Folge 14 – Familiale Pflege: wenn Angehörige Halt brauchen
Shownotes
Eine psychische Erkrankung betrifft selten nur den Menschen, der erkrankt ist. Sie verändert Beziehungen, stellt Familien vor Herausforderungen und wirft viele Fragen auf. Doch wer kümmert sich eigentlich um die Menschen, die täglich begleiten, unterstützen und oft selbst an ihre Grenzen geraten?
In dieser Folge spricht Moderator Daniel Schwingenheuer mit Birgit Esch, systemische Familientherapeutin, Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Pflegetrainerin an der LVR-Klinik Bonn. Sie begleitet Angehörige von Menschen mit psychischen Erkrankungen und zeigt, warum ihre Arbeit weit mehr als nur Beratung ist.
Offen erzählt sie, warum Angehörige häufig über sich selbst hinauswachsen, weshalb Schuldgefühle und Überforderung ganz normale Reaktionen sind und warum es wichtig ist, dass Hilfe für Erkrankte wie für Angehörige angeboten wird. Dabei geht sie darauf ein:
- Warum psychische Erkrankungen immer das ganze familiäre Umfeld betreffen
- Was familiale Pflege bedeutet und warum sie für viele Angehörige ein entscheidender Anker sein kann
- Warum das Angebot der Angehörigenberatung bei den LVR-Kliniken ein wichtiges Instrument und fester Bestandteil ist
- Weshalb Verständnis für eine Erkrankung Sicherheit und Hoffnung geben kann
- Wie Beziehungsaufbau und Kontakt auch in einer psychischen Krise gelingen kann
- Und warum es wichtig ist, auch über die Belastungen von Angehörigen offen zu sprechen
Ein Gespräch, das zeigt: Psychische Erkrankungen verändern Familien, aber sie müssen Familien nicht auseinanderbringen. Mit Verständnis, Begleitung und den richtigen Unterstützungsangeboten kann aus Hilflosigkeit wieder Zuversicht und Hoffnung entstehen.
Für alle Angehörigen, Freund*innen und Menschen, die verstehen möchten, wie wichtig Zusammenhalt auf dem Weg der Genesung ist. Jetzt reinhören!
Triggerwarnung: In diesem Podcast sprechen wir über psychische Erkrankungen. Wenn dich diese Themen belasten könnten, höre bitte achtsam zu und hol dir professionelle Unterstützung, wenn du sie brauchst.
Tipp: Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag im Monat. Jetzt abonnieren – und keine Folge verpassen! Weitere Infos: www.sinnvoll.lvr.de
Du hast Feedback, Fragen oder Anregungen zu unserem Podcast? Dann schreib uns gerne unter seelenarbeit@lvr.de
Transkript anzeigen
00:00:00: ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung zu begleiten über Tage, Wochen, über Monate.
00:00:06: Das ist chronischer Stress und chronischer Stress macht auf allen möglichen Ebenen etwas mit den Angehörigen.
00:00:13: Und so ist es gar nicht mal so selten dass wenn man einen Menschen mit einer Psychischen Erkrankungen begleitet ohne das man selber auch unterstützt wird, dass man dann selber auch depressiv wird oder eben andere stressbedingte Erkranken bekommt.
00:00:31: Willkommen bei Seelenarbeit, dem Psychiatrie-Podcast aus dem LVR Klinikverbund.
00:00:36: Echte Geschichten, ehrliche Einblicke von Menschen die mit Herz in der Psychiatie arbeiten.
00:00:40: Unser Ziel Vorurteile abbauen, Einblicken geben und den Menschen hinter dem Beruf sichtbar machen Denn Seelenarbeit beginnt mit echten Geschichten Und hier erzählen wir sie.
00:00:58: Herzlich willkommen zur neuen Folge!
00:00:59: Wir sind zusammen auf dem Weg, psychische Erkrankungen besser zu verstehen und auch die Arbeitsweise diverser Professionen in den LVR-Kliniken zu durchleuchten.
00:01:08: Heute stehen einmal nicht die erkranken Personen selbst im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die sich Sorgen machen.
00:01:14: Die Familie, die Freunde das Umfeld Partner und Partnerinnen Kinder Eltern vielleicht sogar Nachbarn.
00:01:20: Es geht um Fragen wie?
00:01:22: Wie geht man damit um wenn ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr derselbe zu sein scheint?
00:01:26: was hilft Angehörigen Wenn psychische Erkrankungen den Alltag bestimmen Und wie gelingt es die Hoffnung nicht zu verlieren?
00:01:33: ich bin Daniel Schwing euer eurer host.
00:01:35: schön dass ihr wieder mit dabei seid und die Person die uns heute viel erzählen wird über das Thema familiale Pflege ist Birgit Esch.
00:01:42: Schön, dass du auch mit dabei bist!
00:01:44: Ja guten Morgen Daniel.
00:01:45: schön, dass ich dabei sein darf.
00:01:47: Wir sind heute an der LVR Klinik in Bonn.
00:01:49: Du bist systemische Familientherapeutin Gesundheits- und Krankenpflegerin und Pflegetrainerin.
00:01:55: Wie groß ist jeweils der Anteil an deinem Alltag?
00:01:58: oder mischt sich das?
00:02:00: Mein Anteil am Alltag.
00:02:05: Wann bist du systemische Familientherapeutin?
00:02:08: Wann arbeitest du noch so als Gesundheits- und Pflegetrainerin?
00:02:11: oder hast du dich inzwischen komplett auf eine Sache im Alltag fokussiert.
00:02:17: Achso, ja gut!
00:02:18: Also mein Arbeitsfeld gestaltet sich so dass eigentlich alles sehr schön miteinander vermischt wird.
00:02:27: Also an sich der Vorteil daran ist, dass ich eben als Krankenschwester diese Angehörigenberatung machen darf, ist das der Fokus eher in dem Miteinander?
00:02:37: wie können wir tatsächlich im Kontakt bleiben?
00:02:41: Wie kann der Kontakt aufrechterhalten werden und wie kann ich einen guten Umgang Also es ist ja der Begriff familiale Pflege.
00:02:52: Es manchmal so ein bisschen irre führen, dass sich sehr viele Angehörige auch gar nicht bei mir melden weil sie denken okay... Mein Angehöriger hat ja eine Depression, aber der kann sich ja noch alleine waschen.
00:03:02: Deswegen bilden sich die meisten dann eben gar nicht und das eben halt.
00:03:06: Pflege auch bedeutet gerade in der Psychiatrie wie kann Kontakt gelingen?
00:03:11: Wie kann Beziehung weiterhin aufrecht erhalten werden?
00:03:14: Und so vermischen sich alle Berufsbilder ganz harmonisch ineinander dass man sagen kann ich bin hundertprozentig alles drei von allem jeden Tag
00:03:24: Also, drehundert Prozent für alles.
00:03:25: Ganz genau!
00:03:26: Großartig und also scheint wirklich auch wichtig zu sein dass wir heute mal ein bisschen Licht ins Dunkle bringen was diese familiale Pflege eigentlich ist.
00:03:33: und trotzdem vorher nochmal ganz kurz für die Seelenarbeit-Profis unter euch da draußen ist das natürlich jetzt nichts Neues aber es gibt auch immer wieder Leute die neu mit dabei sind.
00:03:42: deswegen eine ganz kurze Triggerwarnung für alle dir zum ersten Mal zu hören Es geht auch heute wieder um psychische Erkrankungen.
00:03:49: wenn euch solche Inhalte emotional belasten dann hört bitte nur weiter dazu stabil fühlt oder gemeinsam mit einer Vertrauensperson und zögert, nicht professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.
00:04:00: Birgit du hast gestartet damals mit einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin was dann neunzehn Jahre lang in Köln im Alexianerkrankenhaus bis dann in die Tagesklinik nach Rodenkirchen gewechselt.
00:04:14: Hast eine Weiterbildung in der Familienpflege gemacht.
00:04:17: warum war das damals wichtig für dich?
00:04:20: Warum bist du diesen Schritt gegangen?
00:04:22: Also der Schritt zur familialen Pflege hin war insofern sehr stimmig, weil auch im Stationsalltag was hier immer so gewesen das wir Berührungspunkte mit Angehörigen hatten.
00:04:35: tatsächlich jetzt auch so in den Therapieprozess mit einzubinden.
00:04:39: So hat es ganz einfach sehr viel runter gemacht.
00:04:43: Vorher war's eigentlich eher, dass da nur der Kontakt war wenns in Richtung Entlassung ging und wir halt uns gemeldet haben so nach dem Motto ja hier ist doch alles fein dann kann man auch bald entlassen.
00:04:51: und dann kam erst der Kontakt.
00:04:52: und dann kommt aber das Feedback von den Angehörigen die bei uns immer noch gar nicht alles feinen.
00:04:59: Weiterbildung zur familialen Pflege hat erst einmal auch den Rahmen geschaffen, dass man sagen konnte, mithilfe dieses Projektes ist auch in unseren Therapiealltag die ganzheitliche Arbeitsweise sehr viel mehr in den Vordergrund gerückt.
00:05:12: Das Angehörige sehr viel früher in dem Prozess mit einbezogen wurden.
00:05:15: Deswegen war das für mich und für meine Arbeit ein absolutes Geschenk!
00:05:30: Also, dass ich hier einfach optimale Rahmenbedingungen hatte.
00:05:34: Ganz doof gesagt, also ich halt in Köln eher war das halt ... In meinem Arbeitsalltag musste man sich so zwischendurch Nischen suchen zwischen der eigentlichen Stationsarbeit, dann noch die Angehörigen-Arbeit zu machen.
00:05:48: Und hier hatte ich das große, große Glück genau zur richtigen Zeit meine Bewerbung abzugeben, dass hier eine Freistellung eben auch war.
00:05:56: Dass ich jetzt sagen kann okay, ich kann mich jetzt hier komplett auf die An gehörigen Arbeit fokussieren und habe eben auch den Zeitrahmen.
00:06:03: Ich hab die Räumlichkeiten, ich hab die Möglichkeit, dass man mich überhaupt erreichen kann.
00:06:10: Das war früher nicht so ganz gegeben und jetzt kann kann den optimalen Rahmen auch schaffen, um mich in Ruhe mit dem Angehörigen zusammenzusetzen.
00:06:21: Was halt im Stationsalltag für einen zwischendurch noch mindestens zwanzig akut Patienten zu begleiten hast – da ist es schon eher die Seltenheit, dass ich mal eine dreiviertel Stunde Zeit habe mit den Angehöringen zu reden und hier ist das das Minimum!
00:06:37: Und das macht es einfach sehr komfortabel für mich und auch für die Angehöhre.
00:06:41: Wir nähern uns heute in diesem Gespräch, diesem optimalen Kreis den du da geschaffen hast.
00:06:46: Mal ein bisschen näher und wir starten jetzt am besten mit unserer Schnellfrage Runde dass wir noch ein bisschen was lernen über dich und über deinen Beruf.
00:06:52: Deiner Aufgabe ist es jetzt so schnell Und trotzdem so präzise wie möglich zu antworten auf drei Fragen die ich dir stelle.
00:06:59: Die erste Frage wäre beschreibe dein beruf in drei Worten
00:07:05: Da sein?
00:07:07: Hoffnungsgeberin Selbstwirksamkeitsstärkeren.
00:07:15: Mit drei
00:07:16: Worten Neuschöpfungen!
00:07:18: Schöne Worte, die du da geschöpft hast... Was überrascht Menschen am meisten wenn sie von deinem Beruf hören?
00:07:26: Dass es dieses Angebot überhaupt gibt.
00:07:30: Dass es diesen Fokus überhaupt gibt, dass sehr viele sehr überraschend sind und sagen so wie jetzt
00:07:37: echt.
00:07:40: Auch die familiale Pflege jetzt seit knapp zwanzig Jahren, gibt es die.
00:07:45: Ist das immer noch nicht in alle Bereiche umgegangen?
00:07:47: Insofern ist dieses... Das was ich jetzt mache, dieses Erklärmann machst du denn da überhaupt?
00:07:52: Gehört eigentlich auch mehr zu meinem täglichen Brot, dass sie sagen kann Ja!
00:07:56: Es gibt mich und ist gut so.
00:07:59: Wir haben noch eine dritte Frage Worüber wird wenn wir über Angehörige nachdenken zur wenig gesprochen?
00:08:05: Über Forderung oder Erschöpfung?
00:08:07: Also sich überhaupt einzugestehen, dass man überfordert ist würde ich sagen.
00:08:12: Also dem Raum zu geben oder sich überhaupt auch einzugestehen das die eigenen Bedürfnisse bei der Begleitung sehr häufig hinten angestellt werden und erstmal diese Überforderung tatsächlich zu verbalisieren und einzugesten so nach dem Motto dieses Inwiefern darf ich mir diesen Raum geben, dem anderen geht es doch schon so schlecht.
00:08:34: Da kann ich doch jetzt nicht noch sagen mein Gott, ich finde das alles fürchterlich anstrengend, was hier läuft.
00:08:40: Keine besonders kurze Antwort aber eine absolut richtige Antwort!
00:08:45: Aber du hast glückt wir sind jetzt auch schon fertig mit unserer schnellen Fragerunde.
00:08:49: Es ist ja völlig normal und gut.
00:08:50: Und natürlich auch richtig, dass wenn jemand erkrankt, dass diese Personen dann erst mal für alle im Fokus stehen.
00:08:55: Für einen Krankenhaus das behandelt, für die Angehörigen, die sich Sorgen machen.
00:08:59: Und dennoch stellt sich irgendwann ... Das hast du gerade auch schon erläutert, stellt sich vor allem auch die Frage wie geht es irgendwann weiter mit- und nach der Krankheit?
00:09:06: Viele können sich jetzt unter einer Psychiatrie was vorstellen, unter Pflege, unter Therapie... Die familiale Pflege!
00:09:12: Du hast es vorhin schon begonnen so ein bisschen anzureißen.
00:09:15: aber wie genau ist sie definiert?
00:09:18: Die ist so definiert, dass sie eigentlich groben vier Bereiche update.
00:09:24: Das eine ist die individuelle Beratung das heißt Angehörige können allein oder auch mehrere Angehöre zusammen Können bei mir ein Termin ausmachen wir vergleichen unsere Kalender und man kommt erst mal in mein zauberhaftes Büro Und Wir schauen erstmal auf die aktuelle Individuelle Situation.
00:09:43: also was es der anlass weshalb Sie sich gesagt haben jetzt ist jetzt mal Guter Zeitpunkt, um mal bei der Freisch vorbeizukommen.
00:09:50: Und wie kann ich tatsächlich in dieser aktuellen Situation erstmal Entlastung schaffen?
00:09:57: Dazu gehört ganz viel auch erst einmal Erstaufklärungen darüber was passiert denn jetzt überhaupt und dass er eben auch so gehört wird.
00:10:07: Wie waren denn eigentlich so die letzten Wochen, bis es zur Aufnahme gekommen ist?
00:10:11: Weil das ist häufig auch die schwierigste Zeit.
00:10:14: Also nicht dieses okay.
00:10:16: wenn jemand in der Klinik ist kommt ja auch erstmal eine Art Erschöpfung und Erleichterung aus.
00:10:22: aber der Weg in die Kliniken da haben Angehörige schon manchmal übermenschliches geleistet bis jemand überhaupt Hilfe annehmen kann.
00:10:31: also das erste ist halt erst dass ich eine individuelle Beratung mache bei mir im Büro.
00:10:39: Der zweite Standbein ist, wenn es dann halt ... Ich begleite während der Therapie in der Klinik die Angehörigen und wenn es aber in Richtung Entlassung geht.
00:10:48: Das ist ja sowohl bei den Betroffenen als auch bei den Angehören ganz viel Unsicherheit verbunden.
00:10:53: Man kann sich noch gut dran erinnern wie war das denn?
00:10:55: oder was ist der Grund, wieso jemand in die Klinika gekommen ist?
00:10:59: Und dann eben diese Verunsicherung okay, kriegen wir da überhaupt zu Hause hin!
00:11:04: Und dann eben zu schauen, okay was braucht es denn damit es zu Hause gut funktionieren kann.
00:11:09: Idealerweise hat sich ja der Betroffene bei uns in der Klinik gut stabilisiert und wie kann man das was hier gut getan hat auch auf den Alltag zuhause dann halt übertragen?
00:11:21: Deswegen finden dann eben auch hinterher Gespräche mit dem betroffenen statt dass mir einen Übergang gut gestalten kann Und hinterher, auch wenn die Entlassung schon vollzogen ist das dann noch weitere Termine stattfinden können.
00:11:33: Entweder bei mir im Büro oder eben auch zu Hause.
00:11:36: Also es ist so das zweite Stammband, das dritte Stammpand ist dass ich zu unterschiedlichen psychischen Erkrankungen Kurse gebe wo ich über das Krankheitsbild aufkläre, dass man sozusagen schon mal zum individuellen Experten ist man ja sowieso schon im Umgang geworden aber Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung erfährt, indem man einfach mehr wissen hat und sagt okay das ist tatsächlich die Erkrankung.
00:12:03: Das sind halt nicht so sehr viele Symptome wie jetzt Rückzug, Aggressivität oder irgendwie auch immer, das sind alles Symptomen, die sich sehr persönlich anfühlen.
00:12:16: Und zu merken dass es nicht persönlich, das ist ein Ausdruck der Erkrankungen.
00:12:21: Wie kann ich damit eben auch umgehen?
00:12:23: Das sind dann halt die Kurse, wo ich über die Krankheitsbilder aufkläre und wer dann immer noch nicht genug hat der kann gerne.
00:12:31: im Anschluss an die Kurze gebe ich monatliche Gesprächskreise.
00:12:36: Also das eine ist halt dass man rein theoretisch weiß was ist die Erkrankung?
00:12:44: Und wie kann man damit umgehen?
00:12:47: Und dann aber so merken, wie setzt sich das im Alltag um?
00:12:50: Kennen wir alle von Fortbildungen, wo man hoch motiviert rausgeht und sagt, das werde ich jetzt immer so machen.
00:12:56: Und noch vier
00:12:57: Wochen, was war
00:12:58: das nochmal?
00:13:01: So ähnlich ist es eben auch.
00:13:03: Das Ganze dann nochmal schauen, okay, wie kriegen wir das jetzt im Alltag gut umgesetzt?
00:13:09: Ja, also der LVR hat sich da über die letzten Jahre wirklich intensiv aufgestellt.
00:13:13: Du hast diese ganze Entwicklung dieses bereisangehörigen Arbeit im Mitte aufgebaut in Bonn.
00:13:19: Wir kommen gleich nochmal zu diesen einzelnen Angeboten.
00:13:22: Die ursprüngliche Notwendigkeit Ich möchte jetzt gerade gerne noch mal auf diese erste Situation eingehen.
00:13:28: wenn Angehörige zu dir kommen Dann gibt es da so typische Sätze, die du immer wieder hörst.
00:13:33: Es gibt ein typisches Phänomen was eigentlich Sinnbildlich ist für Angehörige, die sich Sorgen machen?
00:13:41: Ja.
00:13:42: Also es sind... Gerade beim Erstgespräch ist einerseits erst mal die Erleichterung oder das Bedürfnis.
00:13:51: man hat ein sehr großes Mitteilungsbedürfnes was gewesen ist und wenn das erstmal einigermaßen gestillt ist kommt häufig die Frage okay was kann ich tun?
00:14:01: Also so dieses ich möchte jetzt aktiv dafür irgendetwas tun, damit es meinem Angehörigen besser geht.
00:14:08: Wobei es bei sehr vielen Erkrankungen eigentlich auch schon ist das Angehöre ja schon alles möglich und sehr kreativ gewesen sind was sie tun können.
00:14:15: Und halt dieses okay Ich bin jetzt hier um.
00:14:19: Was kann ich jetzt noch mehr tun?
00:14:21: Es ist eigentlich immer so nach dem wenn's dem noch nicht gut geht dann habe ich noch nicht genug getan.
00:14:26: Und dann aber zu sagen, okay es geht jetzt auch.
00:14:28: Oder welche Sätze?
00:14:30: was darf ich sagen?
00:14:30: Was darf ich nicht sagen?
00:14:31: Gibt es Sätze die ich sagen kann, die die Erkrankung meines Angehörigen noch verstärken?
00:14:40: Der natürliche Umgang ist durch die Erkrankung abhandengekommen und man sagt, okay ich brauche jetzt einfach noch mal so einen neuen Fahrplan.
00:14:48: Was ist der richtige?
00:14:50: Und weg von dem natürlichen nach dem Motto was... Man traut den eigenen Bauchgefühl nicht mehr so richtig.
00:14:57: Das eine das andere ist sehr viele Eltern, die zu mir kommen sich auch so intensiv mit der Schuldfrage auseinandersetzen.
00:15:06: So nach dem Motto okay was habe ich denn falsch gemacht?
00:15:10: Was... Beziehungsweise wenn ich alles richtig gemacht hätte dann wäre mein Kind ja nicht krank und so.
00:15:18: Dann ebenso sagen so nee das hat tatsächlich überhaupt nichts mit der also in den seltensten Fällen etwas mit der falschen Erziehung zu tun sondern da erst nochmal aufzuklären Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es, dass eine psychische Erkrankung entstehen kann?
00:15:33: Und das hat selten etwas damit zu tun wie jetzt man als Eltern was man als Eltern getan oder unterlassen hat.
00:15:42: Ja also da eben auch von der da so ein bisschen dass das so nochmal hinzuschauen.
00:15:48: okay Wo haben Sie denn das Gefühl, dass sie sich schuldig gemacht haben?
00:15:53: und kann man das eventuell noch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten und sagen kann okay die Vergangenheit kriegen wir es nicht mehr umge.
00:15:59: Und wird nicht mehr verändert.
00:16:02: aber wie kann man aus einer aus der Schuldfrage eine Verantwortung machen diese handeln können?
00:16:08: Ja Wir haben ja hier in diesem podcast auch schon häufiger mit vorurteilen aufgeräumt.
00:16:12: Das ist ja im prinzip so ein Vorurteil was man gegenüber sich selbst hat.
00:16:17: also so ne so eine art falsche Analyse des eigenen Verhaltens, was da passiert.
00:16:25: Dass man sagt ich bin daran schuld, dass jemand anders psychisch erkrankt.
00:16:29: Das ist aber natürlich dann auch irgendwie ein falsches Verständnis von psychischen Krankheiten weil das häufig ja nicht wahnsinnig viel mit dem zu tun hat, was andere Leute machen sondern es sind halt einfach Krankheiten die sich entwickeln.
00:16:42: Ich bin ja auch nicht schuld daran Wenn jemand eine Erkältung bekommt, ist einer nicht.
00:16:45: Ich habe jetzt irgendwie dem Kind ne Jacke nicht angezogen aber wenn ein sechzehnjähriger dann irgendwie eine Erkeltung bekommt dann bin ich ja auch nicht schuld daran
00:16:55: Genau und da eben zu sagen okay wo sind eigentlich auch so die Grenzen?
00:16:59: beziehungsweise häufig ist es ja so dass wenn man in diesem Krankheitsmini Glubberblasenuniversum sich befindet, dass man so das Gefühl bekommt also so verrückt wie bei uns geht wirklich nur bei uns.
00:17:16: Das ist auch das Schöne an den Kurs und an den Gesprächskreisen, dass allein schon die Erkenntnis davon so wow!
00:17:25: Den anderen geht es genauso plus das könnte tatsächlich ein Symptom sein weil wenn ich dieses Verursacht habe die Erkrankung meines Kindes.
00:17:37: Wie kann es dann sein, dass eine vollkommen andere Familie mit vollkommen anderen Gegebenheiten das gleiche Problem haben?
00:17:44: Also das macht es dann nochmal fassbarer und auch erleichtern dazu sagen okay ist tatsächlich ein Krankheitsbild wo mein Einfluss oder meinen Verschulden gar nicht so hoch sein kann.
00:17:55: Ja ich habe im Vorfeld unseres Gesprächs darüber nachgedacht dass es ja im Prinzip zwei Ansätze gibt mit dem man zu dir kommen kann.
00:18:02: erstens mal Wie kann ich helfen?
00:18:04: Das hast du gerade schon dargestellt, dass viele sich eben genau diese Frage stellen.
00:18:08: Auf der anderen Seite kannst natürlich auch den Ansatz geben mir muss geholfen werden weil ich weiß auch nicht mehr weiter das sind ja das eine ist halt der Fokus auf außen das andere das andere der fokus auf innen.
00:18:18: wie verteilt sich das so bei den Leuten die zu dir kommen?
00:18:22: also ich glaube da sind wir auch wieder.
00:18:25: wie viel wie oft kann ich hundert prozent sagen?
00:18:27: also das heißt dieses die im laufe des gesprächs kommen beide sachen rüber.
00:18:33: Aber es braucht manchmal doch eher noch mal eine Vertrauensebene, dass überhaupt das gesagt werden kann.
00:18:41: Also dass man sich das überhaupt eingesteht.
00:18:43: Es gibt aber auch einige Angehörige die sich schon direkt melden und sagen also ich bin wirklich am Ende meiner Kräfte eigentlich muss ich den Kontakt abbrechen weil ich kann nicht mehr.
00:18:54: Und da tatsächlich den Rahmen zu bilden so wie können wir es so gestalten?
00:19:03: Familie miteinander im Kontakt bleiben können, auch mit der psychischen Erkrankung.
00:19:08: Und das zu begleiten und das zu erleben, das macht meinen Job einfach nach wie vor jeden Tag so besonders und einfach großartig.
00:19:14: Das mag ich unglaublich!
00:19:16: Du hast vorhin die verschiedenen Säulen deiner Arbeit schon skizziert?
00:19:20: Lass uns mal konkreter auf die Angebote eingehen, die ihr da an der LVL-Klinik in Bonn habt.
00:19:25: Zum Beispiel hast du gesagt dass du Menschen mehr über die Krankheit erzählst.
00:19:30: Was verändert sich in Angehörigen, wenn du über diese Krankheiten erzählst?
00:19:35: Und wenn sie mehr verstehen was in der betroffenen Person eigentlich vor sich geht.
00:19:39: Ja also das ist die... Sie.
00:19:42: jetzt aktuell läuft zum Beispiel ein Psychosekurs.
00:19:46: Wir treffen uns an drei Abenden und es ist unabhängig davon ob's der Depressionskurs ist oder der Psychosekurse.
00:19:54: Der erste Tag wird eben erstmal sehr viel selber auch erzählt, was mich eigentlich in diesem Kurs geführt.
00:20:00: Und die Grundstimmung ist häufig eben sehr viel Unsicherheit über Forderung und einfach die geballte Hilflosigkeit.
00:20:14: Schon am ersten Abend, wo es erstmal nur darum geht – wir tauschen uns gegenseitig aus!
00:20:18: Was ist das überhaupt?
00:20:23: die wir angehörigen mit einer Spur mehr Hoffnung und Perspektive raus, also dieses Reinkommen mit der absoluten Überforderung.
00:20:33: Und rausgehen sie nach dem Motto okay?
00:20:36: Der Hoffnungsschimmer ist schon mal so ein bisschen da.
00:20:40: Und innerhalb von drei Abenden entwickelt sich tatsächlich sowohl in der Gruppe als auch bei jedem Einzelnen eher eine Art anderer individueller Zugang zu der Erkrankung, dass sie halt merken, ich bin doch gar nicht so... Ich bin tatsächlich gar nicht hilflos wie gedacht habe und ich bin in Kontakt mit meiner Souveränität im Umgang damit.
00:21:02: natürlich ist die Erkrankung dadurch nicht weg, aber allein zu sagen so okay ich bin gar nicht so fremdbespittimt wie ich gedacht habe und es gibt Möglichkeiten wie ich damit umgehen kann.
00:21:15: Was sind denn so konkrete Tipps, die du für Angehörige dann hast?
00:21:21: Keine Hilfe ohne Auftrag, das ist gerade bei Angehörigen die Menschen mit Depressionen begleiten.
00:21:27: Häufig dieser Teufelskreislauf sind nach dem Motto ich sehe ja schon wie schlecht es dem anderen geht und deswegen muss ich einfach weil ich mir das nicht so gut angucken kann werde ich immer aktiver und dadurch dass ich selber aktiver werde als Angehöhriger wird nur leider der Depressive immer passiver hat keine Erfolgserlebnisse mehr und somit ist das eher ein Teufelskreislauf, wo die Erkrankung immer weiter mit Aufrechter halten wird.
00:21:55: Und dazu sagen okay es wäre schon mal ganz gut wenn wir also da dieses wie kann ich begleiten ohne in dieses Hamsterrad hineinzukommen?
00:22:07: Also diese Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl.
00:22:10: Wie kann ich eine Haltung entwickeln, die es möglich macht, dass sich begleiten kann ohne das ich halt immer etwas tun muss?
00:22:19: Und wie kann ich oder von der Kommunikation her, wie kann Kommunikationsgelingen mit Menschen, die selber auch gar keinen Zugang zu sich selbst haben wo man tatsächlich jede Silbe rausziehen muss, also da einfach nochmal andere Herangehensweisen auch so zu sehen.
00:22:40: Ja in diesen Kursen wenn du dann da sitzt mit den Partnerinnen und Partnern vielleicht auch mit Kindern, mit Eltern merkst du dass ich in dem Moment wirklich was bei den Menschen verändert, wo ihr euch zusammen mit dieser Krankheit beschäftigt.
00:22:57: oder ist das dann so ein schleichender Prozess?
00:22:59: Passiert es wie so einen Klick im Kopf.
00:23:02: Weil das muss wir erstmal alles auch umsetzen und das ist ja was man selbst auch verarbeiten muss, auch den Weg, den man gehen muss als Angehöriger plötzlich die eigenen Verhaltensweisen zu reflektieren und auch zu verändern.
00:23:15: Ja, also den ersten Klick merke ich.
00:23:18: Also ich beginne immer ganz gerne damit mit der Klagemauer dass jeder mal so aufschreiben kann was findet er tatsächlich so richtig herausfordernd und fürchterlich an diese Erkrankung.
00:23:29: Also wenn man jetzt sagen kann, ich schreibe jetzt mal das auf was sich am liebsten heute Abend hier los werden würde und da kommen einige Zettel beizustande und allein dieses sichtbar machen... Ich schreiber es auch.
00:23:41: wir sehen das alle gemeinsam an dieser Tafel.
00:23:44: Das führt schon zu einer gewissen Erleichterung und Verbundenheit wovon ich eben erzählt hatte.
00:23:49: Das ist meistens so der erste Klick der dann eben kommt nach dem Motto Wir sind tatsächlich gar nicht so alleine.
00:23:56: Das ist schon mal sehr wertvoll für die Gruppendynamik und in jeder Kurs, jeden Kursabend sind es unterschiedliche Ansätze wo so individuelle Klicks kommen.
00:24:10: Und vor allen Dingen auch was ich jedes Mal sehr schön finde, das sind ja eigentlich nur drei Abende aber auch die Zeit dazwischen dass da schon erzählt wird, dass innerhalb von dem der Unterschied gibt schon Unterschiede im Umgang, in dem wie man miteinander Zeit verbringt auch zwischen diesen einzelnen Treffen.
00:24:33: Das da schon auch im Alltag dadurch dass die wie Angehörige auf die Betroffenen zugehen, dadurch schon eine kleine Veränderung stattfindet.
00:24:46: So das man sagen kann okay es ist jetzt nicht nur etwas ich meine ich kann ja viel erzählen.
00:24:51: Powerpoint Präsentationen sind ja geduldig, aber eben zu sehen zwischen diesen Terminen finden schon Miniveränderungen statt.
00:25:01: Und das halt zu begleiten und zu sehen was dann an drei Abenden da möglich ist es sehr schön.
00:25:07: Ja.
00:25:08: Das war eine von den Säulen die du vorhin geschildert hast.
00:25:11: Die andere Säule ist die Begleitung während einer Person dann stationär behandelt wird in der Klinik.
00:25:20: Was kommt So für Fragen, für Themen auf bei der Angehörigen die in dem Moment zu dir kommen.
00:25:27: Also die eine Richtung ist eben auch so nachdem man hat ja wirklich auch sehr gekämpft bis derjenige in die Klinik gekommen ist und es natürlich auch die Hoffnung was passiert dann da?
00:25:38: Und gerade wenn das noch die erste psychische Erkrankung ist, es kommt dann eben also nachdem... also machen sie den jetzt hier überhaupt.
00:25:47: Also ich sage jetzt, der hier schon eine Woche rum ist immer noch nicht gesund.
00:25:51: Vermarsen Sie den jetzt überhaupt?
00:25:52: Also dann zu sagen okay wie entwickelt sich jetzt überhaupt so ein Therapieprozess?
00:25:58: was gehört dazu?
00:26:00: und dann also sehr viele Fragen gerade weil Psychiatrie ja wenig damit zu tun hat wie in der Somatik die Leute werden gewaschen und operiert und solche Sachen das machen wir ja gar nicht.
00:26:14: an welchen Stellen kann eine psychiatrische Aufenthalt tatsächlich hilfreich sein?
00:26:22: Dass es da eben ganz viel auch darum geht, erst mal aus dem Alltag herauszukommen.
00:26:27: Dass es um Tagesstruktur geht die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und eben auch ganz wichtig die Unsicherheit und Hilflosigkeit.
00:26:35: was so ... Die Medikamentenwirkungen wann wirken Medikamente überhaupt?
00:26:40: also ebenso nach dem Motto denn doch jetzt schon ne ganze Woche das Medikament warum ist ja immer noch so traurig?
00:26:46: Also da eben zu sagen, okay auch welche sehr viele Medikamente erst mal einen Spiegel aufbauen müssen.
00:26:53: Dass dadurch die Zeit bis es zur Veränderung einer Verbesserung kommt und diese kleinen Bausteine überhaupt zu bemerken.
00:27:05: Das ist eben einerseits so da die Aufklärung und gleichzeitig aber auch wie kann ich mir selber erlauben diese Zeit für mich zu nutzen?
00:27:17: Also auch jetzt nicht unbedingt hilfreich, jeden Tag vorbeizukommen.
00:27:22: Sondern zu sagen okay ihr Leben zu Hause wie kriegen sie das ohne diesen gelebten Menschen gut hin?
00:27:30: Was brauchen Sie und wie viele Besucher tun Ihnen gut?
00:27:36: Ist das ein Angebot wo quasi jeder und jede einfach hinkommen kann sich anmelken kann dann habt ihr da eine halbe Stunde Zeit.
00:27:43: oder wie funktioniert es rein praktisch diese Gespräche?
00:27:46: Rein praktisch funktioniert das, dass man mich entweder anruft oder mir eine E-Mail schreibt.
00:27:52: Dann vergleichen wir unsere Kalender und dann ist es bei jedem möglich.
00:27:57: Man muss nicht blutsverwandt sein.
00:27:58: Das können eben auch Freunde, also jeder der im Umfeld ist... Also diesen Termin kann man, wenn der Betroffene hier in der Klinik behandelt wird, für die gesamte Zeit während der Therapie in Anspruch nehmen und auch darüber hinaus.
00:28:19: Häufig ist es aber auch so, dass es schon sehr problematisch ist wie kriege ich denn jetzt mein Angehörigen überhaupt in die Behandlung?
00:28:27: Also das dann eben auch die sehr viele gar nicht wissen, ein Erstgespräch hier vereinbaren kann.
00:28:36: Also derjenige muss noch gar nicht hier behandelt sein, wir können auch vorher.
00:28:40: das ist dann allerdings einmalig dass man sagt okay wir sprechen erst mal darüber wie kann man denn tatsächlich in Hilfe Systeme überhaupt reinkommen und dafür kann man auch bei mir Termine machen auf dem gleichen Wege per Telefon oder per E-Mail.
00:28:56: Ich glaube dass viele Leute eben genau an dieser Stelle echt auch ein Problem haben sehen irgendwas läuft ja nicht richtig vielleicht dann die andere Person durch eine Depression, aber auch nicht ein helfendes Element ist um die Gesamtsituation aufzulösen und dass man sich wirklich fragt wie schaff ich's denn jetzt meinen Partner, meine Partnerin in der Depression zu überzeugen das da noch einen Klinikaufenthalt nötig ist.
00:29:20: Wie geht es?
00:29:20: Wie geht man denn daran was sagst du Angehörigen die genau dieses Problem haben?
00:29:25: also da ist eben dieser die Aufklärung über das Krankheitsbild, dass man sagt okay es gehört ja auch als Symptom dazu sowohl bei der Depression oder bei der Psychose.
00:29:37: Dass es zu einer sehr großen Symbiose mit der Erkrankung kommt also dass die Betroffenen das Gefühl haben Das ist keine Erkrankung das bin ich und durch diese sehr starke Identifikation eben auch sagen ok mir kann ja dann sowieso keiner helfen.
00:29:56: Und da durch diese Aufklärung mit dem Krankheitsbild zu sagen, das fühlt sich im Moment sehr real an.
00:30:03: Aber es ist ein Krankheitsbild, dass wirklich in unterschiedlichen Akut-Schüben verläuft und es gibt Möglichkeiten eben da... Es gibt Entlastungsmöglichkeiten oder es gibt Hilfsangebote.
00:30:16: Manchmal ist es auch hilfreich erst mal gar nicht die große Überschrift zu nennen also jetzt ... Das ist eine Depression oder das ist eine Psychose sondern zu sagen okay ich bemerke Das und das Symptom, da hast du einen ganz großen Leidensdruck.
00:30:31: Lass uns doch mal über diese ... Über die Schlaflosigkeit.
00:30:36: Über diese innere Unruhe.
00:30:38: Über so eine ausbreitende Traurigkeit, dass du dich damals mit jemandem unterhitzt.
00:30:44: Dass man also nicht die große Überschrift nimmt sondern sagt okay wo ist tatsächlich so ein großer Leidendindruck dann da?
00:30:51: Ja wir haben jetzt über die Angehörigen gesprochen wie man da auch den Druck rausnehmen kann, indem man vor allem erstmal die Verantwortung von dem Personen wegnimmt.
00:31:01: Die Schuldfrage wegnimmt weil... Da ist letztlich niemand schuld!
00:31:07: Auf der anderen Seite, und da weiß ich jetzt nicht, wie intensiv dein Kontakt ist, wenn du Kontakt hast, wie merkst du denn dass die Tatsache des Du von außen erklärst, wie die Situation ist?
00:31:20: Vielleicht auch erkrankten Personen hilft, Die halten nicht mehr innerhalb der Familie, innerhalb von einem Freundeskreis sich rechtfertigen müssen für ihre Art zu handeln oder mit allen Mitteln versuchen irgendwie eine Normalität aufrechtzuerhalten die einfach nicht da ist.
00:31:38: Ja also es gibt erst mal eine große Entlastung darüber dass sie halt sich nicht mehr erklären müssen.
00:31:46: Also diese Fassade aufrecht zu erhalten, wenn man sowieso kaum Energie hat.
00:31:50: Die ist eben auch wirklich enorm anstrengend und die familiale Pflege wurde ja damals auch dadurch gegründet dass man gemerkt hatte wir haben einfach sehr viele Klienten die immer wieder kommen wo man sagt okay man hat hier in der Klinik einen Rahmen, wo das Verständnis für die Erkrankung da ist.
00:32:10: Aber im Umfeld nicht und sodass da eben immer wieder auch Stolpersteine auftreten sei es mit ... ja also dass das Umfeld eben nicht so gut mit der Erkankung umgehen kann und dass es dadurch zurückfällen kann.
00:32:27: Und dass man sagen kann okay manchmal muss man, darf ich das wir einen Rahmen schaffen?
00:32:32: Wo dann eben auch Stabilität und Geniesung möglich ist.
00:32:36: Also jetzt so in Form von bei diesem Beispiel zu bleiben.
00:32:40: Wie können wir einen Rahmen schaffen, dass auch jemand mit wenig Antrieb wieder in seine Handlungsfähigkeit kommen kann?
00:32:47: Dass es eben jetzt einerseits nicht zu einer Überforderung kommt wo ja auch sehr viele Betroffene und Angehörige auch große Sorge vorhaben.
00:32:56: Aber was mindestens gerade bei der Depression noch viel gefährlicher ist, es ist auch die Unterforderung also dass sich alle Beteiligten der Person gar nichts mehr zu trauen und dadurch die Depression nochmal gestärkt wird.
00:33:08: Und insofern ist das halt die Beratung der Angehöhrigen?
00:33:13: Ist dann eben auch, dass wir einen Rahmen schaffen wo diese Stabilität eben ja auch Das hört sich jetzt blöd an, Stabilität stabilisieren kann.
00:33:23: Also du weißt was ich meine?
00:33:27: Die Genesung auch über den Krankenhausaufenthalt im Alltag bewähren können.
00:33:35: Wie geht dieses breite Angebot vom LVR in Bonn?
00:33:38: das ist ja über die letzten Jahre entstanden und Du hast es auch mit aufgebaut.
00:33:43: wie war denn die Situation als du damals nach Bonn gegangen bist und wie hat sich das entwickelt, dass ihr gesagt habt.
00:33:50: Das sind genau die Punkte an denen wir ansetzen müssen?
00:33:53: Ja also es war von dem.
00:33:56: weil ich in die LVR Klinik gekommen bin waren schon zwei weitere Kollegen da, die auch schon familiale Pflege gemacht haben.
00:34:04: Insofern war so der Einstieg für mich sehr komfortabel.
00:34:08: Wir hatten damals auch schon in dem Bereich Depression und Psychose, hatten wir schon einige Sachen angeboten.
00:34:16: Was nicht so stark ausgeprägt war, waren die Sache mit den Hausbesuchen, dass wir halt nach der Entlassung noch mal zu den Familien gefahren sind und geguckt haben – wie läuft das eigentlich Zuhause?
00:34:36: ein sehr wertvollen Bereich meiner Arbeit finde, weil bestimmte Dinge – also in meinem Büro kann man so unglaublich viel erzählen.
00:34:41: Wie gut das auch zu Hause klappt!
00:34:43: Aber zuhause ist das noch mal was anderes.
00:34:46: Also dass zum einen dann hatten wir bestimmte Störungsbilder gar nicht dabei gehabt wie jetzt z.B.
00:34:54: Borderline-Persönlichkeitstörungen und Zwangsstörungen.
00:34:58: Was aber auch damit zu tun hatte, dass damals die familiale Pflege einfach auch einen anderen Schwerpunkt
00:35:02: hatte.".
00:35:03: Und dadurch, dass es von diesem Modellprojekt der Universität Bielefeld hinter in die Rahmenversorgung übergegangen ist, konnte man sagen okay wir konnten tatsächlich dadurch unser Angebot auch noch was die störungspezifische Begleitung anbelangt sehr viel weiter ausbauen.
00:35:24: Das war ein ganz großes Geschenk Und dass es dann dadurch eben auch zu einem Ausbau an Kosen und an Gesprächskreisen gekommen ist.
00:35:35: Plus die Tatsache, das wir einfach auch einen höheren Stellenanteil genehmigt bekommen hatten wie intensiver mit den Stationen zusammenarbeiten konnten und einfach das Angebot dadurch nochmal sehr viel präsenter wurde.
00:35:49: Ja diese Angehörigenberatung ist nicht selbstverständlich.
00:35:53: warum ist es denn so wichtig da so breit aufgestellt zu sein?
00:35:58: Also wir sind ja die einzige Anlaufstelle für Angehörige.
00:36:03: Das muss man sich eben auch mal auf der Zunge zergehen lassen und es ist in sehr vielen Landeskreisen, sehr vielen Kliniken nach wie vor nicht selbstverständlich.
00:36:14: Der Bedarf ist allerdings sehr großartig.
00:36:15: Ich hatte hier schon Angewöhrige aus Luxemburg angereist, die sind von Norderney angereißt.
00:36:20: Jetzt einfach mal so wo man sagt okay dazwischen müsst es doch eigentlich auch noch Kliniken geben aber das einerseits dieses Störungsspezifische gibt es eben nicht oft.
00:36:30: also du findest sehr viel Angebote zum Thema körperliche Pflege, zum Thema Demenz gerade wenn der Grundhübsicherheit tritt da findest du noch was aber in den ganzen anderen Bereichen eben nicht und sich soweit breit aufzustellen eben auch zu sagen wir haben die dadurch die Möglichkeit, unsere Patienten ganzheitlicher zu versorgen und eben auch den Genesungsprozess so zu gestalten.
00:36:57: Dass eben auch diese ja eine Weiterentwicklung mit der Erkrankung, eine Stabilisierung mit der Krankung und das ganze Umfeld es eben auch möglich ist.
00:37:08: Also es ist halt die Sache.
00:37:09: natürlich kann man sagen okay uns interessiert euch jetzt eigentlich nur die die Erkrankungen selber.
00:37:15: Also dafür kommen die Leute ja dahin, aber zu sagen okay ich hatte früher auch mal in der Somatik gearbeitet.
00:37:25: In einer chirurgischen Ambulanz.
00:37:27: und wenn da natürlich ist das erste wo wir mit den Leuten dann behandelt haben, wenn sie eine schwere Schnittwunder haben dass man sagt okay erst mal muss die Wunde versorgt werden.
00:37:36: Aber gleichzeitig dann eben auch zu sagen so ja aber wie schaut es denn aus mit der Tetanus?
00:37:41: Impfung, weil das was da passiert.
00:37:43: Das hat Auswirkungen auf den Rest.
00:37:46: und wenn wir diese Auswirkung die eben diese eine Erkrankung hat Auswirken auf das ganze System Und da jetzt anzusetzen zu sagen okay Wenn wir diese Diese auswirkung nicht behandeln dass ist wie so einer art Lawine die dann oben mit einem kleinen steinchen halt beginnt aber es macht hat eben hinterher auch für alle anderen Beteiligten noch sehr viel größere Auswirkungen, die aufzuhalten.
00:38:14: Es ist nicht nur eine ethische Sache sondern eben auch eine Kostenfrage.
00:38:16: wenn man sagt okay wie?
00:38:19: Wenn wir da frühzeitig beginnen können für das System, für die Familie aber auch für den Behandlungsprozess ganz wichtige Weichen stellen.
00:38:27: Ja deswegen... Jetzt hast du einfach ne Sache wobei ich sage...
00:38:31: Das ist extrem wichtig!
00:38:32: Genau, ist das eben extrem wichtig.
00:38:35: Soviel zum Thema
00:38:38: Kurze?
00:38:40: Ich habe gerade so gedacht je nachdem wie groß die Belastung ist dann halt auch... In der Familie beugt man natürlich auch dann Folgeerkrankungen auch noch vor.
00:38:51: Vielleicht bei der Person selbst, dass sie eben nicht rückfällig wird.
00:38:54: zum anderen aber auch bei den anderen Personen innerhalb eines Beziehungsnetzes sag ich mal das die letztlich dann auch nicht erkranken weil insgesamt die Basis besser ist.
00:39:07: wenn man über Jahre einfach in Situationen lebt in denen man sich halt selbst auch nicht wohl fühlt verfolgt daraus vermutlich vielleicht irgendwann auch noch eine Erkrankung die nicht nötig gewesen wäre.
00:39:18: Also es ist etwas, eben ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung zu begleiten über Tage, Wochen, über Monate – das ist chronischer Stress.
00:39:28: und chronischer stress macht auf allen möglichen Ebenen etwas mit den Angehörigen und so ist gar nicht mal so selten dass wenn man einen Menschen begleitet, ohne dass man selber auch unterstützt wird.
00:39:43: Dass man dann selber auch depressiv wird oder dem anderen stressbedingte Erkrankung bekommt.
00:39:49: Ja ja lass uns mal kurz über diese letzte Säule die Besuche zu Hause sprechen.
00:39:57: Wie häufig hast du denn da das Gefühl okay hier müssen wir nochmal gegensteuern?
00:40:01: Nachdem dann die Therapie in der Klinik war, nachdem man mal rausgekommen ist, nach dem du mit Angehörigen auch schon Gespräche hattest.
00:40:09: Die vielleicht Kurse hatten über die Krankheit viele gelernt haben Wenn du da nach Hause kommst zu denen und siehst wie da der Umgang miteinander ist Wie häufig hast Du das Gefühl?
00:40:18: Müssen wir nochmal ein bisschen nachjustieren?
00:40:21: Ja, das ist noch mal so ... Ist der Feinschliff sozusagen.
00:40:25: Dass man sagen kann, ja okay!
00:40:27: Man is mit sehr viel Motivation dann eben auch entlassen worden.
00:40:31: Alle haben gute Vorsätze.
00:40:32: wie können wir bestimmte Sachen umsetzen?
00:40:34: Da kommt doch trotzdem das Leben dazwischen.
00:40:36: Also so zu sagen, dass eine ist halt... Begleit jetzt zum Beispiel eine Familie, da's der Vater depressiv erkrankt und es ist ne junge Familie.
00:40:45: beide sind berufsträtig, haben drei kleine Kinder.
00:40:48: Da kann man sich natürlich eine ganze Menge im Vorfeld überlegen, aber dann hat man eben die Rechnung halt nicht mit dem Leben gemacht.
00:40:58: Dann gibt es plötzlich Dinge, die man anpassen muss, weil bestimmte Sachen in Kindergarten oder sonst so was.
00:41:07: Also da tatsächlich sagen wir müssen das, was wir uns jetzt hier in den geschützten Rahmen gedacht haben, dass auch nochmal mit dem leben in Einklang bringen und zu sagen okay beziehungsweise auch zu sagen, okay bestimmte Sachen.
00:41:23: Auch mehr den Fokus darauf legen.
00:41:25: gut sie haben das und dass haben Sie jetzt tatsächlich gut übertragen können.
00:41:29: wir haben sich das denn gemacht also wieder den fokus nicht mehr mehr in die Richtung, was kann ich aufgrund der Erkrankung nicht?
00:41:37: Sondern eben auch soweit zu stärken und stabilisieren.
00:41:40: Was ist denn jetzt wieder möglich?
00:41:42: Welche nächsten Schritte können wir machen?
00:41:45: Da sind diese Besuche noch mal so Mini-Bohjen, wo man sagen kann okay sie müssen jetzt nicht mit der Entlassung komplett funktionieren sondern aber es wäre ja schonmal schön wenn Sie mir erzählen können wie ... bis in diesen Zeitraum Entlastung, bis zum nächsten Treffen wie es gewesen ist als sie alleine einkaufen gegangen sind.
00:42:07: Also wir machen halt Mini-Ziele die erreichbar sind und dann nochmal so zu schauen und dann gleichzeitig aber auch so wie welche Aufgaben können wieder übertragen werden?
00:42:18: wo es auch von Seiten der Angehörigen noch Unsicherheiten wo man sagt Ich will den jetzt nicht überfordern.
00:42:25: Der soll sich erst mal wieder ausruhen, Hauptsache er ist gesund und dazu sagen so wie können wir da tatsächlich uns in der Mitte begegnen was das Nervenkostüm von allen auch aushält?
00:42:37: Da haben wir also die Situation auf der einen Seite Familienpartnerschaften mit großen Problemen.
00:42:42: Auf der anderen Seite bist du die Antworten hat die Leute erleichtern kann weil sie zum Beispiel Schuldgefühle wegnimmt und irgendwie auch noch ein Weg parat hat.
00:42:51: Wie nehmen dich die Menschen wahr?
00:42:55: Es ist erstmal eine ganz große Dankbarkeit.
00:42:59: Auch da, dass man sagt Mensch... Hier gibt es tatsächlich endlich einen Raum wo ich mal all diese Dinge loswerden kann weil in dem normalen Umfeld also familiefreundeskreis geht es halt häufig eher darum so nach dem Motto man bekommt dann eine ganze Menge Ideen und guter Ratschläge was man doch jetzt einfach mal so machen muss, damit es besser wird.
00:43:23: Also das ist ... So nach dem Motto wenn der doch so traurig ist er muss doch einfach mal was an die frische Luft.
00:43:29: Ja!
00:43:31: Und sich da nicht hier tatsächlich einen Raum zu haben wo man erstmal von dieser Art Unterstützung auch bewahrt wird.
00:43:41: Wo man sagen kann okay wir schauen jetzt erst einmal hin Was braucht's jetzt in diesem Moment?
00:43:48: um überhaupt im Kontakt zu bleiben.
00:43:50: Und das heißt, man muss sich hier nicht erklären, wieso bestimmte Dinge einfach jetzt im Moment nicht möglich sind.
00:43:58: Also man kommt aus dem Rechtfertigungstruck raus und hat hier erst mal einen Raum wo man selber auch gehört wird und wo man sich auch mal gestatten darf... also ich habe eine ganze Menge Spezialwerkzeug in Form von Taschentücher und anderen Sachen dabei, wo man auch erstmal bestimmte intensive Gefühle auch erstmal rauslassen darf sei es Trauer, sei es Wut eben auch tatsächlich Wut auf die Erkrankung oder auch auf den Betroffenen.
00:44:23: Die man ja jetzt auch nicht mal eben so der Schwiegermutter erzählt, boah ich bin so stinke wütend auf deinen depressiven Sohn und man sagt okay das ist jetzt auch das beste Gespräch für einen Sonntag Nachmittag.
00:44:38: also da eben auch zu sagen sie tatsächlich auch hier mal offen mit bestimmten Themen auslassen zu dürfen, die jetzt nicht ganz zusammenfähig sind im Freundes- und Familienkreis.
00:44:50: Und da erlebe ich halt die Angehörung wirklich als sehr dankbar, dass sie diesen Raum so nutzen dürfen.
00:44:58: Was macht das denn mit dir?
00:44:59: Wenn du siehst okay, das greift, da etablieren sich diese kleinen anderen Sichtweisen, einfach Routinen, die du vielleicht mit den Leuten erarbeitet hast und das funktioniert.
00:45:16: Was macht es mit dir?
00:45:17: Das ist... Ich sag hier immer, ich hab den schönsten Job im ganzen LVR verboten.
00:45:22: Und das ist eins der Gründe dafür, dass sich sagen kann wow also diese zu erleben wie bei einer Familie wo es droht, dass der Kontakt abbricht.
00:45:32: Wo Menschen absolut überfordert sind mit der Situation und dass dann so Mini Momente plötzlich möglich sind.
00:45:39: Dass halt mir eine Mutter mit rennenen Augen erzählt, ich hatte ein Gespräch da war wieder... Da hat wieder mein Kind durchgeschimmert Da hatte ich nicht den Kontakt zu der Erkrankung, sondern das war wieder ein Gespräch mit meinem Kind.
00:45:55: Oder eben so sehen wie ganz kleinen Schritten ... Ich feier die!
00:46:03: Ich feier die nach wie vor.
00:46:05: Und das ist eben auch das Schöne an diesem Beruf natürlich, ich gebe ja auch Kose zu diesen psychischen Erkrankungen und bin ja schon eine Weile in unterschiedlichen Psychiatrien unterwegs.
00:46:16: Trotzdem ist bei jeder Familie was Neues und was Besonderes dabei wo man sagen kann so wow!
00:46:21: Also das zu erleben und zu merken da ist noch so viel möglich... Das macht einfach diesen Job so wertvoll und besonders für mich.
00:46:32: Du wirkst auf jeden Fall so, als würd dich das total erfüllen deiner Arbeit und dass es schön zu sehen.
00:46:36: Danke schön!
00:46:38: Es gibt in diesem Podcast ja auch den Teil wo wir ein bisschen raussuben und auf die Gesellschaft schauen.
00:46:42: Reden wir als Gesellschaft im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen zu wenig über Angehörige?
00:46:50: Ja Oder ist es okay, dass erstmal der Fokus auf der Person liegt, die auch erkrankt ist?
00:46:55: Ich finde, es ist das.
00:46:55: Wir reden deswegen zu wenig darüber weil es meiner Meinung nach eine Illusion ist dass wir psychische Erkrankungen ohne die Familien überhaupt therapieren können.
00:47:09: Ja
00:47:10: also da das tatsächlich so aus so zu trennen.
00:47:13: das ist ein ganz wichtiger Baustein der im Genesungsprozess fehlt und deswegen finde ich ist das in meiner Welt mit meiner Erfahrung möchte ich mal behaupten, ist eine wirkliche Stabilisierung ohne das Umfeld mit einzubeziehen überhaupt nicht möglich.
00:47:32: Und deswegen finde ich, kannst du ein ganz klares Ja von mir?
00:47:40: Du bist ja jetzt tatsächlich mit sehr vielen Menschen im Kontakt.
00:47:43: Warum sind psychische Erkrankungen häufig noch so Tabuthemen?
00:47:46: Was nimmst du da wahr?
00:47:50: Erlebe es häufig, dass es psychische Erkrankungen gehen, halt nochmal anders mit uns in Resonanz.
00:47:57: Also das triggert ja auch eigene Unsicherheiten und eigene Ängste.
00:48:05: Dadurch man auch nicht richtig weiß oder es nicht richtig sehen kann ist es eben auch häufig so nach dem Motto okay... Damit will ich erstmal auch nichts zu tun haben.
00:48:15: Also geht es mal ganz platt gesagt, dass die Befürchtung wenn jemand sich im Bein gebrochen hat das ich einfach durch den Kontakt, dass mir das auch wieder fahren könnte ist ja relativ gering.
00:48:26: Kann man
00:48:27: quasi ausschließen?
00:48:28: Genau!
00:48:29: Aber eben zu sagen okay bestimmte Dinge so nach dem Motto wie... Inwiefern könnte es mich selber auch betreffen?
00:48:42: Also diese eine Sorge ist halt da, dass man halt sagt beziehungsweise okay alle psychischen Erkrankten.
00:48:50: Da geht ja ne Gefahr von aus bis nach wie vor also jetzt in letzter Zeit mit schwierigen Berichterstattung über Amokläufe oder sonst was.
00:49:02: Das ist einfach Ja, es ist schon zu einem sehr verzerrten Bild für psychische Erkrankungen gekommen.
00:49:14: Das finde ich macht das einfach mit der Umgang mit der Gesellschaft schwierig plus die Tatsache dass wir ja auch eher so die Tendenz haben, dass wir alle funktionieren dürfen.
00:49:26: Na, also so dieses in den Fällen ist unsere Gesellschaft einfach sehr viel schneller und hektischer geworden.
00:49:33: Und da bremst du psychische Erkrankung eben uns alle ein wenig aus und dazu sagen okay inwiefern hat das hier überhaupt einen Raum?
00:49:42: Das bedeutet wenn ich das jetzt runterbreche wir brauchen alle einfach mehr Wissen über psychische erkrankungen und über die Funktionsweisen damit man es besser einordnen kann was sich so beobachtet habe im Bekanntenkreis, vielleicht teilweise auch bei mir ist das in dem Moment wo man hört dass jemand eine Depression hat oder irgendwas was psychische Erkrankheit ist und man überlegt sich schreibe ich der Person jetzt.
00:50:08: Dass da so ein... Da wird eine Stufe mehr in die Gedanken eingebaut indem man sich dann fragt hilft das jetzt gerade?
00:50:14: Was soll ich denn sagen?
00:50:16: mach' ich's damit noch schlimmer?
00:50:18: ist sie jetzt gerade aufnahmefähig und so?
00:50:20: Man isst nicht mehr so Natürlich, wie man das vorher war und denkt, oh ja ich schreib da jetzt einfach hin.
00:50:26: Was sagst du Leuten die sich in dem Moment eben genau diese Gedanken machen?
00:50:30: Ja also es ist diese Frage mit Ich will ja nichts Falsches machen!
00:50:34: Ich möchte ja nicht falsch sagen, deswegen sage ich lieber nix.
00:50:37: Also zum einen kann durch den Satz eine psychische Erkrankung verschlimmern oder auslösen dass was allerdings eine psychische Erkrankung durchaus verschlimmern kann, ist Isolation.
00:50:53: Und das ... Das ist etwas, was ... Es gibt keine Erkran- kungen wo man sagt okay da hat Isolatio geholfen.
00:50:59: im Gegenteil.
00:51:00: und dazu sagen es geht nicht darum, dass jetzt den perfekten Satz sagst sondern dass du halt schaust in welcher Art von Begegnung wäre im Moment auch für dich machbar?
00:51:14: Und möglich!
00:51:16: Und dazu sagen, okay wir schauen mal welche Wege der Kontaktaufnahme ist tatsächlich jetzt auch von den Angehörigen her etwas was sie leisten können und möchten.
00:51:29: Und es auf jeden Fall für den Betroffenen hilfreich.
00:51:33: Und da eben auch nochmal zu sagen Es geht nicht darum dass man jetzt sagt Okay wenn ich jetzt was schreibe oder sage erwarte ich dann eben auch das sobald bei WhatsApp die Häkchen blau sind, als ich dann sofort auch eine Nachricht bekomme dazu sagen ist.
00:51:49: Die Kommunikation mit psychisch Erkrankten hat noch mal ne andere Frequenz.
00:51:56: und dann auch zu sagen es bis bestimmte Antworten kommen das sind andere Zeitfenster mit denen wir jetzt hier reden und es geht jetzt gar nicht darum dass es jetzt die perfekte Kommunikations ist sondern einfach zu sagen wir brechen Kommunikation so runter, dass wir sagen können.
00:52:16: Wir bleiben im Kontakt eine Kontaktaufnahme ist es und nicht unbedingt etwas wo man sagt das sind jetzt die tiefschürfnsten Gesprächen gerade bei einer Psychose.
00:52:25: Es ist ja ohnehin so, dass was gesprochen wird eher auch etwas ist um mit sich selber in Kontakt zu kommen, dass es gar nicht um den Dialog geht.
00:52:35: Da kann man überhaupt nicht richtig darauf antworten.
00:52:40: Das sind eben so bestimmte Bausteine, die enorm wichtig sind bei den unterschiedlichen Erkrankungen.
00:52:45: Welche Art von Beziehungsgestaltung ist auch mit der psychischen Erkranke auf jeden Fall möglich und dann auch enorm hilfreich?
00:52:54: Ja also letztlich auch die Bewertung daraus nehmen, dass die Art und Weise wie man die letzten zwanzig Jahre kommuniziert hat einfach beiseite schieben und sagen das ist jetzt was Neues.
00:53:04: Und wenn es einfach länger dauert, dann ist das jetzt gerade so.
00:53:07: Nach all den Jahren in der Psychiatrie und in dieser angehörigen Arbeit was hast du über den Menschen gelernt?
00:53:13: Das ist den einen Weg gar nicht gibt.
00:53:18: Also im Umgang oder den einen Menschen als solches natürlich habe ich schon unglaublich viele Menschen, wo man sagt da ist die Depression mit dabei, da is die Psychose mit dabei und das ist immer anders!
00:53:28: Es ist immer anders, diese spannende Vielfältigkeit dabei zu entdecken und zu merken.
00:53:34: Wie können wir jetzt einen individuellen Fahrplan mit jedem einzelnen Menschen auch machen?
00:53:41: Natürlich gibt es Richtigen die sollte man bitte schon einhalten wie man bestimmte psychische Erkrankungen behandelt.
00:53:48: aber zu sagen ja aber bei jeder Erkrankung ist nochmal da diese Individualität und so zu gucken was braucht tatsächlich diese Person, was braucht diese Familie im Umgang mit dieser
00:54:01: Erkrankung?
00:54:03: Und wie schön Individualität dann auch wirklich ist.
00:54:06: Gerade in der Psychiatrie!
00:54:09: Wir geht's... Ich kann mir vorstellen dass vielleicht die eine oder andere Personen zu Hause jetzt gerade eingeschaltet hat weil sie sich fragt wie geht es denn eigentlich weiter bei uns.
00:54:17: Vielleicht gerade irgendwie auch an so einem Punkt ist wo man sagt ich weiß nicht mehr wie es weitergehen soll wenn du Jemandem im Begegnis, der genau das gerade empfindet.
00:54:28: Welchen Gedanken würdest du der Person mitgeben?
00:54:37: Ich würde die Person erst einmal in den... Also häufig ist ja diese, ich weiß nicht mehr wie es weitergeht dieses Sorgen machen um die nächsten Schritte.
00:54:49: Also das ist halt so dieses große, okay hier muss jetzt was ganz Großes passieren und dass wir das Ganze erstmal runterbrechen.
00:54:55: So nach dem Motto ok was macht den Moment die Überforderung aus?
00:54:59: Das ist einfach von diesem großen... Also alles, was so überfordern und riesengroß ist.
00:55:05: Dass wir das ein wenig kleiner zusammenfassen und sagen okay wie können wir das Ganze jetzt so bündeln?
00:55:11: Dass wir sagen können okay was ist im Moment das, was am meisten Kraft- und Energie raubt?
00:55:16: und wo können wir da tatsächlich eine Miniveränderung reinbringen.
00:55:22: Das heißt erstmal dieses Mitbring von.
00:55:29: Also einer meiner Lieblingssprüche standen wir auch in meinem alten Brust von Oscar Wilde.
00:55:34: Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist das noch nicht das
00:55:36: Ende.".
00:55:37: Das meinte ich halt mit dieser Hoffnungsgeberin, dass man sagen kann okay im Moment, dass sie sich scheiße fühlen, Sie machen alles richtig, Sie begleiten eine Akkutsituation und da fühlt man sich so.
00:55:49: Und dazu sagen aber gemeinsam gucken wir ja wie Sie mit Ihrem Angehörigen aus dieser Akkursituation rauskommen und woran würden Sie den ersten Mini-Schritt erkennen?
00:55:58: dass wir auf einem guten Weg sind.
00:56:01: Und da einfach wieder auch zurück aus diesem, oh Gott, das erschlägt mich alles.
00:56:05: Erst mal sortieren und gucken was braucht es in diesem Moment?
00:56:10: Okay also der Podcast steht unter dem Motto sinnvoll in jeder Beziehung.
00:56:14: wie würdest du diesen Satz mit Leben füllen wenn's um die Angehörigenberatung geht?
00:56:20: Insofern ist es sinnvoll an jeder Beziehung, dass in jedem Gespräch dabei herum kommt.
00:56:27: ich muss diesen Weg nicht alleine gehen.
00:56:29: Es ist schwierig, aber es ist insofern...es ist schwierig.
00:56:33: Es ist herausfordernd und hier in der Angehörigenberatung bekomme ich vermittelt und auch ganz klar signalisiert, dass ich damit nicht alleine bin.
00:56:47: Also das heißt dieses Sinnvollen sofern, dass es halt stärkend unterstützend ist und eben das Gefühl von Isoliertheit und Hoffnungslosigkeit nimmt
00:56:59: Dass man den Weg zusammengeht, dass man sich an die Hand nimmt und zusammen die Schritte v.a.
00:57:04: ersetzt.
00:57:05: Genau!
00:57:06: Und zum Schluss kriegt man auf jeden Fall immer noch auch wenn man möchte die Psychiatrie ADAC-Karte.
00:57:12: Das ist meine Visitenkarte so was man sagen kann okay unabhängig wann sie sich melden möchten das Sie können tun ob es jetzt morgen ist in einer Woche in einem Monat in einem Jahr dass man halt weiß wir wissen nicht wie die Erkrankung sich weiterentwickelt aber ich weiß an wen ich mich wenden kann wenn nochmal etwas sein sollte.
00:57:29: Ja, Birgit eine letzte Frage habe ich noch.
00:57:32: Was lernt man über Hoffnung wenn man Familien über so viele Jahre begleitet?
00:57:38: Das ist ja also Hoffnung als solches die das es etwas sehr reales und wunderschönes ist gerade in der Begleitung mit Familien die ja häufig in dieser Situation zu mir kommen, dass sie in einem Tunnel stehen der links und rechts zugemauert ist.
00:57:58: Und dass wir durch diese gemeinsamen Gespräche, durch die Begleitung merken wie man einen Stein nach dem anderen herausnehmen kann und wieder Licht reinkommt.
00:58:09: Das ist für mich halt ... Ja!
00:58:13: Weil meine tägliche Arbeit, wo man sagen kann okay Hoffnungsspenderin und Hoffnungsweitergeberin.
00:58:19: Und das spüre ich halt hier mit jedem Gespräch dass es halt ein Unterschied gibt von dem Beginn des Gesprächs und wie die Leute hier den Raum verlassen immer mit einer Prise hoffnungs-LVR Sternstaub.
00:58:37: Einige beschreiben die Sorge um die Gesundheit eines Menschen, der einem sehr viel wert ist als viel schlimmer und größer als die Sorgung um die eigene Gesundheit.
00:58:45: Und genau deswegen ist es so wichtig wenn es um psychische Erkrankungen geht nicht nur den Patienten oder die Patientinnen im Blick zu haben sondern auch die Menschen mit aufzufangen die mit der Person durch dick und dünn gehen und wie das geht was das bedeutet und mit welchen Angeboten die LVR-Klinik in Bonn das angeht.
00:59:01: Das hat uns Birgit Esch heute erzählt.
00:59:03: Schön dass du da warst.
00:59:04: Danke für das Gespräch.
00:59:05: Ja vielen Dank, dass ich hier sein dürfte.
00:59:08: Ich hatte ja zu Beginn gesagt die meisten sagen es sind erstaunt wenn ich von meinem Beruf erzähle... dass sie sagen, Sie wissen gar nicht das es mich gibt.
00:59:17: Insofern vielen Dank, dass du mir geholfen hast, dass jetzt sehr viel mehr Leute wissen, dass es mich geht und das ist das Angebot bei uns in
00:59:23: der L-File.
00:59:23: Da bin ich gespannt ob das Telefon jetzt im nächsten noch häufiger klingelt und du noch mehr E-Mails bekommst weil alle Leute diesen Podcast gehört haben.
00:59:30: Das würde mich natürlich freuen Und tatsächlich muss ich sagen Es macht auch was mit mir Was Du heute alles so erzählt hast.
00:59:35: wahrscheinlich Weil jeder der sich mal richtig Sorgen um jemanden gemacht hat einfach auch weiß wie herausfordernd und belastend all diese Gedanken sein können die in einer solchen Situation durch den eigenen Kopf schwirren.
00:59:46: und von daher vielen, vielen Dank für deine Arbeit und deinen Impact auf die Welt.
00:59:50: Und dass du wirklich dafür sorgst, dass es Menschen besser geht!
00:59:53: Das ist toll!
00:59:54: Vielen, vielen dank!
00:59:57: Und beim nächsten Mal geht's richtig in die Praxis.
00:59:59: Leute.
01:00:00: ich freue mich auf Oliver Schulz Pflegefachkraft in der LVR Klinik in Düren und mit dem zusammen schauen wir hinter die Türen der geschlossenen Stationen.
01:00:09: wie sieht der Alltag aus?
01:00:10: was müsst ihr mitbringen wenn ihr dort auch hin wollt?
01:00:14: Was müsst ihr mitbringen, wenn ihr dort auch arbeiten wollt?
01:00:17: Dann hört einfach am zweiten Dienstag im August wieder rein hier bei Seelenarbeit.
01:00:21: Und bis dahin vertreibt euch am besten die Zeit!
01:00:23: Mit einer unserer anderen Folgen.
01:00:25: in der letzten Folge war Esther Grell zu Gast Pflegedienstleitung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und hat mir erzählt wie multiprofessionelle Zusammenarbeit funktioniert.
01:00:34: Wie schafft man es dass alle Rädchen ineinandergreifen um am Ende die bestmögliche Behandlung Zug garantieren.
01:00:40: Einfach kurzer Rundenscrollen in eurer Podcast-App und die Folge jetzt als nächstes starten!
01:00:46: Und wenn ihr sowieso gerade das Smartphone in der Hand habt, dann folgt Seelenarbeiter einfach direkt auch damit ihr keine Folge mehr verpasst.
01:00:52: und alle LVR Updates gibt es natürlich für euch auf den sozialen Kanälen des LVR zum Beispiel bei Instagram.
01:00:59: Leute schön dass ihr heute mit dabei wart.
01:01:01: ich bin Daniel Spingenhoier.
01:01:02: bis nächsten Monat tschüss.
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