Folge 15 – Ein Blick hinter die geschlossenen Türen einer Psychiatrie

Shownotes

Viele Menschen verbinden mit Psychiatrie noch immer Bilder, die längst nicht mehr der Realität entsprechen. Doch wie sieht der Alltag auf einer Akutstation wirklich aus? Was macht psychiatrische Pflege aus und warum spielt die Beziehung zu Patient*innen dabei eine so wichtige Rolle?

In dieser Folge spricht Moderator Daniel Schwingenheuer mit Oliver Schulz, Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Station 11a der AP III (Allgemein-psychiatrie 3) der LVR-Klinik Düren. Er gibt persönliche Einblicke in seinen Berufsalltag und erzählt, warum ihn die Arbeit in der Psychiatrie seit Beginn seiner Ausbildung begeistert.

Offen berichtet er von den Herausforderungen und schönen Momenten seines Berufs, erklärt, warum Vertrauen und Teamarbeit unverzichtbar sind und weshalb moderne psychiatrische Pflege weit mehr bedeutet als medizinische Versorgung. Dabei geht er unter anderem darauf ein:

  • Wie der Alltag auf einer psychiatrischen Akutstation wirklich aussieht
  • Welche Vorurteile über Psychiatrie bis heute bestehen und warum sie nicht der Realität entsprechen
  • Warum Beziehungsarbeit die Grundlage erfolgreicher psychiatrischer Pflege ist
  • Welche Rolle Erfahrung, Empathie und Teamarbeit im Umgang mit psychischen Krisen spielen
  • Wie Auszubildende an die Arbeit in der Psychiatrie herangeführt werden und welche Unterstützung sie erhalten
  • Warum Aufklärung dabei hilft, Ängste und Stigmatisierung rund um psychische Erkrankungen abzubauen

Ein Gespräch, das zeigt: Wer hinter die Türen einer psychiatrischen Klinik blickt, entdeckt engagierte Teams, intensive Beziehungsarbeit und einen Beruf, der Sinn stiftet.

Für alle, die mehr über psychiatrische Pflege erfahren möchten, Berührungsängste abbauen oder einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag einer Akutstation erhalten möchten. Jetzt reinhören!

Triggerwarnung: In diesem Podcast sprechen wir über psychische Erkrankungen. Wenn dich diese Themen belasten könnten, höre bitte achtsam zu und hol dir professionelle Unterstützung, wenn du sie brauchst.

**Tipp: **Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag im Monat. Jetzt abonnieren – und keine Folge verpassen! Weitere Infos: www.sinnvoll.lvr.de

Du hast Feedback, Fragen oder Anregungen zu unserem Podcast? Dann schreib uns gerne unter seelenarbeit@lvr.de

Transkript anzeigen

00:00:00: Also jeder Tag ist anders, besonders weil jeder Patient der zu uns kommt bringt er seine eigene Geschichte mit.

00:00:05: Das ist auch immer das, was mich sehr gerade bei uns auf der Akkutsstation fasziniert, weil dasselbe Krankheitsbild kann unterschiedlich ausgeprägt sein und durch die Geschichte des Patienten, die da halt mitbringt.

00:00:16: Willkommen bei Seelenarbeit dem Psychiatrie Podcast aus dem LVR-Klinikverbund!

00:00:21: Echte Geschichten, ehrliche Einblicke von Menschen, die mit Herz in der Psychiatie

00:00:25: arbeiten.

00:00:26: Unser Ziel Vorurteile abbauen Einblicke geben und den Menschen hinter dem Beruf sichtbar machen.

00:00:31: Denn Seelenarbeit beginnt mit echten Geschichten, und hier erzählen wir sie!

00:00:46: Folge fünfzehn von Seelenarbeit und heute wird es richtig hands on.

00:00:50: Einige von euch hören ja auch zu, weil sie gerade zum Beispiel noch zur Schule gehen und den Arbeitsort Psychiatrie irgendwie spannend finden und sich gleichzeitig aber noch sehr wenig darunter vorstellen können wie eigentlich genau der Berufsalltag in einer modernen Psychiatie so abläuft.

00:01:05: Ich freue mich dass wir da viele offene Fragen rund um die Pflege heute beantworten werden.

00:01:09: Es geht um die Arbeit auf eine Akutstation Umfragen Wie gehe ich eigentlich mit Vorurteilen um und wie leite ich andere in der Praxis am besten an?

00:01:19: Ich bin Daniel Schwingenheuer, ich moderiere diesen Podcast für euch.

00:01:22: Und freue mich über den Besuch von Oliver Schulz, Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Station LVA, der Allgemeinpsychiatrie drei der LVR Klinik in Düren.

00:01:32: Schön, dass du da bist Olli!

00:01:33: Ja,

00:01:33: hi Daniel, schön, dass ich dabei sein darf.

00:01:35: Diese Station LVA, worum kümmert die sich vorrangig?

00:01:43: Also im Endeffekt sind es Menschen, die in einer akuten Krise stecken.

00:01:47: Eine akuten psychischen Krise und die Aufgabe bei uns besteht vordergründlich darin sie in dieser Krise abzufangen.

00:01:55: wir nennen das immer ganz gerne die Akute Krisenintervention.

00:01:58: also wir intervenieren die Krise Und meistens geht's dann darauf hinaus dass die Patienten bei uns medikamentös eingestellt werden und dann entweder auf einer weiterführenden Station weiterbehandelt werden oder halt auch von uns aus wieder nach Hause gehen können.

00:02:12: Ihr könnt euch vorstellen, Leute wir gehen heute tief ins Thema.

00:02:15: es werden sehr sensible Dinge besprochen rund um psychische Erkrankungen.

00:02:19: bitte wenn euch solche inhalte emotional belasten dann hört nur weiter zu wenn ihr euch aktuell stabil fühlt oder gemeinsam mit einer vertrauensperson und zögert auch niemals professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

00:02:32: Olli du bist sieben zwanzig Jahre alt und gleichzeitig Hast du schon so viel Berufserfahrung?

00:02:37: Direkt nach der Elftenklasse bist du ins Berufsleben gestartet.

00:02:40: Du hast eine Ausbildung gemacht zum Gesundheits- und Krankenpfleger, die hast du dann im Jahr zwei Tausend neunzehnt abgeschlossen.

00:02:45: Seitdem arbeitest du auch auf dieser Station FAA.

00:02:48: Im Jahr zwanzig bis zu da noch Praxisanleiter geworden und als solcher begleitest du eben inzwischen auch auszubildende im Stationsalltag und führst auch Schülerinnen Gespräche.

00:02:59: Viele Dinge über die wir heute mehr erfahren werden hier in diesem Podcast.

00:03:04: Du kennst vielleicht unsere Kennlernkategorie hier bei Seelenarbeit zu Beginn.

00:03:09: Es gibt eine Schnellfragerunde, deine Aufgabe ist jetzt erst mal so kurz wie möglich auf drei Fragen zu antworten.

00:03:17: Bist du ready?

00:03:17: Ich

00:03:18: bin beim Bestes!

00:03:20: Frage eins was hat dich als du deiner Ausbildung begonnen hast am meisten an der Psychiatrie fasziniert?

00:03:27: also ich glaube im Endeffekt was mich fasziniert hat War natürlich erstmal, es war ja für mich alles unbekannt.

00:03:35: Ich kann natürlich direkt aus der Schule und da ich glaube dass man sie nicht nur körperlich behandelt sondern halt zu versteht wie die Menschen denken fühlen und warum Sie so handeln und das war schon sehr faszinierend wo ich sehr schnell gemerkt habe Ja das ist das was mit Interesse weckt.

00:03:52: Wir haben direkt drei weitere Fragen im Kopf aber wir machen erst mal weiter mit Frage zwei.

00:03:58: Welches Wort beschreibt dein Arbeitsalltag am besten?

00:04:01: Beziehung, beziehungsarbeit.

00:04:03: Ich glaube das ist das Wort was sehr gut auf unsere Arbeit trifft.

00:04:07: ja die Beziehungsarbeit.

00:04:09: und die dritte Frage Was macht für dich gute Pflege aus?

00:04:14: Menschen auf Augenhöhe zu begegnen ich glaube menschen da abzuholen und im Endeffekt Ja ihnen das Gefühl zu geben Verständnis entgegenzubringen Das ist das ja

00:04:29: Du hast sich damals mit mit acht zehn beziehungsweise wahrscheinlich viel früher dafür entschiedene ausbildung zum pflege zu machen.

00:04:35: mit achten hast du sehr begonnen.

00:04:37: also das flößt mir erst mal generell ganz großen respekt ein.

00:04:41: weißt du noch wann du dich dafür entschieden hast?

00:04:46: das ist eine gute frage.

00:04:47: ich war ich war ja noch in der schule und ich hatte plötzlich großes interesser halt am berufsleben.

00:04:52: und dann habe ich halt überlegt so ja was will ich machen wohin will ich gehen?

00:05:00: Das kam dann dadurch, dass ich ja hier in der ländlichen Region wohne und die LVR-Klinik jetzt nicht allzu weit weg war.

00:05:05: Dass sich halt gedacht habe, ja... ...die Psychiatrie da ist eine Interesse da!

00:05:11: Und ich hatte halt mitbekommen das da halt auch von der Klinik selber die Pflegeschule angeboten wurde, die Ausbildung dazu machen und bin dann mehr oder weniger genau da hingerutscht.

00:05:27: Sag mal, so rückblickend.

00:05:28: Wie viel wusstest du über die Psychiatrie?

00:05:30: Als du damals gesagt hast ich macht das jetzt

00:05:33: tatsächlich gar nichts.

00:05:35: natürlich Hier und da hat man immer wieder auch bei uns hier auf dem Dorf fast davon gehört.

00:05:40: und aber Das im Endeffekt die Realität ist dann doch immer eine ganz ganz andere.

00:05:46: Und ja das wird mir relativ schnell bewusst Aber ich habe es wie gesagt keine Sekunde bisher wollte

00:05:54: Ja an welchen Punkten wurde das bewusst?

00:05:56: Ich glaube In dem Moment, als mir die ersten Patienten wir hatten damals also in der Ausbildung begangen.

00:06:02: So gesehen meine meine Lehre begangen damit dass ich in der Grundoppsychiatrie angefangen habe.

00:06:09: Das

00:06:09: sind ganz kurz um das zu erklären für diejenigen die das Wort jetzt gar nicht beraten haben.

00:06:13: das sind Krankheiten des Alters quasi Demenz.

00:06:16: Genau ähm ältere Patient

00:06:19: und

00:06:19: da wurden wir ein halbes Jahr eingesetzt Da bin ich das erste Mal mit psychischen Erkrankungen.

00:06:28: Da sind sie mir als erstes begegnet und damit war ich erstmal überfordert, aber auch da habe ich gemerkt dass es ein Rieseninteresse ist zu sehen wie sich im Verlauf der Behandlung der Mensch doch wieder stabilisiert in einer gewissen Form.

00:06:51: Und das ist dann schon, wo ich immer wieder gesagt habe okay das ist das Richtige was ich gerade tue.

00:06:59: Man hat es umgefragt, was von deiner Vorstellung der Psychiatrie damals hat sich denn bewahrheitet?

00:07:03: Was war denn genauso wie du dir das vorgestellt hast?

00:07:08: Es ist eine gute Frage!

00:07:10: Ich glaube also natürlich wenn man so am Psychiatri denkt oder denkt man ja ganz oft an geschlossene Türen ein Zwang Das sind alles so Vorurteile oder auch Bilder, die man im Kopf hat geprägt durch Film und Fernsehen.

00:07:30: Natürlich sind die Türen... das wurde mir natürlich schnell bewusst, weil auf der Station wo ich war, also wo ich angefangen habe damals, auch da waren die Türe geschlossen.

00:07:39: Und das ist erstmal ein bisschen ... Ja, das ist schon ein bisschen erschreckend im ersten Moment.

00:07:45: Aber im zweiten Moment wenn man mal weiter darüber nachdenkt und den Sinn dahinter versteht.

00:07:50: Warum vieles auch so ist?

00:07:52: Da ist zwar einerseits wo ich sage okay dieses Vorurteil von geschlossenen Türen ja es gibt es nur die Geschlossene Tür.

00:07:58: Das ist einfach ein Fakt.

00:07:59: aber es ist halt nicht nur die geschlossenen Tür sondern der Sinne hinter denen zu verstehen.

00:08:05: Ich glaube dass hat auch so ein bisschen meine Sicht auf die Psychiatrie verändert.

00:08:11: ist glaube ich ein ganz wichtiger Punkt, den wir noch mal unterstreichen können.

00:08:13: Es geht natürlich nicht darum Menschen einfach irgendwie einzusperren sondern es hat halt einen Sinn und letztendlich dann in dem Moment auch um die Menschen erstmal zu beschützen und sobald sie dann stabil sind gehen die Töne natürlich so schnelles geht auch wieder auf.

00:08:26: Ja

00:08:26: genau absolut!

00:08:28: Und das geht sich halt nicht darum dass Menschen einfach weggesperrt werden.

00:08:32: Moderne Psychiatrie ist halt ganz anders.

00:08:34: Das ist eine Zieharbeit und Therapie auf so vielen Ebenen.

00:08:39: Dieser Podcast ist ja auch für Leute da, die sich so ein bisschen orientieren wollen.

00:08:43: Beschreib doch einfach mal eure Stationen für Personen, die noch nie eine psychiatrische Einrichtung von ihnen gesehen haben.

00:08:49: Also jetzt unsere Station selber ist ein Ort für Menschen, die in einer akuten psychischen Krise stecken.

00:08:56: und das manche Patienten bei uns sind freiwillig, sprich die unterschreiben im Endeffekt dass sie sich freiwilliger auf eine geschlossene Station begeben.

00:09:06: Wir haben auch Patienten, die gegen ihren Willen also nach dem psychisch-kranken Gesetz bei uns untergebracht werden.

00:09:15: Die kommen dann zu uns und da kommt dann innerhalb von vierundzwanzig Stunden ein Richter und wird halt über den... Über die Länge der Behandlung bei uns gesprochen.

00:09:25: wie lang muss der Patient bei uns bleiben?

00:09:26: Das ist aber dann auch immer die längste Frist!

00:09:29: Und dann gibt es halt auch Patienten im Rahmen von einer betreuungsrechtlichen Unterbringung, sprich dass der Betreuer im Endeffekt anregt eine psychische Behandlung.

00:09:41: Und ja das Ziel ist immer dasselbe.

00:09:44: also wir haben immer das Ziel Sicherheit zu schaffen und Sicherheit für den Patienten einfach einen gemeinsamen Weg zurück in den Alltag zu finden.

00:09:54: Wenn du diesen Ort beschreiben würdest, ne?

00:09:56: Wie stelle ich mir das vor?

00:09:57: Ist es wie so ein Krankenhausflur links und rechts im Zimmer.

00:10:00: Und zwischendurch gibt's irgendwie noch mal so einen Behandlungsraum.

00:10:03: oder wie sieht das aus?

00:10:04: Also unsere Station selber ist... sich beschreibt das immer ganz schönes aufgebaut wie ein Vier-Eck.

00:10:11: Wie ein Rechteck.

00:10:13: Sprichst wir haben.

00:10:14: am Endeffekt können die Patienten sich so gesehen bei uns im Vier Eck bewegen.

00:10:19: Das heißt sie stoßen nie gegen eine Mauer Und gleichzeitig haben wir einen Innenhof, den können die Patienten dann auch über den Tag hinweg nutzen.

00:10:28: Das heißt sie haben auch nicht das Gefühl Sie sind nur drin eingesperrt sondern kriegen auch durch den Innenhof das Gefühl eine gewisse Freiheit zu haben.

00:10:41: und im Endeffekt geht es sich darum diese intensive Krise des Patienten abzufangen.

00:10:47: Ja, da sind wir bei der Akutstation.

00:10:49: Was bedeutet das denn eigentlich genau?

00:10:50: Akut station

00:10:52: ja.

00:10:52: im endeffekt ist ja.

00:10:52: die akut station ist ja Genau das was ich eben auch gesagt hatte dass wir nur diese akute krise Die akute psychische krise in den wir patient halt als steckt dass wir die schon Schon abfangen und am endeffek brauchen.

00:11:07: die patente bei uns sind kurzfristig Intensive betreuung.

00:11:11: und halten sie dann auch von uns

00:11:14: ja Mal ganz konkret, mit welchen Krankheitsbildern kommen Menschen dann zu euch?

00:11:19: Sehr häufig sind das Depressionen.

00:11:23: Die Schizophrenie begegnet man bei uns.

00:11:26: Bipolare Störungen.

00:11:28: Patienten die Suizid Gedanken haben, die nach einem Suizideversuch zu uns kommen.

00:11:36: Aber klar, dadurch ist natürlich auch jeder Tag anders.

00:11:41: Da habe ich gerade auch so drüber nachgedacht, eine richtige Normalität gibt es dann nicht.

00:11:45: Oder wird die Krise irgendwann einfach wirklich zur Normalität?

00:11:48: Und letztendlich ist das was die Tage unterscheidet wie viele Krisen man

00:11:52: unterstützt

00:11:53: hat behandelt.

00:11:54: Ja

00:11:54: genau, jeder Tag ist anders besonders weil jeder Patient der zu uns kommt bringt er seine eigene Geschichte mit und das ist auch immer das glaube ich was mich sehr auch gerade bei uns auf der Akkutsstation fasziniert.

00:12:09: Das selbe Krankheitsbild kann unterschiedlich ausgeprägt sein durch die Geschichte des Patienten, die der halt mitbringt.

00:12:17: Und da sind wir dann auch wieder bei der Beziehungsarbeit, dass wir den Patienten immer genau da abholen wo der Patient gerade steht.

00:12:27: Wie wichtig ist denn die Beziehung?

00:12:30: Einordnen.

00:12:31: Sehr sehr wichtig, also Beziehungsarbeit Patienten auf Augenhöhe zu begegnen und gerade so die Beziehung Arbeit in Sinne von Nähe des Tanz wie begegnet wo ich den Patienten ab das ist schon schon schon sehr sehr wichtig.

00:12:50: Na ja Die Beziehungen die ich zum Patienten in dem Moment führe ist ja Ich lerne den Patienten kennen und er lehnt mich kennen Und gerade geht sich da ja auch um Vertrauen.

00:13:01: Der Patient braucht ja auch Vertrauen zu uns, Vertrauen in dem was wir tun und wir geben den Patienten dadurch dann auch Sicherheit.

00:13:08: Gerade weil für den Patienten das natürlich auch überwältigend ist.

00:13:10: Ich meine, wir kriegen auch immer wieder Patienten die zum ersten Mal bei uns sind und ganz oft begegnlichter Patienten, die eingeschüchtert sind.

00:13:19: Weil sie natürlich auch bei uns auf Station Patienten begegnen, die sie so von draußen nicht kennen da dem Patienten trotzdem das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

00:13:30: Ich glaube, dass ist so das Handwerk bei uns die Kunst.

00:13:33: Wie machst du das?

00:13:35: Im Endeffekt versuche ich den Patienten ehrlich zu begegnen.

00:13:40: Ehrlich zu sagen was natürlich hier auf Station S war es für Patienten hier begegnern werden, dass er grundsätzlich keine Angst haben muss.

00:13:50: Wir haben auch die Möglichkeit bei uns.

00:13:52: wir haben im Endeffekten haben wir fünfzehn Patientenzimmer davon sind zwei Zimmer, Überwachungszimmer.

00:13:59: Dann haben wir noch vier Einzelzimmer und gerade die Einzelzymer, die man von innen im Endeffekt von den Patienten selber auf- und zuschließen kann.

00:14:09: Wir kommen natürlich jederzeit rein aber grade wenn die Möglichkeit besteht dass gerade auch Patienten diese eingeschüchtert bei uns sind.

00:14:16: das erste Mal bei uns ist dem Patient diesen Rückzugsort geben zu können als man sagt okay wenn du dich gerade flächerunwohl fühlst Du kannst die Möglichkeit dich zurückzuziehen Da kann man den Patienten auch schon unglaublich viel, viel Sicherheit vermitteln.

00:14:31: Ja.

00:14:32: So im ersten Moment wenn ich so drüber nachdenke über eine Akkutsstation habe immer das Gefühl dass eigentlich kein Patient keine Patient in dem Moment da sein möchte.

00:14:40: aber gibt es auch den umgekehrten Fall?

00:14:43: Dass jemand vielleicht Das Gefühl hat Gott sei Dank ist immer jemand, der sich damit auskennt, der mir gerade helfen kann.

00:14:49: Wo die Menschen dann total dankbar sind einfach bei euch zu sein?

00:14:52: Also

00:14:52: gerade das lebe ich ganz oft auch im Verlauf der Behandlung.

00:14:57: Was ein schönes Gefühl ist, sind also Patienten am Endeffekt, die erstmal natürlich gegen ihren Willen zu uns kommen und vielleicht angespannt sind oder unruhig sind.

00:15:06: Sie werden hier eingeschlossen und gerade im Verläufe der Be handlungen und zum Ende hin kommen die Patienten auf dich zu und sagen, danke noch mal für alles.

00:15:19: Danke dafür, dass sie mir geholfen haben.

00:15:23: Und natürlich aus ganzem Team bezogen.

00:15:25: Das ist schon ein schönes Gefühl bei gerade das.

00:15:29: Gerade das erlebt man sehr auf der Akutstation weil Patienten grade in der akuten Krise abzufangen und die Patienten bleiben dann eine gewisse Zeit bei uns und zum Ende der Behandlung sieht man halt die Fortschritte, die Messerungen der psychischen Gesundheit und das ist schon ein schönes Gefühl.

00:15:48: Ja,

00:15:49: ja wir haben vorhin über diese Beziehung gesprochen zwischen dir als Pfleger und dem Patient der Patientin.

00:15:57: Wie oder wo ziehst du denn die Linie zwischen professionell bleiben und gleichzeitig empathisch dich auf jemanden einlassen?

00:16:05: Du hast es schon gesagt jede Person ist anders und das auch das Besondere.

00:16:09: Und gleichzeitig, je mehr man eben dieses Besondere auch wertschätzt.

00:16:13: Je mehr man sich auf eine andere Person mit einer Krankheit einlässt, desto mehr verschwimmt vermutlich ja auch die Grenze zwischen dem privaten Oli und dem professionellen Oli.

00:16:26: Ja das ist richtig!

00:16:31: Ich glaube, hinter das Verhalten des Patienten zu schauen.

00:16:34: Das ist sehr wichtig.

00:16:35: Es steckt natürlich keine Boshaftigkeit hinter dem Verhalten der Patienten, sondern oft ist es ja die Angst, die Verzweiflung und die Überforderung des Patienten.

00:16:47: Und da als erfahrene Pflegekraft hinterzublicken, einen Blick dafür zu haben... Also der Patient bringt halt seine Geschichte mit und wir holen den Patienten genau da ab, wo er ist.

00:17:01: Und das ist glaube ich das, wo man dem Patienten das Gefühl von Empathie vermitteln kann, dass im Endeffekt das Verhalten hinter das Verhältnis Patienten zu schauen.

00:17:11: Also so lange analysiert wird, warum jetzt welcher Satz wie gefallen ist.

00:17:16: Ist dann der professionelle Angang?

00:17:19: Genau

00:17:20: weil es ist nicht die Brusthaftigkeit und man muss immer versuchen und das ist natürlich nicht immer einfach.

00:17:27: Ich meine wir sind alles Menschen aber so einen objektiven Blick zu bekommen und sehen okay der Patient der ist gerade in dem Moment in seiner psychischen Krise.

00:17:40: Und wo hole ich den Patienten jetzt ab?

00:17:44: Das ist auch das, was ich über die letzten Jahre erfahren habe.

00:17:49: Ich bin seit sieben Jahren da und bin so zurückblickbar meiner Anfangszeit.

00:17:56: Ich werde nie vergessen, ein angespanter Patient gewesen... Ich bin später zu meinen Kollegen gegangen.

00:18:03: Natürlich war ich gerade frisch.

00:18:05: Ich war frisch examiniert und alles war neu für mich.

00:18:10: Ich habe meine Kollegin gefragt damals, ob man sich daran gewöhnt.

00:18:14: Und dann hat sie gelacht und sagt es ist nicht die Gewöhnung sondern es ist gerade über die Jahre hinweg die Erfahrung.

00:18:24: Die Erfahrung ist auch das was dir später die Ruhe gibt.

00:18:28: Die Ruhe in solchen Situationen, egal wie angespannt der Patient ist weil du die Erfahrungen hast.

00:18:34: Gerade auf der Gutsstation finde ich es unglaublich wichtig in einem erfahrenen Team zu arbeiten.

00:18:40: Wann hast du das erst einmal gedacht?

00:18:41: Jetzt habe ich die Erfahrung, jetzt hab' ich die Ruhe.

00:18:44: Oder kommt das noch?

00:18:47: Tatsache doch!

00:18:48: Das Gefühl habe ich.

00:18:50: aber nicht der Moment, sondern es kam so gesehen in Schügen und irgendwann hat man sich einfach sicher gefühlt.

00:18:57: Sicher in seiner Arbeit, in dem was man tut, in den was man sagt... Und das merkt der Patient.

00:19:04: Der Patient merkt, dass wenn du im Endeffekt die Erfahrung hast und weil du in dem Moment einfach Sicherheit auch ausstrahlst.

00:19:14: Das ist immer wieder das was man bei mir auf der Station begegnet.

00:19:20: Das kann ich mir aber richtig vorstellen, wenn man gerade von der Schule kommt und sich damit auch noch nicht beschäftigt hat.

00:19:27: Unfassbar!

00:19:28: Und dann in so eine Situation gebrochen wird.

00:19:29: und letztendlich ist es ja wahrscheinlich so, dass je sicherer man selbst ist... Einfacher lässt sich die Situation auch regeln, aber dann steht man halt erster und denkt so ich weiß doch auch nicht.

00:19:39: Ich war ja wie du eben schon richtig sagst ne?

00:19:44: Ich war gerade über zwanzig da war ich mit der Ausbildung fertig.

00:19:49: als junger unerfahrene frisch examinierte Pflegefachkraft stehe ich dann plötzlich auf der Akutschstation.

00:19:58: Gerade nach dem Examen hat man ja natürlich, sagt man immer so ganz schön jetzt hast du die Verantwortung und da steht man erstmal da.

00:20:05: Und da ist gerade das wo man sich wirklich ans erfahrene Team hält.

00:20:10: Schaut wie arbeiten die Kollegen?

00:20:12: Welche was nehme ich von meinen erfahrenen Kollegen mit?

00:20:15: Da entwickelt man auch über die Jahre hinweg zu seiner eigenen Fähigkeiten oder also im Sinne von dass man im Endeffekt Naja, ich sag immer man nimmt das Beste von den Kollegen raus was man für sich selbst braucht.

00:20:29: Ja über euer Team sprechen wir gleich sowieso auch nochmal.

00:20:32: Du hast jetzt sagen wir mal grob zehn Jahre Einblick in die psychiatrische Pflege, ne?

00:20:37: In diesen zehn Jahren hat sich da vom Angang irgendwas verändert.

00:20:42: Das ist schon noch eine lange Zeit,

00:20:44: ne?!

00:20:44: Absolut ja!

00:20:46: Ja pflege wird professioneller.

00:20:49: Pflege wird professionell wissenschaftlicher Und es wird immer mehr über psychische Gesundheit gesprochen.

00:20:55: Das ist schon schön, ja?

00:20:57: Also es wird gerade jetzt auch im Umfeld.

00:21:00: bei mir kriege ich das mit... Es ist nicht mehr so... Man versteckt sich nicht mehr davor.

00:21:08: also es ist schon besser geworden würde ich sagen

00:21:10: Was heißt denn Pflegewirt Professioneller?

00:21:13: an welchen Punkten merkst du das?

00:21:16: Wir kriegen mal... Also man kriegt einen gewissen Maß Nicht die Anerkennung, sondern man wird eigenständiger.

00:21:26: Das ist immer... Natürlich arbeiten wir natürlich auch nach ärztlichen Anordnungen.

00:21:33: Es gab es früher schon und es ist heutzutage noch so.

00:21:36: Aber gleichzeitig haben wir als Pflegefachkraft gerade eine Pflegeplanung.

00:21:46: Eine Pflegeplanung bezieht sich ja darauf, den Verlauf der Pflege zu planen.

00:21:51: Und das ist wirklich, wo wir uns ganz klar von den Ärzten unterscheiden.

00:21:56: Das ist nämlich eine Tätigkeit die wir ausüben und das ist schon ein schönes Gefühl.

00:22:02: Gerade wir, also natürlich mal die Ärzte auch ihre Arbeit aber wir arbeiten gerade sehr nah am Patienten.

00:22:09: Und dass wird immer mehr wertgeschätzt und es ist schon schön.

00:22:15: was uns immer professioneller macht.

00:22:19: Also es ist das, was die moderne Pflege ausmacht dass man sagt ihr seid eigentlich diejenigen die so wahnsinnig viel Kontakt haben zu den Menschen.

00:22:26: das muss man mit einbeziehen auch in eine Behandlung.

00:22:30: da muss es im Prinzip.

00:22:32: Da geht es dann nicht nur darum, dass die Leute sich jetzt gerade wohlfühlen.

00:22:34: Sondern das muss halt auch in eine Richtung gehen, dass sie die Leute unterstützt werden.

00:22:38: Genau!

00:22:38: Es ist der Austausch mit den Ärzten und dem Sozialdienst bei uns.

00:22:43: Der Austausche im multiprofessionellen Team.

00:22:48: Und da natürlich auch unsere Einblicke, dass Sie wahrgenommen werden, ernst genommen werden.

00:22:52: Das ist auch ein ganz wichtiger Fortschritt.

00:22:57: Lass mal ein kleines Gedankenspiel machen.

00:22:58: Du bist jetzt verantwortlich, du hast unendliche finanzielle Mittel, das keine vorgesetzte Person, die dir irgendwas an strukturellen Auflagen macht.

00:23:05: An welchen Punkten würdest du etwas an der Pflege verändern?

00:23:09: Würdest du noch mehr Personal einstellen?

00:23:11: Würdest du einfach strukturell noch was ändern?

00:23:14: Was sind so deine Gedanken und was wünschst du dir wie die Pflege in den dreißig Jahren

00:23:17: aussieht?".

00:23:18: Also mal angenommen!

00:23:20: In einer perfekten Welt wär's du jetzt derjenige, der sagen könnte... ...Pflege sieht jetzt auf die und die Art und Weise aus.

00:23:27: Was braucht es deiner Meinung nach, braucht es noch mehr Personen, die pflegen?

00:23:31: Weil da einfach so viel zu holen ist, weil du immer beobachtest im Alltag, wenn da jetzt noch eine Stunde mehr jemand mit dabei wäre dann wär's noch besser.

00:23:39: oder wärs vielleicht was anderes, brauch dir mehr Tools oder einfach so mal Gedanken spiele.

00:23:46: Ich glaub das ist nicht mal mehr dass wir immer mehr Pflegekräfte brauchen sondern natürlich... Die Patienten werden auch zum Teil immer mehr Genau.

00:23:55: Und da braucht man eins, also was man braucht.

00:23:58: ich glaube das wünschenswert wäre in dreizig Jahren dass wir Zeit haben, Zeit für den Patienten nur dass das nie als verloren geht.

00:24:07: Also ich glaube, wenn ich mir irgendwas wünschen könnte ist das gerade bei all der Dokumentationen, bei all dem was drum herum um den Patienten geschieht.

00:24:15: Ob es jetzt die Doku ist, ob's... dass niemals der Blick vom Patienten wegschweift.

00:24:21: Dass wir immer beim Patienten bleiben und dass die Zeit, die wir für den Patienten haben, dass sich eher mehr wird und nicht weniger.

00:24:29: Das wäre glaub ich das wo ich sage Das wäre wünschenswert, dass ich einfach immer Zeit für den Patienten habe.

00:24:35: Der Patient, der im Moment einfach Hilfe braucht.

00:24:38: Natürlich kommen bei uns auch die Patienten schon mal auf uns zu und sagen ob sie sich einen Gespräch einfordern, was sie natürlich bekommen.

00:24:45: Aber das sollte niemals verloren gehen weil das ist unglaublich wichtig!

00:24:51: Ein Aspekt der jetzt gerade bei dir schon durchgeklungen ist, der hier aber auch über die letzten Folgen immer wieder deutlich geworden ist.

00:24:57: Das ist das in einer modernen psychiatrischen Klinik ohne multiprofessionelle Zusammenarbeit da einfach gar nichts geht.

00:25:03: Kurzer Hinweis an euch zu Hause!

00:25:05: Falls ihr mehr wissen wollt kann ich euch Folge Dreizehn mit Esther Grell noch mal empfehlen.

00:25:09: Da haben wir lange über diese multiproffessionelle zusammenarbeit gesprochen wie dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie funktioniert.

00:25:15: Es gilt natürlich allgemein und auch für diese Station LFA.

00:25:19: Olli, warum ist es deiner Meinung nach so besonders wichtig gut zusammenzuarbeiten?

00:25:24: Du hast gerade gesagt, dass dir das geholfen hat als junger Kerl, als du noch gar nicht so wirklich wusstest wie's läuft und auch die Sicherheit noch nicht hattest.

00:25:35: Ja weil wir durch die Erfahrung, die Erfahrung des anderen ja immer lernen.

00:25:41: Unsere Oberärztin auf Station, die hat jetzt auch schon sehr viele Jahre Erfahrung.

00:25:45: Unsere Stationsleitungen bringen sehr viel Erfahrung mit durch die ganzen Jahre, die sie jetzt schon auf den Akutstation arbeiten und das ist das wo ich halt immer sehr viel gelernt habe.

00:26:01: Und das ist schon wichtig.

00:26:03: also gerade das Vertrauen auch der gegenseitige Vertrauen im multiprofessionellen Team ist unglaublich wichtig.

00:26:09: ja

00:26:10: Was zeichnet euer Team denn aus?

00:26:13: Das Miteinander.

00:26:15: Dass das Miteinander, dass das Verständnis gegenüber des anderen... Das ist schon etwas was unser Team über die ganzen Jahre auszeichnen.

00:26:24: und gerade auch finde ich persönlich ist die Erfahrung die wir in unserem Team haben.

00:26:28: Wir haben einige Kollegen die sehr, sehr viele Jahre Erfahrung haben und gerade da ist das Miteinander für mich nochmal anders.

00:26:39: Wenn ich jetzt in einem Team wäre, wo natürlich viele unerfahrene Kollegen arbeiten... Da besteht ja immer im gewissen Maß diese Unsicherheit, die auch ganz normal sind.

00:26:55: bei unerfahrenen Kollegen.

00:26:57: Und das ist, glaube ich, was unser Team sehr auszeichnet, die Erfahrung und gerade das Miteinander, dass auch niemals der Humor verloren geht.

00:27:08: Wir fangen uns gegenseitig auf.

00:27:11: Gerade weil wir arbeiten auf einer Akkutstation.

00:27:14: Da passieren immer Dinge, die unvorherbesehbar sind.

00:27:17: Und da das Gefühl zu haben, dass man nicht alleine ist – das ist schon verdammt wertvoll!

00:27:24: Wie häufig kommt das vor, dass du irgendwie nach einer Situation sagst, ich muss mal kurz darüber reden?

00:27:35: Ich hatte gerade in meinem ersten Jahr so manche Erfahrungen, die nicht ganz schön waren.

00:27:44: Sind Vorfälle passiert und da war immer wieder für mich immer sehr wichtig drüber zu reden.

00:27:52: Mal kurz drüberzureden und einfach aufzuarbeiten.

00:27:56: Und was ich über die Jahre auch so ein bisschen gelernt habe, ist so'n bisschen die Selbstreflektion.

00:28:00: Wie nah geht mir das gerade?

00:28:02: Welche Situation... Weil wie ich schon eben sagte, grad das Unvorhersehbare.

00:28:06: man weiß ja nie, was passiert.

00:28:10: Gerade wenn Situationen eskalieren mal kurz und es muss ja nicht lang sein aber mal kurz in sich zu gehen und zu fragen okay, was ist da grade passiert dass es etwas, was Aufarbeitung ist.

00:28:22: Gerade wenn man lange Jahre auf der Akku arbeitet, finde ich persönlich das unglaublich wichtig.

00:28:28: und da ist auch schon mal, dass man im Nachhinein mit einem Kollegen darüber redet.

00:28:33: Und das ist ja einfach, dass das Gefühl vom Kollegen auch da bekommt Verständnis zu haben.

00:28:42: Das ist dann schon etwas wo ich sage, man muss nichts alleine stemmen.

00:28:48: bei uns Absolut nicht.

00:28:54: Jeder hat seine eigene Perspektive

00:28:56: und

00:28:57: einen eigenen Blick aufs Ganze, dieser Austausch ist dann auch unglaublich wichtig.

00:29:03: Es geht sich ja nicht darum die Fehler des anderen zu finden, sondern zusammen gemeinsam immer eine Lösung zu finden so dass es einem wieder besser geht.

00:29:16: Du hast schon gesagt, dass jeder Tag dann irgendwie anders ist bei euch.

00:29:19: Gibt es denn eigentlich so festgelegte Momente wo ihr euch austauscht?

00:29:24: Sei's jetzt über sowas oder über ein Behandlungstand oder so?

00:29:29: Ja also jeder Dienst beginnt ja im Endeffekt auch mit der klassischen Übergabe.

00:29:34: Die Übergabe wo man da in dem Endeffek den aktuellen Stand des Patienten darüber informiert wird.

00:29:41: Den Verlauf der Behandlungen und Da ist dann schon ein sehr rege Austausch manchmal.

00:29:50: Ja,

00:29:52: du gehörst inzwischen zu den erfahrenen Mitarbeitenden seit im Jahr zwanzig bis Du auch Praxisanleiter.

00:29:58: das bedeutet dass Du zum einen auszubildende Begleitest zum anderen haben wir vorhin auch schon gehört Du führst Schülerinnen Gespräche beschreib mal deren Wahrnehmung von Psychiatrie wenn Du damit jemandem sitzt der jetzt gerade noch zur Schule geht.

00:30:13: Da ist immer ein ganz großer Unterschied, auch grade die Schülerinnen und Schüler, die bei uns die Ausbildung machen und auch die Schülern, die von extern zu uns kommen, sprich aus anderen Pflegeeinrichtungen.

00:30:24: Gerade bei den Schülerinnen- und Schüleren aus anderem Pflegeeinrichtung begegne ich ganz oft... Die begegnen mir ganz oft mit Angst oder auch Respekt würde ich sagen.

00:30:36: Mare Senekt vor der Arbeit, die jetzt auch sie zukommt von dem Unbekannten.

00:30:41: Und dann natürlich auch die Schülerinnen und Schülerinnen, die bei uns arbeiten.

00:30:47: Die natürlich meistens schon wenn sie zu uns kommen eine gewisse Erst-Erfahrung mit haben für mich mit psychischen Erkrankungen.

00:30:53: Die haben da noch mal einen anderen Blick aufs Ganze.

00:30:56: aber ganz oft oder eigentlich ist es immer so dass gerade im Verlauf wird mir immer wieder gespiegelt das ist ja gar nicht so wie ich's mehr vorgestellt habe.

00:31:04: Es ist ja gar nicht so wie es mit mir.

00:31:06: Natürlich nicht, aber auch da die haben natürlich auch die Bilder aus Film und Fernsehen-Kopf, aus Dunkelheit geschlossen Türen, aus

00:31:16: Gummivände,

00:31:17: Fixierungen, Zwangsjacken... Das ist einfach nicht!

00:31:20: Das ist absolut nicht die Realität.

00:31:22: also wenn ich eins über unsere Station, wenn ich einen Wucht ... über unsere Station sagen sollten, wer ist hell?

00:31:30: Es ist nicht dunkel.

00:31:31: Es ist hell bei uns!

00:31:32: Es ist ja nicht dunke, es ist nicht trist und... Das ist schon ein Jahr.

00:31:40: Klar!

00:31:41: Gerade die Schülerinnen und Schüler haben keine Erfahrung.

00:31:45: Und dann finde ich das komplett normal, dass man erstmal mit einer gewissen Vorsicht zu uns kommt.

00:31:50: Oh, die Türen sind geschlossen.

00:31:52: Mir begehrt einen Patienten, den ich so noch nie gesehen habe.

00:31:57: Und dann einfach, dass das Gefühl irgendwann vom Schüler oder Schülern zu sehen und die kommen mir entgegen und sagen es ist ja gar nicht so wie's mir vorgestellt.

00:32:05: Es ist nicht so schlimm.

00:32:07: Mir machts Spaß, es ist schön!

00:32:09: Das ist etwas was schon wertvoll ist.

00:32:11: Ja

00:32:11: das ist toll.

00:32:13: Hast du manchmal den Moment wo du so inne hältst und denkst oh das ist der kleine Olli vor mir?

00:32:22: Tatsächlich noch nicht so weit, wo ich sage... Ich weiß nicht mal wie ich selbst als Schüler war.

00:32:26: Und ich weiß selber noch, wie ich im Mittelkurs, im zweiten Lehrjahr war das erste Mal auf der Akkuschstation.

00:32:35: Ich weiß selber dann noch die ersten Tage saß und mir tausende Gedanken gemacht habe.

00:32:41: Was denken die Kollegen gerade von mir?

00:32:44: Wie begegne ich jetzt den Patienten am besten?

00:32:46: Mache ich hier grade alles

00:32:47: richtig?!

00:32:49: Gerade natürlich auf einer akuten Krisenstation ist natürlich immer so ein bisschen die...

00:32:55: Ist auch der Druck da.

00:32:56: Den Druck!

00:32:57: Möchte ich jetzt auch richtig machen?

00:32:59: Ich möchte alles richtig machen und bloß keine Fehler machen, weil Fehler sind ja ganz schlimm und wenn ich bloß einen Fehler mache dann denken alle schlecht vor mir und das ist absoluter Quatsch.

00:33:09: Was

00:33:10: hatte dich eigentlich dazu bewegt diese Fortbildung zu machen?

00:33:18: Im Endeffekt wollte ich meine Erfahrung weitergeben.

00:33:22: Die Erfahrung, die ich jetzt über die Jahre schon gesammelt habe, die Möglichkeit zu haben den Schülern und Schülerinnen schon die Erfahrungen zu vermitteln, die Erfahrung weiterzugeben und im Endeffekt die Zukunft.

00:33:36: das ist unsere Zukunft Das sind unsere Kollegen und Kolleginnen in Zukunft.

00:33:41: um denen den bestmöglichen Einsatz bei uns zu geben dass sie so viel Erfahrungen sammeln können wie nur möglich ist glaube ich das was mich reizt.

00:33:50: Ja, ich

00:33:51: habe auch das Gefühl dass man um diese Arbeit gut machen zu können am Anfang erst mal Kontext braucht.

00:33:57: ne?

00:33:58: Wie du am Anfang schon sagt es mit den geschlossenen Türen wenn ich nicht weiß warum die geschlossen sind dann hab' ich vielleicht ein Problem damit dass die Tünen geschlossen Sind.

00:34:04: aber wenn Ich Den Kontext habe Warum war's wie passiert?

00:34:08: Dann macht Es in dem Moment irgendwie alles mehr Sinn Vollkommen!

00:34:11: Ich sage den Schüler und Schülern immer ganz gerne Die geschlossenen Türen, das ist einerseits natürlich.

00:34:21: Kann man das objektiv sehen und sagen natürlich kann es einem Patienten Angst machen?

00:34:24: Aber gleichzeitig haben geschlOSSene Tüuren trotz allem auch ein Vorteil und zwar geben können die Patienten auch sehr viel Sicherheit geben.

00:34:32: im Sinne von ich kann mich hier zurückziehen Ich bin hier sicher.

00:34:36: Natürlich begegne ich auch schon mal Patienten und Patientinnen, die mit Angst einhergehen.

00:34:41: Die sich vielleicht verfolgt fühlen aufgrund ihrer psychischen Erkrankung Und den Patienten auch da das Gefühl sie können sich hier mal zurückziehen gerade von außen sich zurückziehen Da kann man einen anderen Blickwinkel auch aufgeschlossene Türen bekommen.

00:35:00: Sag mal, wie sieht denn so eine konkrete Begleitung aus?

00:35:02: Ist das dass du einfach für ein Gespräch zur Verfügung stehst oder gehst du mit den Auszubildenden durch deren Alltag und die gucken dir zu.

00:35:10: Oder wie läuft es

00:35:11: also ich?

00:35:14: Also für mich ist immer ganz wichtig, dass die Dass sie auszubilden dann immer die Möglichkeit haben So viel wie möglich auszuprobieren ausprobieren im Sinne von nur dass sie dass sie bei Maßnahmen dabei sein dürfen.

00:35:28: Und klar, wenn wir jetzt hier vom äußersten reden wie beispielsweise einer Fixierung da sage ich immer den Schülerinnen und Schülern Ihr dürft natürlich dabei sein, die gehen natürlich nicht mit in diese Fixierung rein.

00:35:42: Wir haben auch eine gewisse Sorgfalt.

00:35:47: Wir wollen das in Türen und Schönen bei uns nichts passiert aber sie dürfen sich das anschauen.

00:35:52: Und danach gehe ich gerne noch mal mit denen auszubilden ins Gespräch.

00:35:57: Frage die was hat das mir euch gemacht?

00:35:59: Das ist auch etwas was ich ganz häufig mache einfach nochmal nachzufragen.

00:36:03: Was hat das gerade mit dir gemacht, diese Situation?

00:36:07: Da beginnt ja auch schon die Aufarbeitung, dass sie vielleicht auch Dinge nicht unbedingt nach Hause nehmen und sich im Nachhinein noch damit beschäftigen.

00:36:16: Klar ich gebe den Schülern immer Feedback.

00:36:20: Wir haben bestimmte Anleitungssituationen, die wir immer wieder mit den Schulern machen können, dass Sie die Erfahrung machen können.

00:36:26: Wir können mit denen auszubilden dann können wir gemeinsam ein Ein Fixierungsbett vorbereiten.

00:36:32: Wir können mit denen auszubilden, gemeinsam auch Medikamente stellen.

00:36:37: Das

00:36:38: sind alles so Punkte da wo ihr das erste Mal einfach mit dem Material, mit dem womit wir arbeiten in Kontakt kommen.

00:36:49: Ich glaube wer wirklich nach einem Beruf mit Sinn sucht der ist bei euch absolut richtig.

00:36:56: auf der anderen Seite ist es natürlich auch nicht ganz ohne.

00:36:59: Welche Eigenschaften brauchen angehende Pflegefachperson?

00:37:07: Auf jeden Fall Offenheit, Empathie mit Gefühl Geduld und natürlich die Kunst sich immer wieder selbst reflektieren.

00:37:20: Ich glaube ich weiß nicht wie oft ich das Wort Selbstreflektion bei uns schon gesagt habe aber es ist unglaublich wichtig sie selbst zu reflektien.

00:37:29: Das kann man auch allgemein aus Leben beziehen.

00:37:32: Sich immer mal kurz innehalten und sich selbst zu reflektieren, ist so unglaublich wichtig.

00:37:40: Aber klar die Empathie gegenüber den Patienten das Verständnis zu haben nicht mit Vorurteilen zu begegnen sondern dem Patienten gerade da abzuholen wo er steht gerade.

00:37:52: Das ist schon etwas was sehr wichtig ist.

00:37:54: ja

00:37:55: Ganz konkret mal, wenn jetzt gerade jemand denkt bei euch finde das wahnsinnig spannend was der Oleder macht.

00:37:59: Welchen Weg geh ich denn dann?

00:38:01: Was ist denn deiner Meinung nach der beste Weg?

00:38:04: Meinst du wie er im Endeffekt zu uns kommt?

00:38:08: also Ich meine Wenn jemand gerade denkt ich möchte auch gerne auf der akut station arbeiten da fängt man ja nicht an sondern Ist ja noch ein bisschen was vorgeschaltet auch vor allem die ausbildung.

00:38:18: welche bereiche Generell, wenn wir auf die Psychiatrie blicken sind sinnvoll dass man sie vorher vielleicht mal gesehen hat bevor man auf eine akut station geht.

00:38:27: Bei dir war es ja halt die gerundte.

00:38:28: Ja genau also durch die ausbildung bedingt kommt man schon bei uns auf sehr verschiedene stationen auf auch therapie station aber auch auf akutschstation.

00:38:40: Also gerade die Die Ausbildung bei uns, gerade auch die Einführungsphase der erste Einsatz ist heutzutage.

00:38:49: Das ist aber auch jetzt erst seit zwanzigzwanzig.

00:38:51: so beginnt damit dass die Schüler und Schüler die lernen auch bei uns anfangen.

00:38:57: Und das sage ich immer ganz gerne natürlich wird man da ins kalte Wasser geworfen wenn man kann noch nicht so richtig schwimmen und ist plötzlich schon im Meer.

00:39:06: Aber gleichzeitig, dadurch dass wir die Auszubildung natürlich auch direkt abfangen und begleiten ist das im Endeffekt geben wie in der Unterstützung.

00:39:17: Grundsätzlich ist es natürlich vom Vorteil wenn man dann gerade ... Das sieht man noch häufig Wenn die Lerenden im Unterkurs zu uns kommen Und oftmals ja auch wieder im Oberkurs Zu uns kommen.

00:39:31: Gerade die auszubildende bei uns die Ausbildung machen den Fortschritt dann zu sehen.

00:39:36: Das finde ich auch immer sehr, sehr spannend.

00:39:38: Gerade die Unsicherheit vom Anfang ist dann schon abgelegt.

00:39:41: man hat die ersten Erfahrungen gesammelt und dann zu sein wie die auszubildenden schon eigenständig handeln zum Teil.

00:39:51: Und das ist eine schöne Erfahrung im Verlauf bei uns.

00:39:55: wenn man bei uns die Ausbildung macht natürlich man kommt so gesehen Man kriegt ein breites Bild von der Psychiatrie, das auf jeden Fall.

00:40:03: Also grade natürlich werden die auch extern eingesetzt.

00:40:06: Das gehört auch dazu.

00:40:08: Auch die Erfahrung im Krankenhaus zusammen in Altenheimen und aber klar bei uns werden die schon sehr, sehr breit eingesetzt.

00:40:17: ja wenn du aus deiner Sicht mal einen Blick drauf wirst was müsste sich verändern damit noch mehr Menschen den Beruf pflegefachperson wählen?

00:40:28: ich glaube wir müssen müssen positiver, über das ganze Bild.

00:40:33: Ich glaube es wird sehr viel negativ dargestellt auch in den Medien und ich glaube das vermittelt eher einem... naja dass verstärkt einem noch die Vorurteile, die Angst davor dem Beruf selber zu wählen weil es ist ja alles so schlimm.

00:40:48: Aus meiner Sicht heraus ist das einfach viel zu negativ.

00:40:51: alles dargestellt.

00:40:52: Die Pflege ist so viel mehr, so viel abwechslungsreich.

00:40:55: Das was der Patient hier entgegenbringt, es gibt einem so viel und immer alles negativ zu sehen.

00:41:05: Das bringt uns ja auch nicht weiter.

00:41:07: Ich finde das immer ganz schwer wenn ich dann immer Berichte lese oder etwas sehe über die Pflegebericht.

00:41:14: Es wird immer alles Negativ dargestellt Etwas klar, das lockt ja keinen neuen Kulissen an so.

00:41:22: Das ist halt nicht cool!

00:41:25: Nur wir glauben es ist total Unterbesetzung.

00:41:26: super da, mach ich streng mal die Ausbildung und so...

00:41:34: Das ist tatsächlich der Fokus auf die Zahlen.

00:41:37: aber das muss ich aussagen nachdem wir jetzt auch hier in Folge fünfzehn sind bei Seelenarbeit.

00:41:41: Ich find's total beeindruckend weil das zieht sich im Prinzip durch jede Folge dass jede Person mit ihr spreche einfach auf eine gewisse Art, eine Zufriedenheit ausstrahlt.

00:41:51: Einfach weil so viel Sinn hinter dieser Arbeit steht und das merke ich in meinem Umfeld.

00:41:56: So viele Leute sind auf dem Weg nach Sinnsuche die verdienen Haufen Kohle aber sie sehen keinen Sinn und fragen sich was mache ich eigentlich morgen?

00:42:03: Und hier habe ich immer das Gefühl die sprechen mit Leuten die sind angekommen und wollen auch nicht weg!

00:42:07: Weil es erfüllt sie irgendwie diese Arbeit und das finde ich einfach toll.

00:42:11: vielleicht hast du recht dass... Man da insgesamt einfach mehr den Fokus drauf legen müsste.

00:42:15: Natürlich Zahlen und Fakten sind wichtig, man sollte es natürlich auch nicht klein reden aber das ist nicht alles.

00:42:24: wie du schon sagst Die Pflege ist so viel mehr der Sinn, der Pflege dahinter zu verstehen.

00:42:30: Das was dir der Patient entgegenbringt die Freude zu sehen wenn es den Patienten wieder besser geht das ist ja eine Beziehungsarbeit wo es gibt einem unglaublich viele finde ich persönlich.

00:42:44: Dieser Podcast ist ja auch dazu da aufzuklären und falsche Bilder im Kopf mal auszuräumen.

00:42:49: Wir haben jetzt wirklich viel gehört, wie es tatsächlich vor Ort ist.

00:42:51: aber was nimmst du in deinem Umfeld war?

00:42:54: Welche falschen Bilder haben die Menschen im Kopf wenn's um Psychiatrie geht?

00:42:58: vielleicht nicht mehr weil Du erzählst ja schon seit zehn Jahren Aber damals als du zur Schule gegangen bist

00:43:05: eins was mir immer wieder begegnet Ist das das psychische Erkrankung dass jemand der psychisch erkrankt ist schwach sei.

00:43:15: Das ist ein ganz, ganz großes Vorteil und das stimmt einfach nicht.

00:43:21: Ich denke jeder von uns... Also es kann jeden von uns treffen und davon kann sich keiner freisprechen und das ist einfach etwas.

00:43:35: ... psychisch.

00:43:37: Ja, das ist es.

00:43:38: Schwäche!

00:43:39: Dass es wirklich dargestellt wird, dass jemand der Psychikrankheit sehr schwach sei und das stimmt nicht.

00:43:45: Wie erklärst du dir das?

00:43:47: Dass diese Denkweise sich teilweise etabliert hat...

00:43:51: Ich glaube, das alles ist sehr leistungsorientiert in unserer Gesellschaft.

00:43:54: Man muss leisten, man muss bereit sein, man braucht jederzeit die Möglichkeit.

00:43:58: Und gerade heutzutage reden wir hier, dass man durchgehend unter Bereitschaft ist auch geprägt durchs Handy.

00:44:05: Man ist jederzeit erreichbar, man muss jederzeit leisten können.

00:44:09: Und wenn da irgendwann jemand sagt ich kann nicht mehr, dann heißt plötzlich du bist schwach

00:44:16: und

00:44:17: wieso schaffst du es nicht mehr?

00:44:19: Du musst stärker sein.

00:44:22: Du schaffest das.

00:44:23: Man muss nur an sich glauben und das ist alles weiß ich nicht.

00:44:30: Ich finde, das war einfach früher.

00:44:33: Gerade in den letzten zwanzig dreißig Jahren.

00:44:36: Früher wurde es viel gearbeitet und viel geleistet.

00:44:40: Und sobald dann jemand nicht mehr konnte, hieß es direkt, du bist schwach.

00:44:46: Du kannst es nicht!

00:44:47: Und klar, früher hat man auch nicht so offen über psychische Gesundheit gesprochen.

00:44:54: Das ist halt auch noch mal ein Thema gewesen.

00:44:56: ... war ja immer, man hat ja plötzlich Angst vor den Menschen.

00:45:01: Man hat ja Angst und das ist halt psychisch erkrankt... ...und dann ist man ja grundsätzlich auf einmal gefährlich, ne?

00:45:06: Mhm.

00:45:08: Ist aber jemand der mit so einer Aussage um die Ecke kommt,... ...was antwortet man dem?

00:45:14: Also von wegen du bist schwach, weil du hast ja eine psychische Erkrankung.

00:45:17: Mhm.

00:45:18: Im Endeffekt, ähm..., wenn mir jetzt jemand begegnet und sagt, na... ...der soll sich nicht so anstellen!

00:45:27: Da sage ich, dann ist mir bewusst okay.

00:45:31: Den Menschen der sowas behauptet, dem fehlt der Blick dahinter.

00:45:35: Dem fehlt den Blick hinter das Verhalten des Menschen.

00:45:40: Er sieht nur den Vordergrund und er behaupte daran, du bist schwach, du brauchst Hilfe.

00:45:48: Das sehe ich aber... Und ich sag versuch die Menschen Verständnis entgegenzubringen!

00:45:57: Im Sinne von, gibt dem Menschen das Gefühl verstanden zu sein.

00:46:02: Das ist glaube ich schon etwas was ganz wichtig ist.

00:46:05: Wenn Menschen behaupten dass der andere Mensch schwach sei dann fehlt den Menschen in dem Moment das Verständnis.

00:46:11: aber dann ein bisschen mal hinter die Geschichte zu blicken was es eigentlich passiert und dem menschen dann das Gefühl zu geben bewürste gerade nicht wegen deiner psychischen Erkrankung bewertet sondern ich verstehe dich und ich bin für dich da, das gibt einem Menschen unglaublich viel.

00:46:33: Also gerade auch in unserer Gesellschaft.

00:46:37: Gerade Stigmata Vorurteile, wie ich schon sagte die Schwäche oder das psychische erkrankte Menschen sind gefährlich und die Menschen leiden.

00:46:50: Sie leiden ja viel mehr als dass sie andere beferden.

00:46:54: Und das ist etwas, glaube ich, was in unserer Gesellschaft schon noch mehr, finde ich, mehr Input bekommen darf.

00:47:08: Das find' ich wichtig!

00:47:11: Hat sich da in den letzten zehn Jahren was verändert?

00:47:15: Ja es wird mehr gesprochen.

00:47:17: Es wird viel mehr über psychische Erkrankungen gesprochen in unsere Gesellschaft und das ist schön.

00:47:25: ja... Das ist schön, dass es im Endeffekt kein Geheimnis mehr ist.

00:47:33: Auf jemanden zuzugehen und einfach mal zu sagen mir geht's nicht gut.

00:47:39: Das ist heutzutage etwas was mehr gemacht wird wie früher.

00:47:43: Früher hat man immer das Gefühl ich darf das jetzt nicht sagen Ich muss ihr leisten.

00:47:51: Ich muss immer bereit sein.

00:47:53: Ich darf bloß keine Schwäche zeigen.

00:47:55: Heutzutag Es ist so, dass viel mehr darüber gesprochen wird und das ist schon schön.

00:48:03: Das ist einfach wo ich merke es ist mir angekommen.

00:48:06: also klar Ich wohne hier auf einer ländlichen Region Und ich kriege natürlich immer noch mit.

00:48:11: wenn jetzt aus der Nachbarschaft und ich bin im Vereinsleben tätig und da wird plötzlich darüber gesprochen dass der Nachbar sei ja an Depression erkrankt Dann steht man dann in der Hunde und man sieht plötzlich die Blicke der anderen.

00:48:32: Was macht man da jetzt?

00:48:33: Klar, die Leute haben natürlich auch keine Erfahrung damit.

00:48:36: Das ist etwas wo ich schon sage klar aber sie gehen offener damit um.

00:48:42: Klar wenn man jetzt beispielsweise... Ich vergleiche es auch mal ganz gerne mit jemandem gebrochenen Arm hat oder psychisch erkrankt ist.

00:48:50: Wenn jemand einen gebrochenen Arm hat, kriegt man gefühlt von allen Seiten die Hilfe angeboten.

00:48:55: Ich bin da wenn du was brauchst melde ich soll für dich einkaufen gehen nicht helfe dir.

00:49:00: und wenn du dann dein Nachbarn aber sagst mich hab Depression oftmals

00:49:06: Begeg nicht mal aus.

00:49:08: Ich stelle dich jetzt nicht so an, das wird schon wieder klar.

00:49:16: Das ist noch etwas ja was in unserer Gesellschaft auf jeden Fall sich gerne verändern darf dass man gerade das Gefühl hat nicht alleine zu sein weil das gibt ja das ist so wichtig auch für den Patienten.

00:49:28: wir begegnet damit auch immer ganz gern bei uns auf Station Gerade auch in angehörigen Gesprächen.

00:49:34: Das gehört ja zu unserer Arbeit auf der Akkustation dazu, das Gespräch mit den Angehörigen und gerade auch da begegne ich ganz oft natürlich auch Unverständnis.

00:49:44: Da soll sich jetzt hier mal ausschlafen ist er wieder fit.

00:49:46: Ja, und das ist einfach nicht so.

00:49:53: Das ist Salopp gesagt falsch.

00:49:56: Es geht sich nicht darum, dass man sich einen Tag ausschläft und dann kann er wieder arbeiten.

00:50:00: Manchmal braucht es Zeit und Verständnis.

00:50:04: Und die Angehörigen da im Sinne auch zu begleiten, sie mitzunehmen... Mit der Erkrankung finde ich es auch unglaublich wichtig.

00:50:12: Und das ist auch etwas was in unserer Gesellschaft gerne noch mehr werden darf.

00:50:17: Dass gerade seitens Angehörigen, die natürlich wenig Erfahrung haben.

00:50:26: Gerade auch Patienten, die vielleicht das erste Mal zu uns kommen, da begegne ich natürlich auch Angehören, die überfordert sind mit der Erkrankung was soll ich tun?

00:50:35: Was soll ich machen?

00:50:37: Ich weiß ja jetzt gar nicht!

00:50:38: Der hat sich auf einmal verändert und wir wissen jetzt gar nichts... Und da ist natürlich auch die Arbeit, gerade unsere multiprofessionellen Team wichtig.

00:50:45: Ob es jetzt im Rahmen vom Sozialdienst ist oder was bestehender Möglichkeiten.

00:50:52: Die Ärzte, die auch die Angehörigen aufklären darüber welche Medikamente erhält der Patient bei uns und wir als Pflegekraft halt im Endeffekt die An gehörigen da auch abzuholen.

00:51:06: den Angehörigen auch.

00:51:09: das Gefühl also versuche ich mal ganz gerne ist in angehörigen so ein bisschen das gefühl zu geben es ist gerade natürlich alles sehr viel und das ist für sie sicherlich auch nicht einfach.

00:51:20: Und auch ihrem ich weiß ihren Mann ihr Kind in solch einem zustand grade zur leben, aber... ...den Angehörung dann das Gefühl zu gehen dass es auf jeden Fall besser wird und das wird es

00:51:35: Und ein Beispiel nochmal aufzugreifen.

00:51:37: Ich glaube unter einem gebrochenen Arm kann sich jeder was vorstellen, dass dieser Knochen einfach durchgebrochene ist wie so einen Stock Und bei psychischen Erkrankungen fehlt uns einfach das Wissen und damit verbunden ist dann natürlich auch die Aufklärung extrem wichtig von der du uns heute viel mitgebracht hast hier.

00:51:55: Dieser Podcast steht unter dem Motto sinnvoll in jeder Beziehung, dass es als Phrase so definiert und ich würde gerne das von deiner Seite aus mein Mitleben gefüllt wissen.

00:52:06: was ist sinnvoll?

00:52:07: In jeder Bezierung wenn du jetzt zum Beispiel an deinen Kontakt als Pfleger mit PatientInnen denkst?

00:52:15: Also sinnvoll in jeder Beziehung bedeutet im Endeffekt für mich, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat.

00:52:23: Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit und ich glaube wenn wir bereit sind zuzuhören und Beziehungen aufzubauen dann können wir oft so viel mehr bewirken als nur alleine mit Medikamenten.

00:52:42: Das ist, glaube ich auch das was die Pflege für mich auszeichnet.

00:52:48: Den Blick hinter den Patienten zu werfen, dem Patienten zu begegnen da auf Augenhöhe und gerade im Gespräch den Patienten Sicherheit zu vermitteln, dass es das was für mich den Sinn sinnvoll ist oder den Sinn in der Beziehung hat.

00:53:04: Was hast du selbst über dich übers Leben durch deinem Beruf über die Jahre gelernt?

00:53:11: Mich selbst so reflektieren

00:53:15: Ganz wichtig.

00:53:15: Ja,

00:53:16: also ich habe über mich selbst... Also ich bin natürlich selber auch immer wieder an Grenzen gestoßen.

00:53:26: Grenzen die ich vorher so nicht kannte.

00:53:30: Situationen die auf mich auch ausgewirkt haben dass ich mich einfach mal kurz hinterfragt habe und da hab' ich dann irgendwann auch gelernt mich ein bisschen selbst zu reflektieren und zu sehen, was macht die Situation mit mir?

00:53:47: Und durch die Erfahrung bin ich halt gewachsen.

00:53:56: Ich bin jetzt über die sieben Jahre, auf der Akutsstation selber arbeite, erfahren geworden.

00:54:02: Hab sehr viel an Erfahrung gesammelt.

00:54:11: Also ich sage immer ganz gerne, ich bin erwachsen geworden!

00:54:16: Ich bin erwachsen geworden durch die Arbeit auch.

00:54:19: Beeindruckend ist das, Olli!

00:54:21: Wie du dich da seit zehn Jahren täglich engagierst immer wieder aufs Neue, den Menschen abholst und begleitest?

00:54:30: Ganz häufig werde ich auch gefragt wie lang machst du das noch?

00:54:34: Eine Akkutstation, das macht ja auch was mit dir und es ist total anstrengend... Es ist anstrend.

00:54:43: Und wenn ich viele Tage am Stück arbeite, dann merke ich natürlich auch nur dass man gewissen maßt.

00:54:50: Das ist schon anstrengend.

00:54:52: Aber immer wieder das Gefühl zu bekommen du machst gerade das Richtige und auch vom Patienten Wiedergespiegel zu bekommen.

00:54:59: Das was du tust ist gut.

00:55:02: Deine Arbeit ist gut und das Danke des Patienten am Ende der Behandlung.

00:55:12: Am Ende der Behandlung einfach ein Dank dafür, dass ich da sein durfte.

00:55:16: im Sinne von Danke, dass ihr mich begleitet habt auf dem Weg.

00:55:20: Dass es mir wieder besser geht.

00:55:23: Das ist schon

00:55:24: eine wunderschöne Botschaft.

00:55:26: Vor allem auch zum Ende dieses Gesprächs hier.

00:55:29: Wir hatten das Thema gerade schon, wir leben in so einer Zeit, in der so viel Wirbel stattfindet und so viele Krisen sind.

00:55:35: Wir hüpfen von Krise zu Krise auch in der Pflege und dann jetzt einfach jemandem zu haben wie dich, der diesen ganzen Bereich einfach handfest auf eine gewisse Art und Weise ja auch für die Zukunft definiert und anderen Leuten das vorlebt Wie es einfach gut laufen kann.

00:55:53: Das ist richtig toll zu sehen und ich glaube, wir brauchen viel mehr von diesen Menschen wie du einer bist die diese Bereiche halt auch dementsprechend für uns neu definieren in unseren Köpfen damit sich die Geschichten ändern und die Erzählweise ändert.

00:56:10: Vielen vielen Dank für deine Arbeit und dass Du uns heute davon erzählt hast.

00:56:13: Ja

00:56:13: danke dir Daniel!

00:56:15: Dass ich da war ein Dorf doch

00:56:18: Leute, wie vielseitig die Pflege sein kann.

00:56:21: Das habt ihr auch in der letzten Folge schon miterleben dürfen.

00:56:24: Birgit Esch war dazu Gast aus der LVR-Klinik in Bonn und die ist systemische Familientherapeutin und eben auch Gesundheits- und Krankenpflegerin und Pflegetrainerin nachdem wir jetzt gerade so nah am Alltag auf der Akkutstation waren.

00:56:37: wenn ihr Lust habt den Blick einfach noch ein bisschen zu weiten und mehr über die Frage erfahren wollt Wie relevant es eigentlich das umfällt erkrankter Personen?

00:56:44: Auf dem Weg der Besserung dann scrollt ihr jetzt einfach ganz kurz nach unten und startet Folge vierzehn am besten direkt im Anschluss.

00:56:51: Schön, dass ihr heute mit dabei wart!

00:56:52: Schnell noch Seelenarbeit abonnieren und dem LVR auf den Socials folgen und dann verpasst ihr auch keine Updates mehr.

00:56:59: ich bin Daniel Schwingen euer eurer Host und wir hören uns nächsten Monat wieder.

00:57:02: Dankeschön danke Oli

00:57:03: Danke dir.

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