Folge 7 – Psychiatrische Pflege: Deine Ausbildung mit Sinn
Shownotes
Der Ausbildungsweg in die psychiatrische Pflege führt mitten hinein in Beziehungsgestaltung, Verantwortungsübernahme und die Frage, wie man Menschen in herausfordernden Situationen professionell begleitet.
Offen, herzlich und reflektiert berichten Anja Friesen, Krankenschwester und Praxisanleiterin an der LVR-Klinik Langenfeld, und Jasmin Schimmelpfennig, Auszubildende zur Pflegefachfrau an der LVR-Klinik Langenfeld, wie Ausbildung und persönliche Entwicklung in der Psychiatrie zusammenwirken.
Im Gespräch mit Moderator Daniel Schwingenheuer geben sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag, in Lernprozesse und in die besondere Haltung, die psychiatrische Pflege ausmacht.
Dabei zeigen sie anhand ihrer eigenen Wege auf:
- Wie die generalistische Pflegeausbildung aufgebaut ist – und wie vielfältig die Einsatzbereiche sind.
- Welche Rolle Praxisanleitung spielt und warum gute Anleitung Sicherheit, Struktur und Mut gibt.
- Wie Beziehungsarbeit, Empathie und Kommunikation zu den wichtigsten Werkzeugen in der psychiatrischen Pflege werden.
- Warum Resilienz, Selbstreflexion und Teamspirit entscheidend sind, um Menschen in Krisen gut begleiten zu können.
- Und wie sinnvoll und erfüllend es sein kann, eine Ausbildung zu wählen, in der man jeden Tag etwas bewirken kann.
Ein Blick auf ein verantwortungsvolles, vielseitiges und sinnstiftendes Ausbildungsbild – und auf Menschen, die mit Empathie Pflege leben. Jetzt reinhören!
Triggerwarnung: In diesem Podcast sprechen wir über psychische Erkrankungen. Wenn dich diese Themen belasten könnten, höre bitte achtsam zu und hol dir professionelle Unterstützung, wenn du sie brauchst.
Tipp: Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag im Monat. Jetzt abonnieren – und keine Folge verpassen! Weitere Infos: www.sinnvoll.lvr.de
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Podcast-Empfehlung: In unserem Podcast „RheinlandRAUSCH“ geht es um echte Geschichten von Menschen, die ihren Weg aus der Sucht gegangen sind, um mutmachende Gespräche mit Expert*innen und um hilfreiche Informationen, die dir oder deinen Liebsten den ersten Schritt in Richtung Hilfe erleichtern sollen. Ob du selbst betroffen bist, dir Sorgen um jemanden machst oder einfach mehr über das Thema erfahren möchtest – wir sind hier für dich. RheinlandRAUSCH | Podcast on Spotify
Transkript anzeigen
00:00:00: Man lernt, über seinen Schatten hinaus zu springen, selbstbewusster zu sein und auch mal den Ton anzugeben.
00:00:08: Das klingt jetzt erstmal vielleicht ein bisschen erhard, aber ich meine das gar nicht so, sondern eher, dass man auch präsenter wird, dass man sich nicht unterbuttern lässt.
00:00:18: oder also vorher war ich echt schüchtern und ich habe dann auch nicht immer so einen richtigen meine richtigen Worte gefunden und habe dann vielleicht vor mich hingestottert.
00:00:28: Aber jetzt lerne ich wirklich für mich einzustehen und auch zu sagen, das sind jetzt hier die Regeln.
00:00:34: So muss man sich benehmen, auch im Klinikalltag.
00:00:48: Unser Ziel Vorurteile abbauen, Einblicke geben und den Menschen hinter dem Beruf sichtbar machen.
00:00:53: Denn Seelenarbeit beginnt mit echten Geschichten und hier erzählen wir sie.
00:01:05: Herzlich willkommen zur siebten Folge von Seelenarbeit.
00:01:08: Wie schön, dass ihr noch mehr wissen wollt über die Arbeit in der Psychiatrie.
00:01:11: Ich bin Daniel Schwingen, euer Host.
00:01:13: Wir haben in den letzten sechs Folgen schon auf einige Berufsgruppen geschaut, die in den psychiatrischen Kliniken des LVR Hand in Hand arbeiten.
00:01:22: Wie zum Beispiel in Folge drei, in der es um Ergotherapie geht oder in Folge eins, in der es um die Arbeit als Oberärztin geht.
00:01:29: Heute wollen wir uns einem anderen Thema widmen, nämlich der Frage, wie löst ihr eigentlich das Ticket, um selbst auch in der Psychiatrie zu arbeiten?
00:01:38: Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
00:01:40: Eine davon ist die Ausbildung zur Pflegefachkraft.
00:01:43: Und wie die funktioniert, das erzählen wir heute direkt zwei Gästinnen.
00:01:47: Herzlich willkommen erstmal Anja Friesen.
00:01:50: Hallo.
00:01:51: Schön, dass du da bist.
00:01:51: Anja ist psychiatrische Fachkrankenschwester und Praxisanleiterin an der LVR-Klinik in Langenfeld.
00:01:59: Und herzlich willkommen auch an Yasmin Schimmelfennig.
00:02:02: Hallo.
00:02:03: Schön, dass du auch da bist, Yasmin.
00:02:05: Du bist Auszubildende zur Pflegefachfrau ebenfalls an der LVR-Klinik in Langenfeld.
00:02:10: Ihr arbeitet also beide im langen Feld.
00:02:12: Da sind wir heute unterwegs.
00:02:13: Aber bevor wir jetzt richtig rein starten in den Alltag in der Psychiatrie, kurz der Hinweis an euch, die jetzt gerade zuhören, wenn euch psychische Erkrankungen triggern oder emotional belasten, dann hört bitte nur weiter zu, wenn ihr euch aktuell stabil fühlt und oder in Begleitung seid und zögert, niemals professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, wenn es euch nicht gut geht.
00:02:33: Anja!
00:02:34: Jasmin, damit wir jetzt als Außenstehende erst mal einen besseren Überblick bekommen, fasse ich das ganz kurz zusammen.
00:02:40: Ihr seid beide an der LVR-Klinik in Langfeld und während der Ausbildung hattest du Jasmin auch schon mal einen Kurs bei Anja.
00:02:47: Darüber hinaus trifft man sich natürlich mal.
00:02:49: Ihr wisst also, wer die jeweils andere ist.
00:02:51: Ihr seid aber ansonsten auf unterschiedlichen Stationen unterwegs.
00:02:55: Anja, was ist deine Station für eine?
00:02:58: Worum geht's da?
00:03:00: Ich arbeite seit einem Jahr auf einer Station für psychosomatische Erkrankungen im Behandlungszentrum in Leverkusen.
00:03:07: Psychosomatische Erkrankungen für jemand, der sich jetzt mit dem Thema noch so gar nicht beschäftigt hat und irgendwie nur über vielleicht das Interesse an der Ausbildung auf diesem Podcast aufmerksam geworden ist.
00:03:17: Was bedeutet das genau?
00:03:19: Ja, also psychosomatisch bedeutet im Prinzip halt Körper und Seele.
00:03:24: Wenn das halt in einem Störungsverhältnis kommt, dann würde man erst einmal bei Beschwerden wie Schmerzstörungen oder depressive Verstimmungen und so weiter halt erstmal das Somatische natürlich erstmal abklären.
00:03:41: Wenn dort alles ohne Befund ist, dann würde man davon ausgehen, dass man halt Da eher die Behandlung an der Seele.
00:03:50: Ich bleibe jetzt mal so ein bisschen unfachlich, dass man da halt die Behandlung starten sollte und das würde dann auf unserer Station stattfinden.
00:03:59: Jasmin, du bachst während der Ausbildung natürlich Station auf verschiedenen Fachgebieten und in verschiedenen Stationen.
00:04:08: Wo bist du jetzt gerade aktuell?
00:04:09: Aktuell bin ich auf einer forensischen Station.
00:04:13: Ja, genau.
00:04:15: Das heißt, ihr kümmert euch um welche Art von Krankheiten?
00:04:20: Es gibt verschiedene, unterschiedliche Forensiken.
00:04:25: Auf der ich mich gerade befinde, sind es vor allen Dingen Erkrankungen mit Schizophrenie oder andere Persönlichkeitsstörungen.
00:04:38: Wir lernen euch beide noch mal kurz ein bisschen näher kennen.
00:04:40: Ich habe hier so zwei Lebensläufe vorbereitet, die gehen wir mal ganz kurz durch.
00:04:45: Anja, du hast Anfang der Neunziger deine Ausbildung zur Krankenschwester an der Krankenpflegeschule in Langenfeld gemacht.
00:04:52: Krankenschwester ist ein Begriff, der heute gar nicht mehr so explizit benutzt wird bzw.
00:04:56: die Ausbildung zur Krankenschwester gibt sich mehr.
00:04:58: Das ist das, was wir heute als Pflegerin verstehen.
00:05:01: Über ein paar Umwege ist der Begriff darin aufgegangen.
00:05:04: Genau, also heute würde man die Auszubildenden zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ausbilden.
00:05:09: Zu meiner Zeit hatte man die Berufsbezeichnung Krankenschwester, Krankenpfleger, dann wurde das abgelöst durch Gesundheits- und Krankenpfleger und heute halt die Pflegefachfrau, den Pflegefachmann.
00:05:21: Ja, nach Deiner Ausbildung kam dann irgendwann die Weiterbildung zur Frachkrankenschwester für psychiatrische Pflege.
00:05:29: Und in den vergangenen Jahren hast Du dann die Weiterbildung zur Praxisanleiterin gemacht.
00:05:33: Warum wolltest Du das damals unbedingt machen?
00:05:37: Da wurden ja dann so die ersten Kurse angeboten, wo halt Praxisanleitung dann halt auch strukturiert stattgefunden hat.
00:05:45: Zu meiner Zeit, als ich die Ausbildung gemacht habe, war das halt eher so, was so nebenbei halt stattgefunden hat und bekam halt mal was gezeigt.
00:05:53: Und irgendwann wurde das halt dann doch wesentlich strukturierter, dass man halt wirklich geplante Praxisanleitungstage halt eingefügt hat.
00:06:03: Mir persönlich hat das sehr gut gefallen und wollte da auch teil daran haben und auch aktiv mit an der Ausbildung beteiligt sein und wollte natürlich auch etwas besser machen.
00:06:13: Also das, was ich so erfahren habe, es war nicht alles schlecht.
00:06:17: Aber wollte schon auch aktiv dann auch an dem Lernprozess beteiligt sein.
00:06:22: und da kam für mich halt die Entscheidung, die Praxisanleitung zu machen, also die Ausbildung dafür.
00:06:28: Und welchen Anteil nimmt die Praxisanleitung jetzt in deinem Berufsalltag ein?
00:06:33: Also seit dieser Generalisittenausbildung ist quasi der praktische Anteil sehr hoch geworden, was halt auch die Praxisanleitungen mit abdecken müssen.
00:06:43: Das sind zehn Prozent pro Einsatz, die halt strukturiert und geplant stattfinden müssen und halt auch dokumentiert und im Dienstplan auch so hinterlegt werden müssen.
00:06:54: Und von daher ist das natürlich je nach, wie viel auszubildende man dann auf Station hat, natürlich schon eine sehr große Herausforderung, weil die halt sich in verschiedenen Ausbildungsdritteln befinden, die im ersten Ausbildungsdrittel sind, die haben natürlich eine andere Anforderung oder andere Bedürfnisse, wie jetzt schon jemand, der vielleicht schon im dritten Ausbildungsdrittel ist, also quasi schon kurz vor dem Examen steht.
00:07:13: Also da muss man sich schon sehr gut strukturieren und auch sehr gut planen.
00:07:17: Und das ist etwas, was halt nicht mehr nebenbei im stationären Alltag abläuft.
00:07:25: Wie zum Beispiel Jasmin, du bist in deinem dritten Ausbildungsdrittel.
00:07:28: Du bist im dritten Lehrjahr und nächstes Jahr, zwanzig, sechsundzwanzig bist du dann auch fertig.
00:07:32: Du hast schon vor ziemlich langer Zeit eigentlich deine ersten Erfahrungen gemacht mit Pflegeberufen vor fünfzehn Jahren, damals als freiwilliges soziales Jahr.
00:07:40: Aber manchmal dauert es halt so ein bisschen, bis sich der richtige Weg für einen selbst dann zeigt.
00:07:44: Du hast eine Ausbildung als Mediengestalterin gemacht und auch in den Medien gearbeitet.
00:07:49: Und dann kam die Corona-Zeit.
00:07:51: Was hat die mit dir gemacht?
00:07:53: Ja, Corona-Zeit hieß dann auch zwangsläufig
00:07:56: für
00:07:57: alle Homeoffice-Zeit.
00:07:58: Und das war eine sehr einsame Zeit für mich.
00:08:01: Ich saß sehr, sehr viel vom PC und habe gemerkt, so was mache ich hier eigentlich den ganzen Tag.
00:08:08: Und da habe ich wirklich den Kern meiner Arbeit so richtig hinterfragt.
00:08:12: Ich habe Sachen hergestellt, die wurden dann für drei Tage online genommen.
00:08:18: Dann kam direkt das nächste Projekt und am Ende des Tages habe ich mich gefragt, so, was soll das eigentlich?
00:08:24: Ich möchte irgendwas machen, was mehr wert hat.
00:08:27: Und so kam ich dazu, nochmal mein Berufsbild zu hinterfragen und so nochmal in die soziale Schiene zu gehen.
00:08:36: Und war tatsächlich dieses FSJ vor fünfzehn Jahren, war das ausschlaggebend?
00:08:41: oder gab es noch andere Aspekte, die dich dann dazu bewegt haben, da mal zu schauen in die Richtung?
00:08:46: Hört doch auf jeden Fall, dass FSJ hat mich sehr geprägt.
00:08:48: Auch damals habe ich überlegt, gehe ich jetzt in die Pflege oder mache ich doch was anderes.
00:08:54: Damals hieß es für meine Freunde und Verwandten, auch geh doch erst mal in die Mediengestaltung.
00:09:00: Das liegt dir doch so gut.
00:09:02: Ja, es lag mir auch gut.
00:09:04: Und ich habe auch erst mal gedacht, gut beim Schichtarbeit und die Feiertage, die einem dann wegfallen, war dann erst mal für mich ein Grund, was im Büro zu machen.
00:09:16: Jetzt rückblickend dachte ich mir, was ein Quatsch, ich hätte es auch einfach machen sollen.
00:09:20: Ja.
00:09:22: Ja, weil ich einfach merke, ich bin sehr kommunikativ und ein sehr einfühlsamer Mensch und das sind meine Stärken, die möchte ich gerne nutzen können.
00:09:30: Und was ist für dich das Besondere an der psychiatrischen Pflege?
00:09:34: Ja, gerade der Beziehungsaufbau zu den Patienten.
00:09:37: Also, dass man sich wirklich die Zeit nehmen kann, dass man von Grund auf wirklich die Probleme erfasst, aber auch die Ressourcen.
00:09:45: und dann überlegt, was kann man mit dem Patienten machen, dass es ihm nach ein paar Wochen vielleicht wieder besser geht, aber auch langfristig fürs ganze Leben.
00:09:55: In anderen Aspekten, also gerade im Krankenhaus oder so, da kommt jemand mit einer OP-Versorgung an, dann pflegt man den, dann ist der vielleicht auch nach ein paar Tagen oder Wochen weg, dann ist das ganze Problem ja auch beseitigt.
00:10:12: Aber gerade in der psychiatrischen Pflege Versucht man ja auch längerfristig zu helfen.
00:10:17: Also jetzt nicht nur für die Zeit, sondern auch die Zeit danach.
00:10:21: Jetzt haben wir hier also zwei Lebenswege, die mit den ganz eigenen Wirrungen sich plötzlich in der LVR-Klinik in Langenfeld gekreuzt haben.
00:10:28: Und jetzt macht ihr auch noch ein Podcast zusammen.
00:10:29: Das ist doch schön.
00:10:31: Es gehört zu diesem Podcast dazu, dass wir eine kleine Schnellfragerunde machen.
00:10:35: Ihr antwortet so schnell wie möglich und so kurz wie nötig.
00:10:38: Wir fangen mit dir Yasmin an.
00:10:40: Drei Worte, die deine Ausbildung bisher beschreiben.
00:10:44: Aufregend, vielseitig und bedeutsam.
00:10:47: Das war sehr schnell.
00:10:48: Anja, drei Worte, die deine Arbeit als Praxisanleiterin beschreiben.
00:10:53: Bereichert, sehr abwechslungsreich und auch vielseitig.
00:10:57: Jasmin ist wieder dran.
00:10:59: Wie sieht für dich ein guter Ausbildungstag aus?
00:11:03: Eine Mischung aus guter Anleitung und auch selbstständiger Arbeit.
00:11:07: Anja, was war dein Aha-Moment, der dich für die Praxisanleitung begeistert hat?
00:11:14: Also ich habe da sehr lange darüber nachgedacht, so einen richtigen Ah-Moment kann ich jetzt eigentlich überhaupt nicht beschreiben.
00:11:18: Also meinen größten Aspekt, warum ich die Praxsanleitung, die Ausbildung gemacht habe, war wirklich, dass ich halt was besser machen wollte.
00:11:25: Ich wollte die Ausbildung aktiv mitgestalten und es auf jeden Fall besser machen und die Qualität erhalten.
00:11:33: Eine letzte Frage habe ich noch.
00:11:34: Anja, was motiviert dich an der Arbeit mit Azubis?
00:11:37: Die Wissbegierigkeit, also ich habe selten Auszubildende gehabt, die das so nicht mitgebracht haben.
00:11:44: Das ist wirklich sehr, sehr selten und es macht immer wieder Spaß, wenn man so einen Tag mit den Auszubildenden verbracht hat, dass man eigentlich danach mit einem sehr guten Gefühl rausgeht und es sehr viel Spaß macht.
00:11:55: Jasmin, wir fangen jetzt einfach mal ganz vorne an.
00:11:57: Wir haben vorhin von der Coronazeit gehört, als du für dich das Gefühl hattest, das geht so nicht weiter.
00:12:01: Wir kommen jetzt mal zu dem Moment, als es dann für dich in eine andere Richtung.
00:12:06: Ging.
00:12:06: Nimm uns mal mit zu dem Tag, an dem du dein Bewerbungs- bzw.
00:12:10: Vorstellungsgespräch hattest.
00:12:12: Du bist durch den Haupteingang des Gebäudes.
00:12:14: Und was ist dir durch den Kopf gegangen in dem Moment?
00:12:17: Ja erstmal, wer sitzt dann gleich vor mir?
00:12:21: Mit wem habe ich das Gespräch?
00:12:24: Ja, und auch wann fängt die Ausbildung an?
00:12:27: Wie viele Plätze gibt es noch?
00:12:29: Es gibt eine Möglichkeit für mich jetzt noch dieses Jahr einzusteigen, weil gerade ich hatte jetzt ein sehr... kurzfristiges Gespräch geführt, ich glaube noch Ende August, obwohl die Ausbildung Anfang Oktober anfängt.
00:12:45: Und dann war ich mir noch nicht so sicher, ob ich diesen Platz dann noch bekomme.
00:12:51: Ja, und in diesem Gespräch habe ich dann auch noch erwähnt, dass ich gerne nochmal, weil ich so lange eben raus war, fünfzehn Jahre aus der Pflege, ob ich da nicht nochmal ein Praktikum vorher machen dürfte.
00:13:02: Also dann nochmal Ende.
00:13:03: September vor dem Start der Ausbildung.
00:13:07: Und tatsächlich durfte ich das dann auch noch machen und spätestens da war ich mir wirklich sicher, ich möchte das machen.
00:13:14: Ich möchte auf jeden Fall die Ausbildung starten und habe mich sehr auch willkommen gefühlt dort.
00:13:22: Anja, du leidest jetzt zwar keine Bewerbungsgespräche, ich kann mir mal vorstellen, dass du bei den Gruppenanleitungen auch ganz schnell so ein Fingerspitzengefühl dafür hast, wie groß jetzt das Talent einer Person ist, eine bestimmte Aufgabe zu lösen.
00:13:36: Merkst du das schnell, ob jemand dann nicht nur selbst davon überzeugt ist, dass er es kann, sondern es auch wirklich ganz gut kann und dann gespürt hat für die Tätigkeit?
00:13:48: Also eigentlich merkt man das relativ schnell.
00:13:51: Ich kann das aber jetzt gar nicht an so bestimmten Aspekten festmachen.
00:13:57: Und eigentlich, wenn man dann mal so ein bisschen mit dem Auszubildenden in die Tiefe geht und auch das Gespräch sucht, was ich immer mache, wenn ich so das Gefühl habe, oh, da gibt es aber doch A-Geschwierigkeiten oder halt auch Lücken, dass man halt erstmal Unterstützung anbietet.
00:14:11: Und da über das Gespräch merkt man eigentlich schon relativ schnell, wo da wirklich vielen Ressourcen vorhanden sind und ob das dann vielleicht auch dann weiter so Sinn macht.
00:14:22: Und eigentlich merkt es der Auszubildende eigentlich auch relativ schnell selber.
00:14:27: Jasmin, was hat dich damals eigentlich so sicher gemacht, dass genau das jetzt das Richtige ist?
00:14:32: Gute Frage.
00:14:34: Ich habe es gefühlt.
00:14:35: Also ich hatte so einen Kennenlerntag.
00:14:39: Wir haben den Sommerwanderweg mitgemacht wie Schüler.
00:14:42: Die haben uns vor der Ausbildung nochmal kurz alle kennengelernt, zusammen versammelt und haben das Klinikgelände nochmal kennengelernt.
00:14:50: Wir haben nicht nur die Mitschüler kennengelernt, sondern auch die Lehrer und auch Mitarbeiter mit denen ins Gespräch gekommen.
00:14:58: Wir haben uns wirklich viele Orte angesehen, also zum Beispiel auch die Sporthalle oder auch die Therapieangebote, die auf dem Gelände eben so stattfinden.
00:15:09: Und dort habe ich einfach gemerkt, so, hier möchte ich sein.
00:15:12: Also, das ist ein schöner Ort, auch allein zum Arbeiten.
00:15:16: Und es gab mir einfach und um ein gutes Gefühl.
00:15:20: Ja.
00:15:21: Das gute Gefühl, Anja, ist wahrscheinlich auch schon mal ein ganz, ganz großer Punkt, damit sich jemand am Ende dann auch gut entwickelt und eine gute Ausbildung absolvieren kann.
00:15:31: Ja, auf jeden Fall.
00:15:33: Also ich bin halt wirklich auch jemand, der nicht direkt am Anfang schon da so ein Urteil fällt, sondern viele Schüler entwickeln sich oder Auszubildende entwickeln sich auch mit der Zeit.
00:15:46: Aber das gute Gefühl oder dass man halt sicher ist, dass das wirklich das Richtige ist, das sollte schon vorhanden sein und nicht, dass man halt jetzt irgendeine Ausbildung angefangen hat, weil man halt nichts Besseres gefunden hat.
00:15:56: Das merkt man dann schon relativ zügig, ob das jetzt wirklich etwas ist, was man sich wirklich auch vorstellen kann.
00:16:03: Selbst wenn im Verlauf der Ausbildung man dann doch merkt, Mensch, ich habe mir das eigentlich so gut vorgestellt, aber eigentlich ist mir das zu anstrengend.
00:16:10: Ich bin überfordert.
00:16:11: Ist das ja auch letzten Endes ja dann auch kein Problem.
00:16:14: Ein gutes Gefühl sollte schon vorhanden sein, das stimmt.
00:16:18: Und über dieses gute Gefühl hinaus, welche Eigenschaften sollte jemand noch mitbringen?
00:16:24: Ja gut, also man sollte natürlich schon kommunikativ, also eine gute Kommunikation haben, ein gutes Bauchgefühl, ein gutes empathisches Gefühl, also eine gute Empathie dem Patienten oder den Menschen gegenüberbringen.
00:16:39: Das sind eigentlich so die Hauptkriterien, also dass man halt auch offen ist für die Arbeit und vorurteilsfrei an psychische Erkrankungen halt auch rangeht und sich erst mal das Ganze erst mal ja offen so annimmt und nicht schon direkt in so eine Abwehrhaltung geht, weil es dann vielleicht manchmal komische Situationen gibt.
00:16:58: Also ich nenne es einfach mal unfachlich komische Situationen.
00:17:01: Das wird mit Sicherheit in den Einsätzen mal so passieren.
00:17:04: Da kann man die auszubilden, auch nicht so wirklich in der Gänze drauf vorbereiten.
00:17:09: Dafür gibt es ja auch dann die praktischen Einsätze und dass man halt den Auszubildenden wirklich langsam halt an bestimmte Situationen dann auch ran führt.
00:17:17: Man hat ja natürlich auch selbst irgendwie so eine gewohnte Art von Umgang mit anderen Menschen und den in dem Moment vor allem, wenn man nicht damit rechnet, dann zur Seite zu legen und Eigenschaften nicht so zu bewerten, wie man es außerhalb der Klinik machen wird, ist bestimmt gar nicht so einfach, oder?
00:17:36: Ja, ganz so gar nicht.
00:17:37: Man lernt, über seinen Schatten hinaus zu
00:17:40: springen,
00:17:42: selbstbewusster zu sein und auch mal den Ton anzugeben.
00:17:46: Das klingt jetzt erstmal vielleicht ein bisschen erhard, aber ich meine das gar nicht so, sondern eher, dass man auch präsenter wird, dass man sich nicht unterbuttern lässt.
00:17:56: oder also vorher war ich echt schüchtern und ich habe dann auch nicht immer so einen richtigen meine richtigen Worte gefunden und habe dann vielleicht vor mich hingestottert.
00:18:06: Aber jetzt lerne ich wirklich für mich einzustehen und auch zu sagen, das sind jetzt hier die Regeln.
00:18:12: So muss man sich benehmen, auch im Klinikalltag.
00:18:17: Das meine ich in dem Fall.
00:18:20: Das hängt ja dann auch mit einer ganz existenziellen persönlichen Entwicklung zusammen, die man dadurch läuft in den drei Jahren an.
00:18:28: Auch dein Ziel als Praxisanleiterin, dass sich die Auszubildenden dementsprechend auch persönlich in ihrem Standing weiterentwickeln?
00:18:36: Ja, natürlich.
00:18:37: Gerade der Umgang nach dem, welchen Bereichen man gerade eingesetzt ist, ist das natürlich immer noch mal individuell, bin ich jetzt in meinem Akutbereich.
00:18:45: wo die Patienten wirklich in einer akuten Krise sich befinden, wo halt auf einer Station ganz viele verschiedene Krankheitsbilder aufeinandertreffen.
00:18:55: Da kann das dann natürlich auch schon mal sehr unruhig werden und natürlich auch sehr sehr herausfordernd.
00:19:01: Und das ist halt so.
00:19:02: die Hauptarbeit, finde ich auch für mich als Praxisanhaltung, den Schüler da wirklich individuell mitzunehmen und Situationen nahezu besprechen.
00:19:11: Ich frage immer am Ende des Tages, wenn die Auszubildenden dann nach Hause gehen, gibt es irgendwas, was dir auf dem Herzen liegt oder sollen wir irgendwas noch reden, gibt es etwas, was dich belastet, dass man das halt im Vorfeld schon abfängt und die Schüler nicht, die Auszubildenden nicht mit einem schlechten Gefühl nach Hause gehen.
00:19:28: Weil was für uns vielleicht normal ist oder für nichts mehr Besonderes, das muss für den Auszubildenden aber gar nicht so sein.
00:19:35: und dass man da nicht so betriebsblind wird und denkt, was für mich normal ist, ist für den Auszubildenden auch normal, also dass man ihn da auch abholt und immer auch gut im Gespräch bleibt im Kontakt.
00:19:47: Stellt mir das jetzt gerade so vor, dass es natürlich zwei verschiedene, komplett verschiedene... Elemente sind.
00:19:52: Das eine ist ja selbst zu pflegen und die Krankheiten zu kennen, sich um die Patientinnen zu kümmern.
00:19:57: Das andere ist ja dann jetzt so eine Art Mentoring, was man dann auch betreibt und quasi junge Leute da abholt, wo sie sind und dahin entwickelt, wo sie sein müssen, um in dieser Klinik dann auch dementsprechend die Arbeit gut leisten zu können.
00:20:12: War das für dich auch nochmal, Anja, eine eigene Reihe für Prozesse in dieses Mentoring reinzukommen, weil das kann man ja auch nicht zwangsläufig nur, weil man lange da gearbeitet hat.
00:20:23: Nee, das stimmt.
00:20:24: Natürlich muss man sich da auch selber immer mal wieder auch reflektieren und evaluieren und ja.
00:20:35: Die Praxisanleitung muss sich auch immer rezertifizieren, dass man sich da halt auch nochmal quasi neue Eindrücke holt und sich da auch selber weiterentwickelt.
00:20:46: Das ist natürlich auch ein Hauptbestandteil, was halt auch die Praxisanleitung so interessant macht, dass man halt ständig im Prozess ist und sich da auch reflektieren muss, was war gut, was war jetzt weniger gut.
00:20:59: Ja,
00:20:59: also natürlich auch dann immer auch sich das Feedback auch von den Auszubildenden einholt, wo auch Kritik absolut kein Problem ist.
00:21:06: Ich wünsche mir auch Kritik, weil nur daran kann man auch sich weiterentwickeln, wenn man halt genau weiß, okay, das ist weniger gut gelaufen, da müsste man halt nochmal drauf gucken.
00:21:17: Also das ist halt die Auszubildenden und Praxenanleiterrolle ist halt ein Geben und ein Nehmen.
00:21:22: Also ich profitiere sehr von den Auszubildenden.
00:21:25: Ich finde das auch super inspirierend, wenn ich so eine Anleitung habe, was man selber dann auch so mitnimmt für seine eigene Weiterentwicklung.
00:21:35: Ja.
00:21:37: Wir sprechen natürlich dann jetzt in dem Bereich nicht über psychische Krankheiten, aber hilft es in dem Moment, wenn man viele überpsychowise?
00:21:43: Ja.
00:21:44: Und das
00:21:45: tust du so oder so durch deinen Beruf?
00:21:47: Ja gut, ich bin jetzt natürlich auch schon seit Ewigkeiten in meinem Beruf.
00:21:51: Ich glaube, es sind jetzt thirty-four Jahre und habe halt verschiedene Bereiche auch durchlaufen.
00:21:57: Ich habe halt den größten Teil meiner Arbeit im Akutbereich verbracht.
00:22:02: Und da erlebt man natürlich alle psychiatrischen Erkrankungen live und in Farbe.
00:22:07: Also da ist man, das ist wirklich ein sehr gutes Lernumfeld.
00:22:11: Einerseits, aber andererseits muss man natürlich auch immer sensibilisiert sein, was die Auszubildenden angeht, dass man die da wirklich auch nicht überfordert oder dass Situationen halt dann, wenn halt mal irgendwie erst mal lauter wird oder man halt wirklich in den Kontakt geht und die Auszubildenden dann natürlich beobachten und schauen, dass man da halt wirklich, wie ich eben schon sagte, dann nochmal in den Kontakt geht und das nochmal nachbespricht, warum und wieso haben wir so gehandelt.
00:22:36: Das war der Hintergrund, das war das Ziel, was wir erreichen wollen.
00:22:40: und dass man das dann noch mal erklärt und dann noch mal auf Fragen eingeht, was der Auszubildende hat.
00:22:45: Hilft Empathie oder schadet es eher, weil man zu sehr drin ist und gar nicht mehr objektiv auf die Prozesse, die ablaufen, gucken kann?
00:22:56: Ja, das ist für mich Fluch und Segen zugleich.
00:22:58: Ich bin ein sehr empathischer Mensch.
00:23:01: Deswegen bin ich sehr mit fühlend und das kann natürlich super sein, um eben ganz feinfühlig auf die Menschen zuzugehen.
00:23:09: Man merkt direkt auch, okay, da stimmt was nicht.
00:23:12: Da muss ich nochmal nachhaken.
00:23:14: Gleichzeitig kommt es schon mal vor, dass ich dann nach Hause fahre und dann immer wieder noch über ein Patient nachdenken muss und habe ich aber in den letzten Jahren auch immer mehr dazugelernt, resilienter zu werden.
00:23:29: Und das ist auch ganz wichtig, sich da auch abschotten zu können.
00:23:33: Ist das das typische Bild, Anja, dass es gerade so vielleicht ja wahrscheinlich in den ersten Monaten, im ersten Jahr der Ausbildung, die Leute noch mehr mitnimmt, weil sie es hinterher vielleicht auch schon häufiger erlebt haben, mehr wissen, was eigentlich da von Prozessen her abläuft?
00:23:47: Oder ist das ganz unterschiedlich?
00:23:49: Das ist auch ganz, ganz unterschiedlich.
00:23:55: Also ich bin schon auch ein empathischer Mensch, aber in meinen ganz vielen Jahren muss man halt auch, wenn man dann halt auch so den Einblick hat, was vereinzelt nimmt, sich hat, die Erkrankung stecken eigentlich dahinter und man halt auch weiß, wie der Prozess ist, wie ist so ein Behandlungsverlauf, dann kann man natürlich auch die Menschen ganz anders mitnehmen und das haben die auszubilden halt einfach noch nicht.
00:24:15: Und da muss man halt wirklich, ja, dann auch wirklich die Krankheitsbilder gut erklären.
00:24:20: So sieht es jetzt aus, aber in ein, zwei Wochen sieht es dann so aus.
00:24:24: dass man halt dann quasi als Ausbildender sich da jetzt nicht total, dass man da nicht total zerfließt und eigentlich dann fast gar nicht mehr arbeitsfähig ist, weil man dann so ja so mitleidet mit dem Patienten, der dann halt gerade vielleicht in der akuten Phase sich befindet.
00:24:41: Jasmin, ich habe mir vorher eine Frage gestellt.
00:24:43: Ich habe mir die Frage gestellt, ob deine Ausbildung in den Medien, die ja eigentlich irgendwo geholfen hat bei der jetzigen Ausbildung zur Pflegefachfrau.
00:24:51: Ja, auf jeden Fall.
00:24:52: Das selbstständige Arbeiten habe ich dadurch echt ganz gut gelernt.
00:24:56: Aber auch so die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern.
00:25:01: Und auch das kreative Arbeiten hilft da ganz gut.
00:25:05: Also auch meine kreativen Aspekte helfen Lösungen zu finden, wo man welche erst mal nicht vermutet, aber eben auf Umwegen da nochmal zu gucken, was kann man ändern, was kann man machen, auch flexibel zu arbeiten.
00:25:21: und sich da eben anzupassen, so zu gucken.
00:25:24: Wie fühlt sich gerade jemand und darauf zu reagieren?
00:25:28: Ja, ich habe mir nämlich vorher so Gedanken gemacht, gerade bei Mediengestaltung.
00:25:31: Es geht ja dann auch viel darum, einfach Leute zu erreichen mit Grafiken, die man macht, mit Bildern, die man macht.
00:25:37: Und da merkt man ja auch, welche Hux funktionieren eigentlich für Leute, die dann am Ende auf diese Grafiken drauf schauen.
00:25:43: Und hilft dir das auch im Umgang mit Patientinnen, weil du vielleicht schneller einen Zugang findest?
00:25:51: Ja, auf jeden Fall, dass man da eben so ein Gespräch erst mal anfangen kann auf eine Art.
00:25:57: Wie machst du das?
00:25:59: Erst mal beobachte ich, ganz simpel gesagt.
00:26:02: Ich guck erst mal, wie fühlt sich der Mensch?
00:26:04: Also sieht man irgendwie, dass ein trauriger Blick ist, oder wie ist die Körperhaltung?
00:26:10: Was macht er gerade?
00:26:12: Wie sieht das Zimmer aus?
00:26:14: Wie sieht die Hautbeschaffenheit aus und so weiter?
00:26:16: Also das sind so ganz viele Aspekte, die ... die ich erstmal beobachte innerhalb von paar Sekunden und daraufhin entscheide ich, wie ich auf die Person zugehe.
00:26:26: Und wenn ich zum Beispiel sehe, dass jemand sich ein bisschen so mit dem gebeugten Rücken nach vorne und sieht in den Augen sehr traurig aus, dann frage ich auch direkt, hey, was ist denn los?
00:26:39: Geht Ihnen gerade irgendwas durch den Kopf und so weiter?
00:26:42: Also ich versuche dann eher mit meinen Beobachtungen dann auch direkt.
00:26:48: ins Gespräch zu kommen.
00:26:51: Ist das ein Standard?
00:26:53: Verfahren nenne ich es jetzt einfach mal, dass man erst mal ein bisschen beschreibend unterwegs ist und darüber vielleicht schon ein bisschen was über den Zustand, über die Gedanken der Person herauszufinden?
00:27:03: Also ich glaube, da ist es immer wichtig, in der Ich-Perspektive zu sprechen.
00:27:07: Also das sind ja meine Wahrnehmungen.
00:27:10: Es kann aber auch sein, dass der Patient sich ganz anders fühlt, also innerlich eigentlich gar nicht so traurig ist, wie ich es gerade vielleicht vermute.
00:27:16: Deswegen ist es wichtig zu sagen, Hey, ich hab gedacht, dass sie vielleicht traurig sein könnten, lege ich in der Annahme richtig.
00:27:25: Und dann geht man so ins Gespräch.
00:27:27: Und dann kann der Patient ja von sich aus erzählen, wie es dann wirklich in ihm aussieht.
00:27:32: Oder also, Vorausgesetzt natürlich, der möchte sich mir anvertrauen.
00:27:38: Das ist ja auch ein anderes Thema.
00:27:40: Aber gerade in der Bezugspflege, wenn man dann besseren Draht zueinander gefunden hat und auch das Vertrauen zueinander hat.
00:27:47: funktionieren die Gespräche gerade auch in die Tiefe auch immer besser.
00:27:52: Jetzt gerade, wo ich das so von dir noch mal höre, merke ich noch mal, was für eine große Verantwortung ihr eigentlich genau in diesem Moment habt.
00:27:59: Und vielleicht gibt es jetzt gerade irgendjemanden, der zuhört und sich denkt, ich finde es auch total spannend, ich weiß gar nicht, ob ich diese Verantwortung tragen kann.
00:28:06: Was sagt ihr so jemandem, der gerade vielleicht noch zweifelt und eigentlich aber ein totales Interesse hat an diesem Berufszweig?
00:28:13: Für wen ist diese Ausbildung?
00:28:15: was, Jasmin?
00:28:17: auf jeden Fall für Menschen, die gerne Soziales bewirken möchten, die auch das Gefühl haben, sie möchten wirklich am Ende des Tages sagen, so, ich konnte jemanden helfen.
00:28:29: Und um das herauszufinden, ob man dieser Typ Mensch ist, würde ich immer ein Praktikum oder ein FSJ oder ein... Bundesfreiwilligendienst oder ähnliches vorschlagen, dass man sich da die ersten Eindrücke machen kann, auch gerade in der Psychiatrie, wenn man da Interesse daran hat, wenn man von außen immer ein anderes Bild hat, als man es dann wirklich im Endeffekt erlebt.
00:28:53: Oft ist das so.
00:28:55: Häufig hört man ja auch nur die negativen Dinge.
00:28:58: Im Bereich Pflege fällt mir jetzt ein, wenn man so die Medien durchschaut, Schichtarbeit, wenig Personal, große Belastung, aber und das habe ich auch... Tatsächlich in Folge vier gedacht mit der Pflegerin Michelle Sugar.
00:29:08: Es wirkt auf mich so, als sei unter den Pflegenen häufig so ein ganz besonderer Spirit, so eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl.
00:29:15: Anja, du hast jetzt vielleicht noch mal besser die Übersicht.
00:29:19: Ist das eine richtige Empfindung oder ist das falsch?
00:29:27: Also jetzt in meinen doch vielen Dienstjahren habe ich für mich festgestellt, dass das Team, in dem man arbeitet, eigentlich den Hauptanteil der Arbeit für mich auch ausmacht.
00:29:42: Weil man halt sich halt auch wirklich in einem Team zugehörig fühlt und man sich gut absprechen kann und auch eine Sicherheit vermittelt wird.
00:29:51: Und bei Auszubildenden oder die halt optional die Ausbildung vielleicht anfangen wollen, muss man halt auch sagen, dass man ja auch nie alleine ist.
00:29:59: Also man ist ja jetzt nicht irgendwie, dass man da jetzt in die Station geht und dann ist keiner mehr da und man muss jetzt irgendwie eigenverantwortlich, da jetzt so eine ganze Station jetzt irgendwie leiten.
00:30:07: Das ist ja so letzten Endes nicht.
00:30:11: Natürlich muss man halt auch sagen, es gibt natürlich auch negative Aspekte, wie du schon eben gesagt hast, es ist halt Schichtarbeit, es gibt Feiertagsarbeit, die Arbeit ist manchmal sehr herausfordernd, manchmal arbeitet man vielleicht auch mit weniger Personal.
00:30:25: Aber ich für mich kann sagen, dass ich das nie bereut habe, die Ausbildung gemacht zu haben.
00:30:31: Ich immer sehr gerne auch in dem Beruf gearbeitet habe, weil man unfassbar viel mitnimmt.
00:30:36: Und das ist auch etwas, was ich so an Motivation dann auch immer gerne so weitergebe.
00:30:39: Die ist sehr vielseitig, die Arbeit jeder, kein Tag ist gleich.
00:30:45: Man arbeitet mit Menschen in sehr vielschichtigen Lebenssituationen.
00:30:50: Und man kann unglaublich viel geben, aber man kriegt auch unfassbar viel zurück.
00:30:54: Also wie Patienten ich irgendwie nach Jahren sehe und die sich noch an mich erinnern können.
00:30:59: Und so was, da geht irgendwie so ein bisschen mein Herz auch ohne sich jetzt das Ganze so romantisieren möchte.
00:31:04: Aber wenn man dann wirklich so dann auch mal was zurückbekommt, was ja auch wirklich sehr häufig ist, das ist schon, ja, das ist schon sehr toll.
00:31:15: Also das gibt mir auch Kraft, weiterzumachen.
00:31:18: Was ich so wahrnehme, ist, dass einige von Leuten aus meinem bekannten Kreis, die so einen klassischen Nine to Five-Job stecken, dass die häufig nach der Sinnhaftigkeit in ihrem Leben und in ihrem Beruf suchen.
00:31:29: Und da hab ich das Gefühl, danach müsst ihr gar nicht suchen, weil diese Sinnhaftigkeit einfach jeden Tag gespiegelt wird.
00:31:36: Oder, Jasmin?
00:31:37: Ja, auf jeden Fall.
00:31:37: Genau das war der Grund, weshalb ich da ja auch aus meinem alten Job raus wollte.
00:31:42: Wie
00:31:42: sieht denn jetzt eigentlich so dein Arbeitsalltag aus?
00:31:46: Der ist komplett unterschiedlich.
00:31:47: Also ich hab, meine ganze Ausbildung ist gesplittet.
00:31:52: Also ich hab drei verschiedene Blöcke.
00:31:55: Ich weiß nicht, wie ich es genau beschreiben soll.
00:31:58: Die Schule hat sozusagen alles vorgeplant.
00:32:01: Ich weiß ganz genau, zur welcher Zeit ...
00:32:05: ich
00:32:05: eingesetzt werde.
00:32:06: Ich weiß ganz genau, wann ich meine Schublock habe und wann ich Urlaub habe.
00:32:11: Das ist soweit ganz gut, dass ich das schon mal vor den drei Jahren, also bevor die oder als die Ausbildung anfing, wusste ich ganz genau, okay, dann und dann habe ich Urlaub, dann und dann habe ich einen Einsatz.
00:32:23: Das finde ich ganz gut.
00:32:25: Deswegen sieht mein Arbeitsalltag immer unterschiedlich aus.
00:32:29: Auch gerade, weil ich unterschiedlich eingesetzt bin und eingesetzt heißt, dass ich weil es ja die generalistische Ausbildung ist, ja auch andere Bereiche kennenlernen darf.
00:32:41: Das heißt, die alten Pflege, die ambulante Pflege, dann war ich auch noch in der Pediatrie und auch noch in der Psychiatrie.
00:32:54: Also das sind dann die verschiedenen Bereiche, die ich mir eben im Laufe anschauen durfte und deswegen ist das unterschiedlich.
00:33:04: All diese Begriffe, all die Stationen, die du hier so genannt hast, das zeigt auch nochmal wieder das, was ich eigentlich auch wahrgenommen habe über die letzten Folgen, dass es bei der Arbeit in der Psychiatrie eigentlich eine sehr, sehr große Dynamik gibt.
00:33:14: Und zwar irgendwie in allen Belangen von der Schwere der Krankheit, von dem Einfluss auf das Leben der Patientin natürlich auch in Bezug auf die Maßnahmen, die dann ergriffen werden müssen.
00:33:23: Da gibt es da auf der einen Seite ambulante Gesprächstherapien, die völlig ausreichend sind, um vielen Menschen zu helfen und auf der anderen Seite.
00:33:30: Gibt es natürlich jetzt, wenn wir auf das andere Ende des Spektrums schauen, Maßnahmen, die fast nie angewendet werden, aber in Einzelfällen dann halt eben doch wie zum Beispiel Fixierung, weil Menschen sich oder andere in Gefahr bringen.
00:33:43: Das heißt aber natürlich auch, dass du, Jasmin, als Auszubildende auf alle Eventualitäten vorbereitet werden musst und dafür ist dann zum Beispiel Anja zuständig, da habt ihr euch auch kennengelernt bei einer Gruppenanleitung zu dem Thema Zwangsmaßnahmen und Fixierung.
00:33:58: Also möchte noch mal klarmachen an dieser Stelle, dass diese Maßnahmen nur in ganz, ganz wenigen Fällen nötig sind.
00:34:04: Aber wie läuft so etwas ab?
00:34:06: Das ist ja schon was, was irgendwie vom Begriff her auch vielleicht ein bisschen Angst macht, Anja.
00:34:10: Das stimmt.
00:34:11: Also ich mache das immer als Gruppenanleitung, also mit mehreren Auszubildenden, da das halt ohne Patient stattfindet.
00:34:21: Und die Anleitung ist so aufgebaut, dass man natürlich auch erst mal die rechtlichen Grundlagen bespricht.
00:34:29: Also was muss passieren, wenn es zu so einer Situation kommt?
00:34:32: Weil das darf man ja nicht einfach so mal eben machen.
00:34:34: Also was muss der Arzt machen?
00:34:36: Was müssen wir dokumentieren?
00:34:39: Dann, wie deeskalieren wir eigentlich?
00:34:42: Also weil die Fixierung, also jemanden wirklich sichern, das ist immer das aller, allerletzte Mittel der Wahl.
00:34:49: Also davor muss alles, also alles an die eskalierenden Möglichkeiten auch erst mal passiert sein.
00:34:55: Leider, manchmal, es ist sehr, sehr selten, kann man es halt auch nicht verhindern, weil dann nichts greift oder der Patient in seiner Anspannungskurve schon am Point of No Return ist und dann halt wirklich verbal auch nichts mehr, also da nichts mehr ankommt, dann... Klar, dann kann das schon mal passieren, aber ich muss sagen, dass das wirklich in meinen Dienstjahren wirklich sehr selten vorgekommen ist.
00:35:20: Aber natürlich sensibilisieren wir die Auszubildenden natürlich zu dem Thema.
00:35:25: Und dann gehen wir alle die Eskalationsmaßnahmen durch.
00:35:30: Was bietet die Klinik an für die Eskalationsfortbildung?
00:35:33: Und da werden ja alle Mitarbeiter auch geschult.
00:35:36: Und ganz zum Schluss würden wir dann quasi uns ein Bett angucken, was vorbereitet ist, wenn es wirklich zu dieser Situation kommt und dass die Auszubildenden sich dann gegenseitig mal natürlich... frag ich vorher, ob das dann für alle dann auch so in Ordnung ist und die sich dann quasi selber mal fixieren, um natürlich auch das Gefühl mal selber zu empfinden, wie ist das, wenn ich mich, wenn ich nicht mehr frei entscheiden kann?
00:36:04: Also wenn ich wirklich in so einem Bett liege, was für ein Gefühl löst das in mir aus?
00:36:09: Und ich finde das auch ganz wichtig, dass man halt wirklich da zumindest in Antallen weiß, wie schlimm das auch für den, für den Menschen ist, der dann quasi dann gesichert wurde.
00:36:21: Und die Anleitung, das mache ich schon viele Jahre und das läuft eigentlich immer wirklich sehr positiv ab.
00:36:28: Also die Auszubildenden haben schon verstanden, dass das halt wirklich immer das letzte Mittel der Wahl ist.
00:36:33: Jasmin, hattest du damals vor dem Kurs oder nach dem Kurs mehr Respekt vor diesem Maßnahmen?
00:36:39: Schwierig zu sagen, beides.
00:36:40: Also vorher habe ich es schon mal miterlebt, dass jemand fixiert wurde und als Auszubildende soll man ja sich erst mal... Hintergrund halten und dann gegebenenfalls auf andere Patienten zu gehen, um die zum Beispiel zu beruhigen oder vielleicht auch erstmal nicht so eine Hektik generell zu haben oder auch abzulenken.
00:37:03: Und nach der Übungsmaßnahme mit Anja, habe ich noch mal so richtig gemerkt, weil wir uns gegenseitig dann ja auch noch mal fixiert haben und ich lag dann in dieser Haltung für einige Minuten und habe dann echt gedacht, das war kein schönes Gefühl und das möchte man auf jeden Fall vermeiden.
00:37:27: Also wie Anja schon gesagt hat, so das ist die allerletzte Maßnahme.
00:37:31: Und vorher versucht man wirklich alles, damit es gar nicht erst das zu kommen, Marc.
00:37:37: Und weil sie so selten vorkommt, sprechen wir an dieser Stelle jetzt am besten auch gar nicht weiter darüber.
00:37:41: Ich möchte gerne noch auf ein anderes Thema kommen, und zwar auf das Thema Kommunikation.
00:37:48: Handwerklichen Fähigkeiten.
00:37:49: jetzt bei der Pflege gehört natürlich auch jede Menge Kommunikationstalent zu diesem Beruf, Pflegefachfrau in einer psychiatrischen Klinik zu sein.
00:37:59: Wie groß ist der Anteil von Kommunikation?
00:38:02: Sehr groß.
00:38:03: Also man muss ja den Patienten auch erst mal da abholen, wo er sich aktuell gerade befindet.
00:38:08: Ist er jetzt sehr aufgeregt.
00:38:11: sehr angespannt, dann ist meine Stimmlage vielleicht eher ein bisschen ruhiger, nicht so bestimmen, man versucht eine Lösung zu finden, um halt die Situation für den Patienten halt auch ein bisschen zu deeskalieren.
00:38:22: Da gibt es halt ganz verschiedene Möglichkeiten.
00:38:24: Da, also manchmal reicht einfach, kommen Sie, wir gehen einfach mal eine zusammen, eine Zigarette rauchen, erzählen Sie mir mal, was passiert ist, was ist denn los, warum sind Sie denn so angespannt?
00:38:34: Oder sollen wir uns mal einen Kaffee kochen, wir setzen uns mal eine ruhige Ecke, also dass man erstmal den Patienten aus dieser Anspannung sitzt.
00:38:42: Manchmal sind es halt auch Situationen, wo man vielleicht dann mit den Patienten zusammen ein Skill ausprobiert.
00:38:48: Sei es so einfach mal.
00:38:50: einen Gummiband flitschen, so einen kleinen Schmerzreiz setzen.
00:38:53: Meistens haben die Patienten auch gerade im Akutbereich schon Erfahrung damit und dass man halt wirklich den Patienten halt auch begleitet und ihn da nicht alleine lässt in der Situation.
00:39:03: Ist das jetzt ein Patient, der vielleicht total antirpsgesteigert ist, also wirklich den ganzen Tag angetrieben über die Station läuft, überhaupt nicht zur Ruhe kommt, dass man einfach mal sagt, so kommen sie, wir gehen mal eine Runde raus, wir gucken uns mal die Bäume an.
00:39:19: dass man halt wirklich die so eine Achtsamkeitsübung mit den Patienten macht, die ihn eins zu eins begleitet und da ist die Kommunikation eigentlich der Hauptbestandteil.
00:39:30: Also wie hole ich den Patienten jetzt in der Situation ab?
00:39:33: Wie spreche ich ihn an?
00:39:34: Muss ich ein bisschen bestimmter sein, weil er mich jetzt vielleicht gar nicht so wahrnimmt, weil er schon so angespannt ist, dass verbale Kommunikation halt ein bisschen schwieriger wird?
00:39:42: Da muss ich ein bisschen bestimmen, da ein bisschen strukturierter mit den Patienten sprechen.
00:39:46: Ist das jemand, der vielleicht sehr depressiv ist, sehr antriebslos und nur im Bett liegt, dass man halt wirklich immer wieder den Kontakt sucht, den Patienten ein Gespräch anbietet.
00:39:56: Also eigentlich läuft fast alles über die Kommunikation ab.
00:40:00: Jasmin, gibt es etwas, was du über Kommunikation gelernt hast in deinen ersten zwei Jahren, was für dich wirklich so ein Aha-Moment war, wo du gedacht hast, oh wow, da hab ich noch nie darüber nachgedacht.
00:40:12: Also man lernt ja ganz früh schon die verschiedene Kommunikationsmodelle.
00:40:16: Die habe ich jetzt aufgrund meiner vorherigen Ausbildung auch schon alle kennenlernen dürfen.
00:40:20: Deswegen war das jetzt für mich persönlich nichts Neues.
00:40:24: Aber die ganz, ganz wichtig eben, dass man eben ganz anders wahrnehmen kann, ganz anders senden kann, als das, wenn man vielleicht selber bekommt oder wiedergibt.
00:40:37: Deswegen Kommunikation ist an der Stelle wirklich super wichtig und das hört einem auch auf jeden Fall im Rahmen der Ausbildung.
00:40:45: auch mitgegeben.
00:40:47: Wir haben uns hier in dem Gespräch bisher eigentlich in der Klinik und vielleicht ein bisschen in der Schule aufgehalten, versteht aber auch, dass die Welt außerhalb der Klinik das Umfeld, die Gesellschaft riesige Einflüsse haben auf uns alle und auch einen Umgang einer Gesellschaft mit psychischen Krankheiten ist ein Faktor für Patientinnen und deswegen sprechen wir hier in diesem Podcast auch über Vorurteile.
00:41:07: Jasmin, wie war das eigentlich damals, als du so kommuniziert hast?
00:41:12: recht meine bisherige Laufbahn habe, ich mache was komplett Neues.
00:41:16: Hattest du das Gefühl, dass dein Umfeld da sagt, ja cool, mach?
00:41:18: Oder kam da vielleicht auch so ein paar Vorurteile, die du erstmal für dich klar kriegen musstest?
00:41:25: Es kam beides.
00:41:26: Also es kam erstmal, ja klar, mach das doch.
00:41:29: Also ich habe super viel Unterstützung bekommen von Familie und Freunden, die wirklich gesagt haben, ist doch egal, mach doch einfach die Ausbildung, mach den Quereinstieg, mach... Mach was anderes, wenn du das wirklich möchtest.
00:41:43: Wir stehen hinter dir und das fand ich wirklich toll zu hören.
00:41:47: Und andererseits kam natürlich so, bist du dir sicher?
00:41:50: Willst du das wirklich in der Psychiatrie machen?
00:41:53: Ich sag doch, das möchte ich.
00:41:54: Also ich sehe das wirklich positiv und ich hab das Gefühl, da kann ich echt einiges bewirken und dass mir das gut tun wird, auch für mich, für meine persönliche Entwicklung.
00:42:06: Anja, bei dir ist das Ganze ja schon ein bisschen länger her, wie waren das Anfang der Neunziger?
00:42:11: Also ich finde so diese Stickmarta, die haben sich jetzt in weiten Teilen immer noch nicht wirklich gebessert.
00:42:19: kommuniziert das immer, dass jeder an einer psychischen Erkrankung erkranken kann.
00:42:24: Und das weiß ich nicht so, Horror-Szenarien, die halt dann immer so in den Köpfen rumschweben, dass man das wirklich halt auch, ja, dass man das halt so in der Psychiatrie überhaupt nicht mehr ist und dass man da halt wirklich auch Aufklärung leistet.
00:42:41: Und eigentlich, ja, die Menschen dann schon ... auch echt, auch echt, so ist das gar nicht mehr so.
00:42:48: und also das ist halt heute immer noch, also bedeutet immer noch sehr viel Aufklärungsarbeit und so dieses Stigmatapsychiatrie, das ist leider immer noch in vielen Köpfen vorhanden.
00:43:00: Ja, Anja, ich habe tatsächlich in meinem Umfeld wahrgenommen, dass gerade auch auf Instagram viele Musiker, Musikerinnen, Schauspieler und so, dass viel häufiger Leute öffentlich machen, dass sie eine psychische Erkrankung haben und deswegen auch in Therapie waren.
00:43:14: Und ich nehme das inzwischen als normaler wahr, als ich das vielleicht vor zehn Jahren wahrgenommen hätte.
00:43:23: Habt ihr das gleiche Gefühl ihr beiden, dass sich da was verändert in der Gesellschaft?
00:43:29: Ja, also doch,
00:43:31: das sehe ich schon, auch gerade, wie du das gerade beschreibst, gerade in Social Media berichten immer mehr Celebrities darüber, dass sie irgendwie einen Endshub gemacht haben oder dass sie an psychischen Erkrankungen leiden, dass sie deswegen ein Konzert ausfallen lassen und so weiter.
00:43:45: Und ich finde, das soll auch so sein, dass man das eben sichtbarer macht, weil wie Anja das auch eben gesagt hat, es kann jeden treffen, also jeder kann eine psychische Erkrankung bekommen und sei es durch Traumata, also wie schnell man allein in so eine Sucht gerät.
00:44:05: Die Psychiatrie ist ja so vielfältig, weshalb wirklich es jeden treffen kann und das normal werden sollte.
00:44:13: Anja, was wünscht ihr von der Gesellschaft im Umgang mit psychischen Erkrankungen?
00:44:18: dass diese mittlerweile auch genauso normal sind wie eine Blindarm-OP oder eine ganz andere somatische Erkrankung, wo sich keiner eine Rückfrage stellt oder komisch guckt, sondern weil es halt normal ist, dass Menschen psychisch erkranken.
00:44:34: Und Lebensumstände können sich ändern bei jedem.
00:44:38: Und diese können natürlich auch immer wieder mal auch zu einer schweren Depression führen oder zu anderen psychischen Erkrankungen.
00:44:47: Das würde ich mir wünschen, dass das halt nicht mehr so ein ausgegrenztes Gebiet ist, wo es liegt vielleicht auch daran, dass wenige halt so einen Zugriff drauf haben.
00:44:57: In Krankenhaus geht man eher, man besucht jemanden, der im Krankenhaus liegt.
00:45:00: Das ist einem näher als jetzt vielleicht so ein Besuch in einer psychiatrischen Klinik.
00:45:05: Und da sollten man vielleicht dann so, dass man so ein bisschen öffnen und sagen, dass das halt genau so eine Krankenhausbehandlung ist wie jeder andere auch.
00:45:14: Gute Vorschläge.
00:45:15: Jasmin, hast du eigentlich jemals nochmal gezweifelt?
00:45:19: Nein.
00:45:20: Auf gar keinen Fall.
00:45:22: Wunderbare Statement.
00:45:24: Was solltest du noch sagen?
00:45:26: Nee, also das war die beste Entscheidung meines Lebens, dass ich in die Pflege gegangen bin.
00:45:31: Also das sage ich jedem, den ich von meiner Ausbildung erzähle.
00:45:36: Genauso wie meinen Lehrern, wenn die fragen, und wie geht's dir, dann sage ich so... Das war die beste Entscheidung und ich bereue nichts und ich bin sehr glücklich daran.
00:45:46: Also was mir als Außenstehende mir jetzt jedenfalls immer bewusster wird, ist, dass die Arbeit in der Psychiatrie so wahnsinnig viele interessante und spannende Aspekte hat.
00:45:53: Und es gibt bestimmt einige von euch da draußen, die jetzt gerade zuhören, die sich denken, jo, das möchte ich jetzt auch gerne machen.
00:45:58: Zum Abschluss, unser Podcast steht unter dem Motto sinnvoll in jeder Beziehung.
00:46:02: Was bedeutet das für euch ganz persönlich?
00:46:05: Jasmin.
00:46:07: Ja, sinnvoll eben.
00:46:09: dass ich, wie ich es auch eben erwähnt habe, dass ich am Ende des Tages sagen kann, so, ich hab was gemacht und ich konnte jemanden helfen und dass ich guten Gewissens nach Hause gehe, egal wie stressig der Tag war oder egal, was da so vorgefallen ist, ich weiß, dass ich mindestens einer Person irgendwo helfen konnte.
00:46:29: Anja?
00:46:30: Ja, das kann ich auch nur so unterschreiben, dass man so, selbst wenn der Tag wirklich sehr herausfordert und sehr stressig war, dass man im Ende des Tages in einem tollen Team gearbeitet hat, man sich gegenseitig unterstützt hat und die Patientenversorgung trotzdem gut war und man immer irgendwo halt auch seinem Bestes gegeben hat.
00:46:51: Ja, dass man halt schon auch dann mit einem guten Gefühl nach Hause geht, weil man weiß, was die Patienten gut aufgehoben sind oder dass der Tag trotz Stress oder Herausforderungen gut gelaufen ist.
00:47:03: Ihr beiden, ich danke euch für den Besuch Jasmin.
00:47:06: Ich glaube, dass dein Weg auch für viele eine Ermutigung sein kann, dass es nie zu spät ist, um sich für eine Karriere beim LVR zu entscheiden.
00:47:13: Und es macht mich persönlich auch jedes Mal immer so ein bisschen happy, wenn ich merke, dass eine Person den Mut gefunden hat, sich selbst zu verwirklichen und auf sich selbst zu hören und dann auch noch das ganze Leben einfach mal eben umzukrempeln.
00:47:24: Und wenn dann gleichzeitig auch noch so eine wichtige und helfende Tätigkeit dabei rumkommt, dann ist das doppelt schön.
00:47:30: Toll, dass du heute da warst.
00:47:31: Danke schön.
00:47:32: Danke auch.
00:47:34: Und es gehört jede Menge Mut dazu, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen.
00:47:37: Das gilt natürlich zum einen gegenüber Patientinnen, zum anderen ist die Verantwortung gegenüber Auszubildenden, aber nicht zu unterschätzen, gerade in einem Bereich wie der Psychiatrie.
00:47:46: Ist bestimmt häufig fingerspitzen, Gefühl gefragt, fordern, ohne zu überfordern.
00:47:50: Ist nicht immer ganz leicht, aber ich finde es toll, wenn jemand andere an die Hand nimmt, um sie anzuleiten.
00:47:55: Anja, auch dir, danke für deine Einblicke heute.
00:47:58: Sehr gerne.
00:48:00: Wie sieht die Ausbildung zur Pflegefachfrau beim LVR aus?
00:48:03: Danke euch beiden für den Besuch hier in Seelenarbeit, Anja Friesen, Praxisanleiterin und Jasmin Schimmel, fennig Auszubildende zur Pflegefachfrau.
00:48:11: Wenn ihr noch mehr Einblicke in die tägliche Arbeit in der Psychiatrie sucht, dann hört einfach eine der letzten Folgen nochmal, zum Beispiel Folge sechs.
00:48:19: Da hat uns Assistenzarzt Julius Vielhauer erzählt, wie eigentlich bestimmte Substanzen abhängig machen können und wie in der Psychiatrie versucht wird, diese Spirale zu unterbrechen.
00:48:29: Und am besten folgt ihr den sozialen Kanälen des LVR, dann verpasst ihr keinerlei Updates mehr.
00:48:34: Ich bin Daniel Schwingnehoier, ich habe auch diese Folge für euch moderiert.
00:48:38: Bis bald, macht's gut, tschüss!
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