?

00:22:48: Genau genau so ist es.

00:22:49: also das ist wunderbar zusammengefasst.

00:22:52: Was würdest du jemandem sagen, der jetzt gerade denkt, ich finde es total spannend diesen ganzen Bereich Kinder, Jugend und Psychiatrie.

00:22:58: Was würdest du jemanden sagen?

00:23:00: Der denkt, ja möchte ich auch gerne arbeiten was muss diese Person mitbringen beziehungsweise wie kann sie rausfinden ob sie bei euch richtig ist?

00:23:10: Ja also ich würde demjenigen glaube ich sagen wenn du gerne mit Menschen zusammenarbeitest.

00:23:16: Wenn du bereit bist, dich auf komplexe Situationen einzulassen dann ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie ein unglaublich spannender und erfüllender Bereich.

00:23:27: aber was ich immer wichtig finde auch zu sagen ist das es halt kein einfacher Bereich ist.

00:23:33: also deswegen ist es wichtig wenn jemand sich für den Bereich interessiert dass er auch eine gewisse Stabilität mitbringt und die Bereitschaft hat sich selbst zu reflektieren und weiterzuentwickeln, weil wenn man sich dann darauf einlässt, dann gibt der Bereich einem auch einfach unglaublich viel zurück.

00:23:53: Weil man direkt auch Entwicklung miterleben kann.

00:23:56: Und ich würde sagen, wenn du neugierig bist, offen bist für unterschiedliche Perspektiven bereit bist dich weiterzu entwickeln, dann lohnt es sich den Bereich kennenzulernen!

00:24:09: Es hat wir ja mit sehr viel über andere Leute gesprochen, die bei euch an der Klinik arbeiten.

00:24:13: Lass mal über dich sprechen!

00:24:14: Wie ist denn deine Rolle in diesem ganzen Team eigentlich?

00:24:19: Ja wie ist meine Rolle?

00:24:20: also ich als Pflegedienstleitung bin ich zusammen mit meiner dualen Leitung, also der Chefärztin verantwortlich dafür dass in der Kinder- und Jugendzüge oder das die Kinder-und-Jugendpsychiatrie die Abteilung drei bei uns Ja, ich sag mal so gestaltet ist dass unsere Mitarbeiter die bestmögliche Behandlung für die Patienten gewährleisten können.

00:24:45: Du hast vorhin über Räume gesprochen wo es darum geht das Menschen sich austauschen können über bestimmte Diagnosen über Behandlungen und so schaffst du genau diese Räime?

00:24:57: Also das Schaffen von diesen Reflexionsräumen ist zumindest, ich sag mal sicherlich mit eine meiner Aufgaben.

00:25:04: Das Schaffen vom Rahmenbedingungen sehe ich schon als eine meiner Grundaufgaben.

00:25:10: Also Rahmenbedehungen schaffen damit die bestmögliche Behandlung einfach erfolgen kann und ja die Kolleginnen und Kollegen auf Station wirklich dadurch einen qualitativ hochwertigen Job machen können.

00:25:22: Du alle Leitung war gerade schon so ein Stichwort?

00:25:24: Warum gibt es sie bei euch im?

00:25:25: Wie funktioniert das genau?

00:25:26: Ja, also das Modell der dualen Leitung bedeutet im Grunde dass wir eine ärztliche Leitung haben die vor allem ja diese Sicht der medizinisch-therapeutischen Perspektive einbringt.

00:25:38: Also für die Diagnostik, Therapieplanung und zuständig ist sozusagen und schlussendlich aber auch immer letztverantwortlich für den Behandlungsprozess ist.

00:25:49: Und die pflegerische Leitung ich als Pflegedienst leitung bin für die organisatorischen Prozesse, die Personalführung im Pflege- und Erziehungsdienst zuständig sowie halt das was ich gerade gesagt habe.

00:26:01: Die Gestaltung oder die Alltagsgestaltung auf den Stationen oder da schaffen von Rahmenbedingungen.

00:26:07: Und durch diese beiden Oder durch dieses Modell der dualen Leitung schaffen wir es auch wieder verschiedene Perspektiven zusammenzubringen.

00:26:17: Das wirkt sich dann halt im Endeffekt auch auf die Qualität der Versorgung aus.

00:26:22: Was ganz wichtig ist, dass die duale Leitung nicht bedeutet, dass meine Chefärztin das eine macht und ich mache das andere.

00:26:29: Sondern das bedeutet im Grunde, dass wir eine geteilte Verantwortung für unsere Abteilung

00:26:34: haben.".

00:26:35: Ja!

00:26:36: Wie viel macht ihr denn eigentlich zusammen?

00:26:38: Also seht ihr euch so jeden Tag und sprecht ganz kurz durch.

00:26:41: Du machst das, du machst das und passt das irgendwie... Zusammen geht es in eine ähnliche Richtung wenn auch aus zwei verschiedenen Sichtweisen.

00:26:47: Also, das ist tatsächlich ganz unterschiedlich.

00:26:49: Wir haben feste Jewer Fix-Termine für uns also wir sehen uns mindestens einmal die Woche wobei es in der Regel eigentlich deutlich öfter ist dass wir vielleicht nochmal eben miteinander telefonieren und austauschen.

00:27:02: Es gibt Wochen da sehen wir uns fast jeden Tag Und es gibt Wochen Da reduzieren wir es ich sage mal ein Anführungszeichen wirklich nur auf unsere festgelegten Termine, das kommt natürlich auch immer so ein bisschen drauf an was gerade in der Abteilung los ist.

00:27:17: Aber der Austausch und ja.

00:27:21: oder also der Austausch ist uns beiden schon extrem wichtig weil man muss ja auch einfach sagen wenn wir nicht auf dem gleichen Wissenstand sind dann haben wir natürlich auch ja in unserer Arbeit irgendwie so eine Differenz drin keine guten Entscheidungen treffen oder auch alleine nicht, weil wir dadurch das für uns natürlich immer wieder austauschen wissen.

00:27:47: okay was würde sich der andere gerade wünschen welche Entscheidung ich jetzt treffen sollte.

00:27:51: Das ist natürlich immer wenn man zu zweit ist, man muss sich irgendwie mehr absprechen als wenn man allein ist.

00:27:55: Gibt es da irgendwie andere Stellen an denen das manchmal schwierig ist dass man zuzweit ist?

00:27:58: Oder würdest du sagen ne, das ist eine super Aufteilung!

00:28:01: Weil vielleicht versteht die eine von dem Bereich weniger und die andere vom anderen Bereich und das macht total viel Sinn.

00:28:09: Ja, genau.

00:28:10: Also im Grunde macht das tatsächlich total viel Sinn und sicherlich ist es auch so dass diese unterschiedlichen Sichtweisen ja aus unseren Professionen heraus auch schon mal... naja ich möchte nicht sagen Reibung erzeugen aber natürlich auch schon Mal vielleicht eine Grundlage einer anderen Entscheidung wäre.

00:28:29: Aber im Grundes ist es dadurch dass wir uns einfach soviel austauschen sodass da auch immer eine gute gemeinsame Haltung entwickeln können.

00:28:37: Und ich glaube, das ist tatsächlich für die Mitarbeiter ganz wichtig.

00:28:40: Also dass sie wissen, dass wir beide an einem Strang ziehen und für die Abteilung in die gleiche Richtung denken.

00:28:48: Wie häufig kommt es denn vor?

00:28:49: Dass man dann abends da so sitzt und denkt Mensch wenn wir das jetzt nicht gehabt hätten, wenn wir nicht darüber gesprochen hätten, wäre die Entscheidung vielleicht von deiner Seite aus ganz anders gefallen, hättest du was ganz anderes gemacht.

00:29:00: Ist das häufiger bei euch der Fall, dass das dann so ein Korrektiv ist?

00:29:05: Ja also ich glaube schon, dass es so eine Korrektivfunktion ist in der dualen Leitung zusammen.

00:29:11: Aber ja also ich würde jetzt nicht sagen das es tatsächlich so ist, dass wir deutlich auseinander gehen würden in unseren Entscheidungsfindungen.

00:29:21: Also dadurch haben wir ja tatsächlich auch in den letzten fünf Jahren uns doch irgendwie...

00:29:29: Zusammen gearbeitet.

00:29:29: Genau sind wir sehr zusammengewachsen genau!

00:29:34: Die Pflege ist ja ein Bereich, der in den nächsten Jahrzehnten boomen wird.

00:29:37: Wir haben eine Gesellschaft die immer älter wird.

00:29:41: das ist jetzt für die Kinder und Jugendpsychiatrie kein großes Kriterium aber trotzdem pflege es einen bereich der vermutlich nur größer werden wird über die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

00:29:51: Wie ist denn die Lage bei euch eigentlich vor Ort?

00:29:55: Was Personal anbelangt dass es schwierig Leute zu finden oder geht das gerade noch ganz gut?

00:30:01: Oder wie ist die situation

00:30:03: Also bei uns in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Lage tatsächlich sehr gut.

00:30:08: Da muss man eigentlich gerade mal einmal auf Holz klopfen, das... Machen

00:30:11: wir!

00:30:14: Tatsächlich ist es einfach noch ein Bereich, der total attraktiv ist und dadurch dass wir natürlich auch unterschiedliche Berufsgruppen einstellen können Heilerziehungspfleger, Erzieherinnen und ja Pflegefachpersonen oder auch Kindheitspädagogen einstellen können.

00:30:32: Da haben wir natürlich eine Vielfalt auf die wir zurückgreifen können.

00:30:35: das ist so.

00:30:36: Trotzdem mal die Frage weil du natürlich auch Einblicke hast durch deine Karriere in andere Bereiche was kann den Beruf Pfleger-Pflegerin auf lange Sicht attraktiv machen?

00:30:46: Was braucht es da?

00:30:48: also?

00:30:48: Ich glaube, wenn ich darüber nachdenke was es auf lange Sicht attraktiv macht dann ist das die Pflege tatsächlich noch eine größere Stimme bekommen sollte.

00:30:56: Also dass wir mehr Gestaltungsspielräume bekommen sollten ja dass die Pflege tatsächlich irgendwie mitwirken kann an der Gestaltung von Rahmenbedingungen.

00:31:07: ist tatsächlich ganz wichtig.

00:31:09: und ich glaube, ein weiterer Aspekt ist auch das die Pflege sich natürlich irgendwie fachlich auch noch deutlich weiter entwickeln sollte.

00:31:17: Also dass man in der Pflege die Möglichkeit hat einfach unterschiedliche Wege zu gehen.

00:31:22: In welche Richtung kann sich Pflege denn entwickeln?

00:31:26: Pflege kann sich tatsächlich in viele Richtungen entwickeln.

00:31:28: Gerade natürlich, wenn wir jetzt darüber nachdenken welche Fort- oder Weiterbildungsangebote es gibt dann gibt's auf der einen Seite auch wirklich das Studium gerade in pflegewissenschaften oder gerade auch im Management wo halt einfach nochmal deutlich gezielterer Fokus gesetzt werden kann auf das wissenschaftliche Arbeiten, um gezielt Pflegefachexperten beispielsweise bei uns im Alltag einzusetzen.

00:31:57: Aber natürlich kann Pflege sich auch weiterentwickeln, beispielsweise in der Weiterbildung zum Fachkrankenpfleger für psychische Gesundheit.

00:32:06: Ja das sind meistens dann tatsächlich die Leute, die wirklich super gerne oder auch besonders stark im Kontakt mit den Patienten sind.

00:32:14: Wir haben aber auch Mitarbeiter auf den oder Mitarbeitenden auf den Stationen, die beispielsweise sich zu Problematrainern weitergebildet haben.

00:32:23: also es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, sich fortunter weiterzubilden auch in der Pflege.

00:32:30: Ja am zwölften Mai das war letzten Monat und da wird jedes Jahr der Tag der Pflegenden gefeiert.

00:32:37: Das geht zurück auf den Geburtstag von Florence Nightingale die als Begründerin der modernen Pflege gilt.

00:32:42: Nun ist sie in London gestorben.

00:32:44: aber die Pflege hat sich natürlich über die letzten hundertfünfzig Jahre nochmal extrem verändert.

00:32:49: wir haben es gerade dem Blick in die Zukunft gehabt Einmal kurz den Blick in die Vergangenheit.

00:32:53: Was hat sich in diesen Hundertfünfzig Jahren getan?

00:32:56: Also, was haben Florence Nightingale auch mit der Pflege gemacht?

00:33:01: Ja, also Florence Nightingale hat ja damals tatsächlich mit als erste Frau sozusagen professionelle Pflegestandards etabliert und hat auf ihrer Erfahrung hin ein basiertes Ausbildungssystem so entwickelt.

00:33:16: Und er hat damit die Pflege revolutioniert.

00:33:18: Und seitdem was sich weiterentwickelt hat ist einfach das die Pflege heutzutage natürlich auch einfach hochkomplex ist.

00:33:26: Also wir arbeiten mittlerweile mit Hochkomplexen, Krankheitsbildern und interdisziplinären Teams und natürlich auch in einem System was sich irgendwie ständig verändert.

00:33:35: und ja ein wichtiger Schritt in der Entwicklung oder mit dem was ich getan hat sind einfach Pflegetheorien, die beispielsweise das pflegerische Handeln nicht nur beschreiben sondern auch einfach fachlich mittlerweile begründen können und es gab's tatsächlich früher so nicht.

00:33:51: Also mittlerweile gibt's beispielsweise Pflegeteorien die Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten als zentralen Wirkfaktor einfach beschreiben.

00:34:02: und also Pflege ist natürlich auch längst nicht mehr und besonders auch in der Psychiatrie nicht nur eine begleitende... Oder hat nicht nur begleitende Aufgaben, sondern ist wirklich aktiv in der Gestaltung der Behandlung involviert.

00:34:18: Bei all dem was du jetzt gerade aufgezählt hast hier in den letzten Minuten haben wir alle glaube ich das Gefühl bekommen es ist einfach wahnsinnig komplex dieser ganze Bereichpflege Und ich habe jetzt gerade auch das Gefühl, dass eben diese Wertschätzung die häufig genannt wird.

00:34:34: Dass die an ganz vielen Stellen einfach nicht ankommt.

00:34:37: Spiegeln dir das die Mitarbeitenden?

00:34:38: Auch also jetzt nicht von der Klinik an sich sondern von der Gesellschaft.

00:34:44: und wie groß ist das Thema?

00:34:46: Nagt das an den Leuten?

00:34:48: Ja!

00:34:49: Also ich würde tatsächlich schon sagen, dass das an dem Leuten nagt.

00:34:53: Das ist was, was ich immer wieder so zurückgespiegelt bekomme.

00:34:58: Dabei ist es tatsächlich einfach ein so toller und wertvoller Job.

00:35:03: Und das ist tatsächlich irgendwie so ein bisschen trauriger.

00:35:05: auch daran, also ich finde die Leute, die den Job ausüben in der Regel und gerade bei uns in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind auch irgendwie dankbar diesen Job zu haben.

00:35:16: Trotz alledem ist er in der Gesellschaft sicherlich nicht so anerkannt wie wir uns das wünschen würden.

00:35:23: Ja!

00:35:24: Es gibt diesen Tag der Pfleger, habe ich gerade schon gesagt.

00:35:26: Der kommt dann einmal im Jahr.

00:35:28: aber irgendwie fühlt sich das grade für mich so ein bisschen wie bei dieser Kredit am Muttertag an, ne?

00:35:33: So nach dem Motto oder am Weltfrauentag wo man sagt, aber kann es jetzt nicht einen Tag im Jahr mal Danke sagen und die restlichen drei oder vierundsechzig Tage wird es einfach hingenommen dass man die Arbeit so gut und so selbstverständlich macht wie man sie immer macht.

00:35:46: Und ist das auch so'n Gefühl was dich bei euch in der Klinik breitmacht am Tag der pflegenden?

00:35:53: oder wie sieht dabei euch aus, wie wird er wahrgenommen?

00:35:58: Ja also der Tag der Pflege bei uns natürlich muss man sagen.

00:36:01: Es kann nicht sein dass eine Aktion sozusagen Wertschätzung für dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr liefert.

00:36:08: das geht natürlich nicht aber es ist ja trotzdem irgendwie so ein Symbol für die Leute um zu sagen wir sehen euch und wir geben an dem tag auch einfach was zurück weil als Pflegedienstleitung zusammen mit unserem Pflegedirektor.

00:36:22: Wir grillen Würstchen für die Leute, wir haben ein Eiswagen bestellt und freuen uns wenn wir in netten Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen kommen.

00:36:32: Und ich glaube dadurch können wir auch einfach einmal an einem Tag was zurückgeben.

00:36:37: aber natürlich müssen wir an den anderen dreihundert sechszig Tagen im Jahr genauso wertschätzend oder Wertschätzung zeigen und Haltung zeigen.

00:36:46: Ich finde, das ist ganz wichtig!

00:36:47: Und das zeigt sich natürlich gerade irgendwie auch in der Kommunikation mit unseren Mitarbeitern.

00:36:54: Und Wertschätzungen – grade im beruflichen Umfeld hat ja häufig auch was mit der Chance auf Weiterbildung zu tun.

00:36:59: also dass man sagt ich sehe dich an deinen Ambitionen in dem was du gerne machen möchtest.

00:37:04: warum ist die Weiterbildung gerade in der Pflege auch so wichtig?

00:37:07: Also ich glaube gerade dadurch Einfach in so einem sehr dynamischen Feld auch arbeiten, ist ja gerade Weiterbildung wirklich auch von zentraler Bedeutung.

00:37:18: Weil natürlich auch psychiatrische Erkrankungen sich weiter entwickeln.

00:37:21: also die entwickeln sich weiter gerade auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen oder mit Themen wie Social Media, Leistungsdruck der natürlich auch immer wieder da ist.

00:37:32: Mit Krisenerfahrung im Alltag und das hat natürlich alles direkten Einfluss auf die psychische Gesundheit und ich glaube natürlich auch Weiterbildung bietet natürlich auch Handlungssicherheit für die Kolleginnen und Kollegen.

00:37:47: Aufstation also gerade mit komplexen herausfordernden Situationen auf die richtig reagieren zu können und professionell eingehen zu können.

00:37:57: Was gibt es denn so für Fortbildungen beim FIR?

00:37:59: Ja, also wir bei uns in Viersen machen's tatsächlich immer so dass... Teams oder die Stationsweitung mit ihren Teams einmal im Jahr eine Qualifizierungsbedarfsanalyse durchführen.

00:38:10: Das heißt, die Teams schauen noch mal sehr speziell darauf.

00:38:13: was braucht eigentlich das Team gerade?

00:38:15: Antwort und Weiterbildungsmöglichkeiten?

00:38:17: Und bei mir im Bereich ist es tatsächlich eigentlich relativ oft der traumasensible Umgang in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

00:38:25: Alles was grade mit dem systemischen Arbeiten oder in der systemischen Behandlung zu tun hat... Fortbildung, die immer total gerne besucht werden.

00:38:35: Diäskalationstraining oder auch Umgang mit nazistischen Persönlichkeitsstörungen.

00:38:41: also das was natürlich auch gerade irgendwie zum Patienten-Clientel passt aber natürlich auch wie ich das wohin schon gesagt habe ein Studium in Pflegewissenschaft beispielsweise als ich glaube wir sind da vom LVR einfach unglaublich breit aufgestellt nicht nur Vener Klinik sondern natürlich auch mit der Akademie im langen Feld

00:39:01: Ja.

00:39:02: Und ich glaube, dass das richtige Wertschätzung ist für wenn man sagt, ich seh dich in deine Arbeit und ich möchte dich gerne unterstützen damit du sie noch besser machen kannst.

00:39:10: Unser Podcast Esther steht unter dem Motto sinnvoll in jeder Beziehung gerade als Pflegedienst Leitung bis zu vielen Menschen in Kontakt.

00:39:16: was es für dich denn sinnvoll sind all diesen Beziehungen?

00:39:19: Also sinnvoll an jeder Bezierung bedeutet für mich, dass die Arbeit auch auf mehreren Ebenen irgendwie Bedeutung hat oder Bedeutet trägt also ganz konkret natürlich für die Kinder und Jugendlichen, mit denen wir arbeiten.

00:39:34: Wenn wir das schaffen, dass sie sich verstanden fühlen wenn die wieder ein Stück Stabilität und Orientierung zurückgewinnen ich finde dann hat es so einen direkten und auch spürbaren Sinn.

00:39:44: und natürlich ja Sinn entsteht natürlich auch darin, dass wir an etwas mitwirken können also was irgendwie über diesen einzelnen Moment hinausgeht gerade in der Behandlung.

00:39:57: Für mich persönlich liegt der Sinn in meiner Arbeit eigentlich genau in diesem Zusammenspiel, also in Beziehung und in Entwicklung.

00:40:05: Und daran irgendwie etwas mitgestalten zu können.

00:40:08: Eine letzte Frage habe ich jetzt noch wenn du dir etwas für die Zukunft der Pflege wünschen könntest was wäre das?

00:40:14: Dann würde ich mir tatsächlich wünscht dass wir gute Rahmenbedingungen geschaffen bekommen Dass wir mehr Anerkennung finden Und das halt in der Wahrnehmung unserer Profession, also dass Pflege wirklich als das gesehen wird was sie ist.

00:40:29: Also als eine hochqualifizierte und eigenständige Fachdisziplin.

00:40:36: Das Pflege einfach aktiv mehr an Entscheidungen beteiligt wird.

00:40:41: Da machen wir ein ganz großes Ausruf für Zeichen.

00:40:43: Dahinter ist der Greil Pflegedienst Leitung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Fürsen.

00:40:48: Gerade wenn es um Kinder geht, Leute dann ja berühren mich die Themen irgendwie immer noch ein bisschen mehr einfach weil jeder der Kinder hatte oder sich mit Kindern beschäftigt merkt das ist unsere Zukunft.

00:40:58: natürlich haben die Kinder die bei euch sind es da sowieso schon etwas größeren Rucksack zu tragen und dann zu merken, da sind Menschen die sich dafür einsetzen, dass der Weg für diese Kleinen ein bisschen besser zu gehen ist.

00:41:08: Das ist einfach toll!

00:41:09: Und natürlich braucht es Menschen wie dich, die da Verantwortung übernehmen, dieses ganze Schiff zu lenken wollen und damit die richtige Richtung einschlagen.

00:41:18: Vielen vielen Dank für deine Arbeit und danke für den Besuch heute hier in Seelenarbeit.

00:41:24: Ja vielen dank, dass ich hier sein durfte.

00:41:26: also das war jetzt für mich auch wirklich nochmal ja eine gute Gelegenheit einfach noch mal den Job oder die Arbeit noch mal ein bisschen zu reflektieren und einfach nochmal zu sehen, was das natürlich auch einfach bedeutet.

00:41:38: Wenn diese ja oder welche Bedeutung die multiprofessionelle Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eigentlich hat.

00:41:45: Vielen Dank!

00:41:46: Da haben wir heute alle einen Einblick bekommen und das ist toll.

00:41:50: Und wenn ihr noch mehr Überpflege hören wollt, dann scrollt unsere Folgenliste einfach doch mal ein bissel nach unten.

00:41:55: in Folge vier da war die Pflegerin Michelle Sugar zu Gast.

00:41:59: Da hört ihr viel darüber, wie es eigentlich so im Alltag läuft und dann abonniert ihr Seelenarbeit am besten noch mal schnell bei eurem Podcast einbieter.

00:42:05: Und folgt dem LVR auf den Socials!

00:42:07: Dann verpasst ihr auch kein Update mehr rund um diesen wunderbaren Podcast.

00:42:11: Ich bin Daniel Schwing, euer host.

00:42:13: Bis bald macht's gut.

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